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Papa muss noch Baseball spielen

Daniel Hudson ging während des Playoff in den Vaterschaftsurlaub. Einige feiern ihn dafür, andere finden das unentschuldbar.

Ab morgen mit den Washington Nationals in den World Series in Aktion: Daniel Hudson. Foto: Robert Hanashiro (Reuters)
Ab morgen mit den Washington Nationals in den World Series in Aktion: Daniel Hudson. Foto: Robert Hanashiro (Reuters)

Als Daniel Hudson an einem Donnerstagmorgen in Kalifornien aus dem Hotel lief, roch er nach Bier und Champagner. Am Abend davor hatte er mit den Washington Nationals die Halbfinals der Major League Baseball erreicht. Im entscheidenden Spiel hatten sie die Dodgers geschlagen – das zweitbeste Team der Qualifikation. Sie, die Nationals, die noch nie in einem Playoff so weit gekommen waren. Um 7 Uhr stieg Hudson in ein Flugzeug und verliess sein Team.

Am Freitagabend standen die Nationals bereits wieder auf dem Feld. Das MLB-Playoff ist streng getaktet, geht eine Serie über die volle Länge, geht es für die Sieger oft schon zwei Tage später weiter. Nun warteten die St. Louis Cardinals. Doch einer fehlte. Daniel Hudson, der «Closer», der immer dann aufs Spielfeld kommt, wenn es darum geht, den Sieg nach Hause zu bringen, lief nicht auf den Werfer-Hügel. Der Grund dafür lag in diesem Moment in seinen Armen, gut 3,5 kg schwer. Der Grund dafür hatte da noch nicht einmal einen Namen, und doch wurde schon im nationalen TV über ihn gesprochen. Oder besser gesagt, über sie: Hudsons frischgeborene Tochter.

Das Gesprächsthema Nr. 1

Der 32-jährige Werfer war nach dem Sieg in der Viertelfinalserie zu seiner hochschwangeren Frau Sara gereist und verpasste darum den Start der Halbfinalserie. Nicht alle verstanden seine Entscheidung. David Samson, der ehemalige Präsident des Baseballteams aus Miami, twitterte beispielsweise: «Unglaublich, dass Hudson das erste Spiel verpasst. Wenn es Mutter und Kind gut geht, muss er nach St. Louis. Das ist unentschuldbar.»

Der Grossteil der Kommentare in den Sozialen Medien oder im Fernsehen waren aber positiv. Alexis Ohanian, der Ehemann von Serena Williams, kündigte auf Instagram an, sofort Hudsons Trikot zu kaufen. Hudsons Fehlen war das Thema Nummer 1 rund um das Spiel. «Das ist doch verrückt», sagte er später gegenüber der «Washington Post». «Ich kann doch nicht der erste Spieler sein, der während des Playoff Vater wird.»

Dem ist kaum so. Aber es ist neu, dass einer während des Playoff in Vaterschaftsurlaub geht.

Millie Lou ist das jüngste Glück der Familie Hudson. Foto: PD
Millie Lou ist das jüngste Glück der Familie Hudson. Foto: PD

Die Kadergrössen sind im Baseball klar geregelt. Im aktiven Kader dürfen nur 25 Spieler stehen. Fällt ein Spieler beispielsweise wegen einer Verletzung aus, muss er auf eine Liste gesetzt werden. Erst dann darf ein anderer nachnominiert werden. Die Zeitspanne bis der Verletzte wieder spielen darf, ist ebenfalls klar geregelt. Die Verletztenliste gibt es in der MLB seit über 100 Jahren. Seit 2003 gibt es auch eine für Todesfälle und familiäre Notfälle.

Die «Vaterschafts-Liste» wurde erst 2011 eingeführt. Spieler dürfen bis zu drei Tagen fehlen, um bei der Geburt dabei zu sein. Fürs Playoff gilt die Liste sogar erst seit vier Jahren. Sie wurde eingeführt, nachdem die Toronto Blue Jays fast das gesamte Playoff mit 24 Mann spielten, weil Werfer Aaron Loup zweimal zu seiner schwangeren Frau reiste, die mit Komplikationen im Spital lag.

In den World Series gegen die Astros

Die Nationals gewannen ihr erstes Halbfinalspiel gegen die St. Louis Cardinals auch ohne Hudson. Und mittlerweile haben sich Daniel und Sara dann auch für einen Namen entschieden: Millie Lou soll die Kleine heissen. Am nächsten Morgen verabschiedete sich Hudson von ihr, von seiner Frau Sara, der zweijährigen Parker Elizabeth und der fünfjährigen Baylor Rae. «Wohin gehst du?», fragten ihn die Mädchen. Er sagte: «Papa muss noch Baseball spielen.»

Es wird noch einige Tage dauern, bis er wieder zurück bei seiner Familie sein wird. Denn die Nationals gewannen auch Spiel 2, 3 und 4 und stehen zum ersten Mal in der Geschichte der Franchise in den World Series.

Wenn sie am Dienstagabend in Spiel 1 auf die Houston Astros treffen und Hudson zum nächsten Mal auf dem Hügel steht, zieren 12 Buchstaben seinen Fanghandschuh. Neun sind eingestickt: SMH, BRH, PEH. Drei sind mit schwarzem Filzstift draufgekrizelt: MLH.

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