Johaug läuft jetzt ohne Bretter

Norwegens Skilanglaufstar Therese Johaug denkt über einen Start an der Leichtathletik-EM 202o in Paris nach.

Bislang lief sie vor allem in der Loipe, nun gewinnt sie auf der Tartanbahn: Die Norwegerin Therese Johaug. (Video: NRK TV)

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2007 wurde sie mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der nordischen WM im japanischen Sapporo die jüngste WM-Medaillengewinnerin im Langlauf. Drei olympische und 15 WM-Medaillen zählen zu ihrem Palmarès. Mit zehn Titeln gehört sie zu den Top 5 der erfolgreichsten WM-Teilnehmer im Langlauf – sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Nun weiss Therese Johaug auch jenseits der Loipe zu überzeugen.

Am Wochenende errang die 31-jährige Norwegerin in Hamar den nationalen Meisterschaftstitel im Rennen über 10 000 Meter. Mit einer Zeit von 32:20,19 Minuten belegt sie in der europäischen Jahresweltbestenliste den 15. Platz. Diese Siegeszeit würde sie auch für einen Start an der Leichtathletik-EM im kommenden Jahr in Paris berechtigen. Und mit genau diesem Start liebäugelt Johaug nun.

«Ich weiss, dass ich mir neue Aufgaben stellen und Dinge ausprobieren muss, die ich vorher noch nicht getan habe», sagte sie norwegischen Medien. Sie sei sich jedoch bewusst, dass sie vor einer harten Aufgabe stehe. Begrüsst wird Johaugs Tatendrang auch vom norwegischen Leichtathletik-Verband, der die Quereinsteigerin gern auf der Tartanbahn in Paris sähe. «Sie ist ein Fitness-Phänomen, sie hat Qualitäten», sagte Leichtathletik-Sportchef Erlend Slokvik.

Eine unbequeme Vergangenheit

Da die nächste nordische WM erst 2021 in Oberstdorf ausgetragen wird, käme ein Start in Paris dem Trainingsprogramm der Langläuferin entgegen, gehört doch das Laufen im Sommer traditionell zur Vorbereitung der norwegischen Langläufer. Ein Start in Paris würde Johaug zumindest deutlich positivere Schlagzeilen einbringen als ihre Dopingvergangenheit, die sie seit dem Oktober vor drei Jahren wie ein dunkler Schatten begleitet.

Die Athletin wurde nach der Verwendung eines Lippenbalsams positiv auf das Steroid Clostebol getestet und mit einer 18-monatigen Sperre belegt. Johaug hatte beteuert, das Steroid unwissentlich genommen zu haben. Der damalige norwegische Mannschaftsarzt nahm die Schuld für das Vergehen der 28-Jährigen auf sich, der mit dem Balsam einen Sonnenbrand hatte behandeln wollen. Die Langläuferin verpasste daraufhin die Weltmeisterschaften 2017 und die Olympischen Spiele 2018. An der nordischen WM im Winter diesen Jahres gewann Johaug drei Gold- und eine Silbermedaille. Auch wenn sie in an der Leichtathletik-EM im nächsten Jahr starten sollte, ist nicht davon auszugehen, dass sie mit ihrer Zeit Ähnliches wie auf Schnee erreichen dürfte.

Erstellt: 05.08.2019, 15:07 Uhr

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