Ist das ein Basketball-Spiel oder Parteitag?

Nordkoreanische und chinesische Frauen tragen eine Freundschaftspartie aus. Die Stimmung in der Halle ist grossartig inszeniert.

Da können andere Sportbegeisterte kaum mithalten: In Nordkorea ist die Atmosphäre während eines Basketball-Spiels einmalig – und inszeniert. (Video: tamedia/AP)

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Ein eher unbedeutendes Spiel mit einheimischen und chinesischen Basketballerinnen ist in Pyongyang eben doch von Bedeutung. Sie spielen in gemischten Teams – sie tragen die Namen «Freundschaft» und «Einheit». Die Halle ist bestens gefüllt.

Die Sportlerinnen werden beim Einlaufen vom mehrheitlich einheitlich gekleideten Publikum gefeiert wie Helden. Die Zuschauer erweisen den Sportlerinnen die Ehre und erheben sich. Vor Spielbeginn hält ein Herr in Anzug und Krawatte – es könnte ein Sportfunktionär sein, ist aber wohl ein ranghohes Mitglied der Partei der Arbeit von Staatsoberhaupt Kim Jong Un – eine kurze Rede.

Während der Partie ist die Euphorie auf den Rängen gewaltig. Die Matchbesucher klatschen im Takt und feuern die Teams mit exakt aufeinander abgestimmten Schlachtrufen an. Auch nach Spielende herrscht eine grossartige Atmosphäre, «Team Einheit» besiegt «Team Freundschaft» 107:106. Alle applaudieren. Auch die VIP-Loge feiert, wenn auch nur dezent. Herren im Anzug oder dem typisch nordkoreanischen Chic sitzen auf Ledersesseln. Hinter ihnen hängt ein riesiges Bild der aufgehenden Sonne.

Die Stimmung ist toll, aber für unsereins kaum mitreissend. Sie wirkt zu unecht. Das offenbar im Voraus abgesprochene Klatschen und Anfeuern der Spielerinnen erinnert eher an einen Parteitag, als an ein Basketball-Spiel. Spontanes Mitfiebern bleibt aus, die Inszenierung hinterlässt einen entsprechenden Nachgeschmack. Die Partie dürfte im Rahmen der Festivitäten zum nordkoreanischen Nationalfeiertag am 10. Oktober stattgefunden haben.

Eigene Regeln im Basketball

Nordkoreas Präsident Kim Jong Un ist übrigens ein grosser Basketball-Fan. Er verfolgt die NBA, allen voran die Spiele der Chicago Bulls. Deren ehemaliger Star Dennis Rodman hat den Diktator seit 2013 schon fünf Mal in Nordkorea besucht und Trainings mit Spielern abgehalten. Die Nationalmannschaft verpasste 2017 dennoch die Qualifikation für die Basketball-Asienmeisterschaften.

Laut Berichten der englischen «Daily Mail» und australischen «Herald Sun» hat Kim Jong Un eigene Regeln in der nordkoreanischen Basketball-Liga eingeführt, damit die Spiele etwas mehr Spektakel bieten. So zählen Dunks drei statt zwei Punkte, für Dreier-Würfe ohne Ringberührung gibt es gleich vier Zähler (also einen Extrapunkt) und ein Korbwurf in den letzten drei Sekunden bringt gar satte acht Punkte ein. Eine vierte Anpassung betrifft die Freiwürfe: Wer seine Chance nicht nutzt, muss einen Minuspunkt in Kauf nehmen.

Nach welchen Regeln die Partie zwischen «Team Freundschaft» und «Team Einheit» gespielt wurde, ist leider nicht überliefert. (ddu/tzi)

Erstellt: 11.10.2018, 18:08 Uhr

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