Million Dollar Baby

Daniela Ryf will den grössten Jackpot der Triathlon-Geschichte knacken. Sie kämpft primär gegen sich selbst.

Seriensiegerin Daniela Ryf (28): Auch an der Ironman-WM auf Hawaii im Oktober war sie ihren Konkurrentinnen klar überlegen. Foto: Mark J. Terrill (AP)

Seriensiegerin Daniela Ryf (28): Auch an der Ironman-WM auf Hawaii im Oktober war sie ihren Konkurrentinnen klar überlegen. Foto: Mark J. Terrill (AP)

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Eine Million Dollar. Eine 1 mit sechs Nullen hinten dran. Es wird bald deutlich, dass es Themen gibt, über die Daniela Ryf lieber spricht als über dieses eine. Die Fragen sind der Triathletin unangenehm, auch wenn sie sie aus der Distanz beantworten kann, aus dem «angenehm kühlen» Bahrain. «Eine grosse, einmalige, unglaubliche Möglichkeit» ist die äusserste Formulierung, zu der sich die 28-jährige Solothurnerin verleiten lässt. Sie hütet sich jedoch davor, die Zahl auszusprechen. Dabei ist sie der Million nah, sehr nah. Läuft sie heute als Siegerin des Ironman 70.3 Bahrain über die Ziellinie, gewinnt sie den Bonus, einen Betrag in für den Triathlonsport einmaliger Höhe. Sie würde zum «Million Dollar Baby», in Anlehnung an den gleich­namigen Kinofilm von Clint Eastwood.

Es ist schnell verdientes Geld, könnte man sagen: Ryf muss dafür auch das dritte ­Rennen der Nasser bin Hamad Triple Crown gewinnen, die jeweils über die halbe Ironmandistanz führen, bestehend aus 1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren und 21 km Laufen. Macht insgesamt ­etwas mehr als 12 Stunden Wettkampf. Oder einen Stundenlohn von gut 83'000 Dollar.

Die Konkurrenz kommt ihr nur am Start nahe.

Im Februar siegte sie souverän beim ersten Triple-Crown-Rennen in Dubai. Teil 2 hätte im Sommer in Oman stattfinden sollen, wurde aber wegen der politischen Unruhen in den Nachbarländern abgesagt, stattdessen wurde die Halb­ironman-WM im österreichischen Zell am See gewertet. Ryf gewann sie so klar wie auch den Saisonhöhepunkt, die Ironman-WM auf Hawaii im Oktober – sie geht unbesiegt in die abschliessende Prüfung der Saison.

Die Konkurrenz war der Schweizerin in diesem Jahr jeweils nur am Start nahe – und dann wieder bei der Sieger­ehrung. So hat sie über eine Viertelmillion Dollar Preisgeld eingelaufen. Nun kann sie den Betrag mit einem Sieg heute Morgen verfünffachen.

Erholung mit Akupunktur

Eine Aussage der Schweizerin dürfte kaum für zusätzliches Selbstvertrauen bei ihren Herausforderinnen sorgen. Ryf will in den vergangenen Wochen noch einmal eine neue Höchstform erreicht haben. Nach ihrem Triumph auf Hawaii entschied sie sich – nach Beratung mit ihrem Trainer Brett Sutton –, die Heimat warten zu lassen. Sie erholte ihren ­geschundenen Körper stattdessen auf der Pazifikinsel («ein paar Massagen und Akupunktur-Nädelchen reichten»), ehe sie für die Vorbereitung auf das Jackpotrennen nach Thailand dislozierte. Mental brauchte sie für die Verarbeitung des Hawaii-Siegs länger. «Ich hätte nicht ­damit gerechnet, dass mir das so nahe gehen würde», sagt sie. «Dreimal träumte ich, ich hätte auf Hawaii gewonnen, nur um dann am Morgen aufzu­wachen und zu realisieren, dass ich tatsächlich gewonnen hatte.»

Es blieb bei ihrer ganz eigenen Verarbeitung. Medien- und Sponsorentermine verschob sie alle auf später und hängte stattdessen zwei weitere Trainings­monate an. Das Leben aus dem Koffer, es ist das Leben der Daniela Ryf. Seit Juni ist sie unterwegs, verbrachte seither gerade einmal eine Nacht zu Hause im eigenen Bett. Dafür war sie in St. Moritz (im Trainingslager), in Zell am See (an der Halbironman-WM), in Südkorea (erneut im Trainingslager), auf Hawaii (für die Ironman-WM), in Thailand (zum letzten Mal im Trainingslager) und nun in Bahrain (für das Jackpot-Rennen).

«Ich will mein bestes Rennen des Jahres zeigen.»Daniela Ryf

Im Nahen Osten spürte sie nach ­Monaten des Sommers wieder so etwas wie Kühle. Halt, die spürte sie bereits in Thailand: Ihre Lauftrainings absolvierte sie im gekühlten Fitnesscenter auf dem Laufband – damit sie ihre Beine auch tatsächlich bis ans Limit bringen konnte.

«Ich will mein bestes Rennen des Jahres zeigen», sagt sie. Die Radstrecke ist hügelfrei, weshalb sie erstmals in ihrer Karriere die 90 km in weniger als zwei Stunden hinter sich bringen möchte.

Als ob ihr sonst jemand folgen könnte. Ryfs Gegner sind eher am Boden oder im Wasser zu suchen. In Form ­eines Schluck Wassers zu viel beim Schwimmen oder eines Nagels auf der Strasse beim Radfahren. Aber was eine Saison lang gut gegangen ist (sich anbahnende Magenprobleme ignorierte sie auf Hawaii erfolgreich), wird auch beim ­Saisonfinale gut gehen.

Ihr Wunsch? Eine Woche Ferien

Und danach? Danach will sie shoppen gehen, so oder so. Unvernünftig wird sie das Geld trotzdem nicht ausgeben. «Preis-Leistung ist mir wichtig», sagt sie und träumt dann doch einen Moment. Von einer Wohnung an einer ihrer bevorzugten Trainingsdestinationen. «Ein Sieg würde vielleicht helfen, dass dann auch noch Geld für einen eigenen Trainingspool vorhanden wäre», sagt sie und lacht ob des für ihre Verhältnisse verwegenen Gedankens.

Die Gefahr des Abhebens, sie scheint bei Daniela Ryf inexistent. Von Ferien und Highlife will sie nichts wissen nach dem Saisonschluss. Das Studium in ­Lebensmittelwissenschaft läuft weiter, zwei Semester fehlen ihr noch bis zum Bachelor-Abschluss. Und dann, irgendwann, soll der Luxus doch noch Einkehr halten. In Form einer Woche Ferien. Das hat sie sich dieses Jahr nie gegönnt.

Erstellt: 04.12.2015, 23:34 Uhr

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1 Million für «Grand Slam»
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Zahltag für Serena Williams
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Pferdesport
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