Tour de France: Ein Tag voller Tumulte

Thibaut Pinot lässt sich von einer Seitenwindattacke überraschen. Er und weitere Herausforderer verlieren 1:40 Minuten auf Ineos. Jumbo-Visma siegt zum 4. Mal.

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Der Strauss von Mikrofonen ist deutlich grösser als die Zahl der Wörter, die sie kurz nach der Ziellinie aufschnappen. Thibaut Pinot hat kurz angehalten, völlig ausgepumpt. Der Franzose setzt an zu einer Aussage, entscheidet sich dann anders, nur um vor dem Wegfahren doch noch vier Worte zu sagen: «Une journée de merde.»

Ein Scheisstag, damit ist alles gesagt. Dabei hätte es doch nur eine letzte Fahrt vor dem überfälligen Ruhetag sein sollen. Doch als Albi langsam näherkommt, spüren die PS-starken Equipen, dass da etwas möglich ist. Die Strassen drehen und sind schmal, dazu weht der Wind konstant: perfekte Bedingungen für eine Windkante.

Als gut 30 Kilometer vor dem Ziel Deceuninck-Quickstep ernst macht, auch Gesamtleader Julian Alaphilippe an der Spitze eine harte Ablösung fährt, passiert es: Um Position 50 herum fällt das Feld auseinander, teilt sich in mehrere Gruppen. Und als die ganz vorne hören, dass die hinten abgehängt sind, treten sie noch härter in die Pedalen.

Überhitzte Motoren

Vor allem, als klar wird, wer da hinten aufgehalten wurde: Mit Thibaut Pinot ist es der Fahrer der ersten Woche, der zwei Tage zuvor noch das ganze Peloton düpiert hat. Nun ist der Groupama-FDJ-Captain in die Defensive gedrängt, zusammen mit weiteren Favoriten wie Jakob Fugl-sang, Rigoberto Uran oder Richie Porte.

Was folgt, ist ein fiebriger Verfolgungsmatch, bei dem die Spitzengruppe im Vorteil ist, weil sie fast viermal so gross ist wie die der Abgehängten. Denen bleibt nur eine Möglichkeit: alles zu riskieren und mit maximaler Kraft den Anschluss wiederherzustellen. Nach sechs Kilometern trennen sie tatsächlich nur noch wenige Sekunden, die Verfolger sehen das erste Feld vor sich, doch sie erreichen es nicht.

Ihre Fahrer mit den grössten Motoren, darunter Pinots Kollege Stefan Küng, haben überhitzt – mit den kleineren der Rundfahrer ist es ein ungleiches Duell, das im Ziel ein deutliches Verdikt ergibt: 1:40 Minuten verlieren Pinot und Co.

Aus einer formidablen ist innert gut 30 Rennminuten eine miserable Situation geworden. Denn selbst wenn Pinot im ­Zeitfahren am Freitag einigermassen mit den Ineos-Leadern mithalten sollte: 1:21 Minuten auf Thomas respektive 1:17 auf Bernal in den Bergen herauszufahren, das ist bei aller Topform des Franzosen nur schwer vorstellbar.

Debütant düpiert Sprinter

Dass die Spitzengruppe so konsequent davonrollt, liegt auch an den gut darin vertretenen Sprintern – die aber von diesem Effort nicht profitieren. Stattdessen übertrumpft sie Wout Van Aert. Der dreifache Quer-Weltmeister und Tour-Debütant reüssiert mit einem langen Sprint und schreibt das nächste Kapitel am grossen Tour-Auftakt von Jumbo-Visma: Es ist der vierte Etappensieg des niederländischen Teams.

Erstellt: 15.07.2019, 18:25 Uhr

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