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Nach 145 Tagen im Koma – Football-Spieler kämpft ums Comeback

Amobi Okoye spielte während sechs Jahren in der NFL, bis ihn eine seltene Viruserkrankung beinahe das Leben kostete. Nun will er eine Chance auf ein Rückkehr in den Profisport.

Sebastian Liggenstorfer

Er tat nichts lieber, als gegnerische Quarterbacks zu jagen. Mehrere Jahre spielte Amobi Okoye in der NFL und lebte seinen Traum. Doch von einem Tag auf den anderen schien dieser plötzlich ganz weit weg. Am 15. März 2013 änderte sich sein Leben, als er ein erstes Mal zu zittern begann, zusammenbrach und das Bewusstsein verlor. Was dann folgte, weiss er nicht mehr genau. Erst als er am 7. August wieder aufwacht, wird ihm bewusst, dass er 145 Tage seines Lebens verpasst hat.

Okoye wuchs in Nigeria auf und zog nach Amerika, als er 12 Jahre alt war. Er begann, Football in der Highschool zu lieben, ohne dass er vorher viel über den Sport wusste. Er war in der Schule so gut, dass er bereits mit 15 fertig war und hätte sogar an der Harvard-Universität studieren können. Doch er entschied sich gegen Harvard und für Football. Dieser Entscheid zahlte sich aus – 2004 wurde er mit 19 in der ersten Runde des NFL-Drafts von den Houston Texans gezogen. Die folgenden vier Jahre verbrachte er in Texas und zwei weitere in Chicago bei den Bears.

Künstliches Koma, um sein Leben zu retten

Nach seiner sechsten Saison, er bereitete sich auf die nächste Spielzeit vor, kam der verhängnisvolle 15. März. «Ich arbeitete hart und trainierte jeden Tag. Ich hatte keine Probleme, keine Kopfschmerzen, nichts, ich war in Topform. Ich sass mit meinem Vater und mit meinem besten Freund zusammen, als ich zu zittern begann und zusammenbrach.» Daraufhin brachte sein Vater ihn ins Spital, wo man ihn auf alles Mögliche untersuchte, allerdings nichts fand. Am nächsten Tag wurde er aus dem Spital entlassen und konnte wieder nach Hause. Doch bereits an diesem Abend folgte die nächste Attacke. Wieder folgte der Gang ins Spital und einmal mehr wussten die Ärzte nicht, was mit Okoye nicht stimmte.

Erst als er in ein grösseres Spital verlegt wurde, stellte man einen Virus in seiner Rückenmarksflüssigkeit fest. Auf den Hinweis einer Krankenschwester hin, welche die gleichen Symptome bereits gesehen hatte, diagnostizierten die Ärzte die Krankheit als NMDA Rezeptor Encephalitis, ein Virus, welches das Gehirn angreift. Um sein Leben zu retten, wurde er am 2. April in ein künstliches Koma versetzt und verbrachte die nächsten 12 Wochen auf der Intensivstation.

Der Traum vom Comeback

Einige Monate später stellten die Ärzte fest, dass die Symptome des Virus dank mehreren unterschiedlichen Behandlungen langsam zurückgingen. Sie begannen, ihn aus dem Koma zu holen – er verlor 36 Kilo und erwachte erst am 7. August vollends. Er selber sagt, dass er gestorben sei und wieder zum Leben zurückkam. Okoye war ein Superathlet gewesen – aber nun musste er wieder laufen und sprechen lernen. Er wollte einfach besser werden, um wieder das zu tun, was er liebt – Football spielen. Dies half ihm jeden Tag, die Krankheit zu bekämpfen.

2014, ein Jahr nach seinem langen Koma versuchte er, ein erstes Comeback und unterschrieb bei den Dallas Cowboys. Er trainierte mit dem Team und verbrachte die ganze Saison mit dem Team, ohne jedoch ein einziges Mal zu spielen. Das folgende Jahr verbrachte er in Kanada in der kanadischen Football-Liga, doch wie schon bei den Cowboys trainierte er zwar, konnte aber auch hier nie zurück aufs Feld.

Trotzdem glaubt er noch immer an ein NFL-Comeback. Wenn er an Football denkt, sieht er alles klar vor sich: «Ich sehe Trainings, Spiele und Teammeetings. Ich will einfach nur noch eine Minute spielen, um die Krankheit zu besiegen und um das zu machen, was ich liebe. Und auch wenn es nicht passiert, bin ich trotzdem zufrieden, weil ich ein laufendes Wunder bin. Ich brauche nur ein Team, das mich in meinem Kampf unterstützt.»

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