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Mit Hingabe auf den Schachthron

Wieso der Schach-König über Jahre hinaus unantastbar bleiben dürfte – und weshalb das gut ist.

Jubelnder Sieger: Magnus Carlsen verteidigt den Weltmeistertitel im Schach. (30. November 2016)
Jubelnder Sieger: Magnus Carlsen verteidigt den Weltmeistertitel im Schach. (30. November 2016)
Eduardo Munoz Alvarez, AFP
Schach-Wunderkinder: Magnus Carlsen (links) und Sergei Karjakin. (30. November 2016)
Schach-Wunderkinder: Magnus Carlsen (links) und Sergei Karjakin. (30. November 2016)
Eduardo Munoz Alvarez, AFP
Magnus Carlsen ist seit November 2013 Schachweltmeister.  (30. November 2016)
Magnus Carlsen ist seit November 2013 Schachweltmeister. (30. November 2016)
Mary Altaffer, Keystone
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Vor Beginn des WM-Kampfs in Manhattan galt Weltmeister Magnus Carlsen als klarer Favorit, aber kaum jemand hatte erwartet, dass er seinen russischen Herausforderer Sergei Karjakin vom Brett fegt. Das gelang dem Norweger tatsächlich erst mit dem 3:1 im Stechen, in das er sich nach einem 3,5:4,5-Rückstand gerade noch retten konnte. Sein Sieg mit Schwarz in der dritten Rapidpartie und sein Damenopfer im letzten Zug der WM unterstrichen, zu was er fähig ist, wenn er befreit aufspielen kann.

Wie tief Carlsen im Schach aufgeht, zeigte sich nach seiner zweiten erfolgreichen Titelverteidigung, als er noch kurz im WM-Studio vorbeischaute, wo die einstige Topspielerin Judit Polgar alle Züge live kommentierte. Beim Hinausgehen sprach Carlsen sie auf eine Stellung an, in der die Ungarin früher mit einem ähnlich spektakulären Matt-Motiv gewonnen hatte. Selbst in einem hoch emotionalen Moment, unmittelbar nach einem harten Kampf am Brett durchforstet sein Kopf unentwegt den Variantenbaum. Das konnte man auch bei den Medienkonferenzen nach den Partien beobachten, in denen er zwischendurch wie weggetreten wirkte und sein Blick die Aussenwelt ein- oder auszuschalten schien.

Peinlichkeiten in der offiziellen Übertragung

Es ist diese Hingabe, die den 16. Weltmeister der Geschichte auszeichnet und weit über Norwegen hinaus viele Jugendliche anspornt, es ihm gleich zu tun. Wie einst Bobby Fischer und noch heute Garri Kasparow oder Wiswanathan Anand hat der 26-Jährige das Potenzial, den Schachsport weltweit noch über viele Jahre zu prägen. Wer ihn so bald entthronen soll, ist nicht auszumachen. Der nur zehn Monate ältere Karjakin hofft zwar, dass er dazu 2018 eine zweite Chance bekommt, doch das ist eher zu bezweifeln. Denn im nächsten Kandidatenturnier wird er wieder auf mehrere Spieler treffen, die in der Weltrangliste vor ihm klassiert sind.

Viele Kommentatoren in New York machten keinen Hehl daraus, dass sie es vorziehen, wenn der Titel in einem westlichen Land bleibt. Man schaut skeptisch auf die russische Führung des Weltschachbundes Fide, auch wenn fast niemand offen dagegen opponiert. Dass es gute Gründe zur Kritik gibt, zeigte sich auch an dieser WM. Die Eventfirma Agon erhielt von der Fide die Vermarktungsrechte, was zur Folge hatte, dass erstmals für die offiziellen Live-Berichte bezahlt werden musste.

Journalisten wurden Konsequenzen angedroht, falls sie aktuell Züge weitergeben, Websites, die live kommentierten, wurden verklagt. Dies ist weder juristisch durchsetzbar, noch war es inhaltlich gerechtfertigt. Denn die Qualität der kostenpflichtigen Übertragung war peinlich. Was da an Gequassel und Filmchen übers Netz ging, erinnerte an eine billige Talkshow. Die Grossmeisterin Judith Polgar, die immer profund die Züge kommentierte, konnte einem leidtun.

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