Jérémy Desplanches schreibt Schweizer Sportgeschichte

Der Genfer brilliert mit Silber über 200 m Lagen. Es ist erst die sechste Schweizer WM-Medaille. Und die bislang wertvollste.

Jérémy Desplanches schwimmt zu WM-Silber. (Video: SRF)

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Sein Ziel war eine Top-5-Klassierung. Eine WM-Medaille bestenfalls ein Traum. Denn Jérémy Desplanches ist nicht nur der beste Schweizer Schwimmer. Sondern auch ein Realist. Der seit über fünf Jahren in Nizza lebende und trainierende Romand wusste, dass nicht weniger als fünf seiner Final-Konkurrenten an der WM im südkoreanischen Gwangju schon schneller geschwommen sind als er. Aber der 24-Jährige liess sich davon nicht einschüchtern, sondern reagierte darauf mit Angriffslust.

Von Anfang an war Desplanches an der Spitze dabei, nach 150 Metern hatte sich der Europameister zusammen mit Daiya Seto leicht abgesetzt und brachte die Silbermedaille hinter dem Japaner im Crawl-Schlussspurt tatsächlich ins Trockene. Mit 1:56,56 verbesserte er dabei seinen im Halbfinal aufgestellten Schweizer Rekord nochmals um 17 Hundertstel. «Das war ein Riesenstress vor dem Rennen. Während dem Rennen war ich sehr konzentriert. Und danach? Eine Riesenfreude!», erklärte der neue Vizeweltmeister.

Nun Medaillenhoffnung in Tokio

Desplanches hat damit ein Stück Schweizer Sportgeschichte geschrieben. Er sicherte Swiss Swimming nicht nur die erste WM-Medaille seit zwölf Jahren (Flavia Rigamonti), sondern stand gestern auch als erst zweiter Schweizer Mann nach Dano Halsall 1986 auf einem WM-Podest. Seine Medaille ist zudem als die wertvollste der bislang sechs zu werten. Denn Rigamonti gewann ihre drei Silber-Medaillen über die nichtolympische Disziplin 1500 m Crawl, und als Halsall und Marie-Thérèse Armentero 1986 über 50 m Crawl reüssierten, war diese Distanz ebenfalls noch nicht olympisch, sondern gerade zum ersten Mal eine WM-Disziplin. Desplanches’ 200 m Lagen sind dagegen ein Klassiker des Schwimmsports.

Sein WM-Coup macht den Genfer nun zur Schweizer Medaillenhoffnung für die Sommerspiele in einem Jahr in Tokio. Olympisches Edelmetall hat die Schweiz bislang erst einmal gewonnen: Etienne Dagon 1984 mit Bronze über 200 m Brust. Desplanches’ grosses, schon länger definiertes Ziel für Olympia 2020 ist ein Top-5-Rang. Das war es an der WM auch. Das Ergebnis ist bekannt. (hua)

Erstellt: 25.07.2019, 14:11 Uhr

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