Olympiatraum im Casino verspielt

Der Badmintonspieler Kento Momota wäre in Rio ein Medaillenfavorit. Nun wurde dem Japaner das Glücksspiel zum Verhängnis.

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Kento Momota ist in Japan ein Superstar. Aktuell steht der Badmintonspieler auf dem zweiten Platz in der Weltrangliste, und mit dem Gewinn von WM-Bronze im vergangenen August schrieb er japanische Sportgeschichte. Nie zuvor hatte ein Japaner eine Badminton-Einzelmedaille bei einer Weltmeisterschaft gewonnen. Der 21-Jährige war Japans grosse Goldhoffnung für die Olympischen Spiele 2016 in Rio, galt bei den Experten als einer der Favoriten.

Dieser Traum ist jetzt aber jäh geplatzt. Der japanische Badmintonverband sperrte Momota auf unbestimmte Zeit, weil er Casinos besucht hatte, was in Japan illegal ist. Momota selber gab sich geständig. Gemeinsam mit Kenichi Tago, ebenfalls Badmintonspieler, stellte sich der gefallene Star an einer emotionalen Pressekonferenz den Medien – Tago weinte.

Grandios gescheitert

Denn der 26-jährige ehemalige Olympiateilnehmer und jahrelange Dominator des japanischen Badmintons wusste ganz genau, was er angerichtet hatte. Schliesslich war es Tago, der Momota zum Glücksspiel verführt hatte. Dabei wurde Tago noch im Oktober 2015 vom japanischen Nationalteam wegen Disziplinlosigkeiten suspendiert. Über 60-mal soll er innerhalb der vergangenen beiden Jahre im Casino gewesen sein und umgerechnet knapp 100'000 Franken eingesetzt haben. Dazu versprühte er nicht die ganz grosse Lust am Training. Von der Suspension erhoffte sich Nationaltrainer Park Joo-bong, dass Tago die anderen im Team nicht negativ beeinflusst.

Spätestens die Pressekonferenz zeigte: Park Joo-bong scheiterte mit diesem Vorhaben grandios. Tago sagte schluchzend ins Mikrofon: «Ich habe Momota nicht davon abgehalten, obwohl ich wusste, dass er sich für die Olympischen Spiele vorbereitet.» Er habe seinen Kollegen zum Zocken verführt: «Es ist mir egal, welche Strafe mich nun erwartet. Auch wenn ich nie wieder Badminton spielen darf. Mein einziger Wunsch ist: Gebt Momota noch eine Chance.»

«Betrug am olympischen Geist»

Artig entschuldigte sich auch Momota selber und bedankte sich bei allen, die ihn auf seinem Weg nach Rio unterstützt hatten. «Zum ersten Mal ging ich in einem Land ins Casino, in dem das erlaubt ist», erklärte er und schob nach: «Dann wurde die Versuchung immer grösser.» Verraten wurde Momota, der rund 5000 Franken eingesetzt haben soll, von einem Angestellten.

In die fast schon als Staatsaffäre ausgeschlachtete Geschichte schaltete sich auch der Kulturminister Japans ein. «Es gibt Wichtigeres im Sport, als Medaillen zu gewinnen», so Hiroshi Hase. Und auch Olympiaminister Toshiaki Endo zeigte sich wenig nachsichtig: «Das ist Betrug am olympischen Geist. Wenn Momotas Casinobesuche bewiesen sind, dann hat er zu 100 Prozent kein Recht, Japan zu repräsentieren.» (fas)

Erstellt: 12.04.2016, 17:17 Uhr

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