Junge Turner schaffen den Exploit

Das Schweizer Team überrascht sich mit fünf Finalplätzen an der EM in Glasgow selber.

Volle Konzentration bei Henji Mboyo. Der Schweizer und seine zwei Kollegen Oliver Hegi und Taha Serhani stehen im Teamfinal von Glasgow.

Volle Konzentration bei Henji Mboyo. Der Schweizer und seine zwei Kollegen Oliver Hegi und Taha Serhani stehen im Teamfinal von Glasgow. Bild: Keystone

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Sie fieberten bis zum letzten Stand mit, seine Kollegen. Und als der junge EM-Neuling Noe Seifert diese Landung auf die Bodenfläche gebracht hatte, da hüpfte Oliver Hegi ein paar Meter freudig von einem Bein aufs andere. Er ahnte - und wenig später hatte er Gewissheit: Die Schweiz qualifizierte sich an der Turn-EM in Glasgow zum zweiten Mal in Folge für den Mannschaftsfinal. Rang 4, nur ein Punkt hinter den Deutschen. Und dies derart ersatzgeschwächt: ohne Pablo Brägger, ohne Eddy Yusof, ohne Christian Baumann.

«Eine totale Überraschung», sagte Oliver Hegi, der letzte verbliebene Teamleader im Aufgebot. Mit zwei überzeugenden Auftritten an seinen Lieblingsgeräten Reck und Barren ragte der 25-Jährige resultatmässig hinaus, doch es war die Teamleistung, die vor allem verblüffte. Wie es Hegi schaffte, sich nach einem Sturz gleich am Startgerät Pauschen wieder aufzuraffen. Wie stilsicher Taha Serhani durch den Wettkampf turnte und sich ebenfalls einen Platz im Reckfinal sicherte. Wie abgeklärt der erst 19-jährige EM-Neuling Henji Mboyo den Mehrkampf absolvierte, für den er zu seiner eigenen Überraschung nominiert wurde. Dass das Riesentalent aus Glattbrugg im Barren den Final erreichte - das setzte seinem Auftritt die Krone auf.

Begonnen hatte der Wettkampf ja denkbar ungünstig mit dem Sturz von Hegi - an einer EM gibt es keine Streichresultate. Zwei Geräte erhielt Hegi in der Folge Zeit, um in der Aufwärmhalle seine Gedanken zu sammeln, denn an den Ringen und am Sprung gab Nationaltrainer Bernhard Fluck seinen jüngeren Turnern die Gelegenheit, Erfahrungen auf der grossen Bühne zu sammeln. So durfte der 19-jährige Noe Seifert, kurz vor der EM für den am Fuss verletzten Yusof ins Aufgebot gerückt, gleich an drei Geräten einspringen.

Hegi überzeugt am Barren

Am Barren kehrte Hegi zurück - und wie: Er präsentierte seine schwierige Übung ohne Fehler, ohne Wackler, ein rundum überzeugender Auftritt mit einem spektakulären Abgang. Danach am Reck mochte er einen Fehler begangen haben, «einen sehr schweren», wie das selbstkritische Muskelpaket gleich mal befand, und trotzdem reichte es ihm als Dritter locker in den Final. Gut zwei Zehntel fehlten ihm auf Epke Zonderland. Der Holländer kann seine Kür für den Sonntag noch deutlich steigern.

Schon 2015 erreichte Hegi den WM-Gerätefinal am Reck, dies als erster Schweizer nach 65 Jahren, er beendete ihn nach einem Sturz aber als Letzter. Es folgte die EM 2016, als die Schweiz zwar sensationell Bronze mit dem Team gewann, Hegi aber unter seinen eigenen Erwartungen blieb. Dann die EM im Jahr darauf, sie brachte den Coup für Hegi und die Schweiz: Silber für ihn, Gold für Pablo Brägger. Aber auch: ein verpatzter Final am Barren. Und ein halbes Jahr später: eine brillante Qualifikation, aber ein missglückter WM-Final am Reck. Kurz: Wo ein Hegi, da Licht und Schatten. Nun hat er wieder die Chance, zweimal alles richtig zu machen. Oder dreimal. Teamkollege Henji Mboyo sagt, nachdem er die Teamrangliste studiert hat: «Ein bisschen träumen darf man immer.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2018, 06:11 Uhr

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