Manuela Schär redet sich klein – und widerlegt sich gleich selber

Die Luzerner Rollstuhlsportlerin gewinnt den grössten Marathon der Welt zum dritten Mal in Folge.

Elfter Marathonsieg in Folge: Manuela Schär. (Bild: Richard Drew/Keystone)

Elfter Marathonsieg in Folge: Manuela Schär. (Bild: Richard Drew/Keystone)

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Manuela Schär ist keine besonders gute Expertin, was die Sportlerin Manuela Schär betrifft. Der wellige Parcours von New York liege ihr nun wirklich nicht, sagte die 34-Jährige vor dem Start am Prestigemarathon. Er sei eher auf die Fähigkeiten ihrer schnellsten Gegnerinnen zugeschnitten.

Schär aber gewann das Rollstuhlrennen durch die fünf Stadtteile in 1:44:20 Stunden nicht nur, sie demoralisierte ihre Hinterherfahrerinnen geradezu. Fast vier Minuten büsste Tatyana McFadden als Zweite ein. Schär ist damit seit ihrem Sieg im Big Apple von 2017 über die 42,195 km ungeschlagen. Es war ihr 11. Triumph in Folge. Und obschon die Läufer für ihren Sieg das Vierfache erhielten, war für Schär auch der Zahltag von 25'000 Dollar erfreulich.

Deutlich enger war das Rollstuhlrennen der Männer um den Thurgauer Marcel Hug (33). Der dreifache New-York-Gewinner (13/16/17) unterlag im Endspurt dem Amerikaner Daniel ­Romanchuk in 1:37:25 um 1 Sekunde.

4 Weltrekorde in 1 Rennen

Sind Schär und Hug also Routiniers über die 42,195 km, war Joyciline Jepkosgei die meistbeachtete Novizin. Vor zwei Jahren hatte die kenianische Läuferin den Weltrekord im Halbmarathon verbessert (1:04:52) und auf dem Weg gleich noch drei weitere aufgestellt über 10 km, 15 km und 20 km. In diesem Frühling entschied sie sich dann statt zum Debüt für das Hasen-Dasein am London-Marathon, wirkte also als prominente Pacemakerin.

In New York nun bezwang die 25-Jährige die vierfache Siegerin Mary Keitany (37) mit einer Tempoverschärfung rund 4 km vor Schluss in der sehr schnellen New-York-Zeit von 2:22:38, fast 1 Minute vor Keitany.

Die zähen Supermütter

Offener war das Männerrennen am weltgrössten Marathon, das der Kenianer Geoffrey Kamworor in 2:08:13 für sich entschied, 23 Sekunden vor seinem Landsmann Albert Korir. Kamworor ist wie Jepkosgei die Nummer 1 über die halbe Distanz, galt abgesehen von seinem New-York-Sieg von 2007 aber stets als Mann mit Makel: Bei allen seinen zahlreichen anderen Marathonstarts musste er sich mindestens einem Konkurrenten geschlagen geben.

In New York aber scheint der Trainingspartner von Weltrekordhalter Eliud Kipchoge seine Strecke gefunden zu haben, auch weil Kipchoge (nach seinem Lauf unter 2 Stunden) fehlte.

Zu den auffälligsten Figuren zählten auch Sinead Diver (5.) und Roberta Groner (13.). Mit 42 bzw. 41 Jahren sprengen die Australierin und die Amerikanerin die Norm nur schon altersmässig. Hinzu kommt: Beide haben mehrere Kinder, beide arbeiten 100 Prozent, beide setzten entweder jahrelang mit Laufen aus (Groner) – oder begannen jenseits von 30. Beide waren vor fünf Wochen auch an der WM. Diver über 10'000 m (14.), Goner gar als Sechste im Marathon.

Erstellt: 03.11.2019, 23:01 Uhr

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