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Ping und pong, mit Wehmut

Der letzte Abend. Und die Erinnerung an den alten Hardturm. Auch Dürrenmatt und Frisch liebten einst dieses Spiel.

Der letzte Schlag in der Lounge, die auch eine Disco ist. (Bild Fredy Wettstein)
Der letzte Schlag in der Lounge, die auch eine Disco ist. (Bild Fredy Wettstein)

Es macht ping und pong und irgendwann päng. Pausenlos, den ganzen Abend lang. In dieser kleinen Halle beim Escher-Wyss-Platz, die manchmal eine Disco ist, so wie jetzt gerade, denn es spielt ebenfalls ein DJ, aus besonderem Anlass. Es glitzern die Lampen von der Decke, es ist laut, und Hip-Hop wechselt mit Latino-Musik, es hat eine Bar, es wird getrunken, und an allen Tischen wird gespielt, ping und pong und eben päng. Pausenlos.

Ganz in der Nähe ist oder war einmal der Hardturm, dieses Stadion, das nie hätte abgebrochen werden dürfen und bei dem niemand weiss, wann ein neues endlich vielleicht doch noch einmal gebaut wird. Momentan ist der Ort ein kleiner Garten Eden. Es wächst auf drei Hektaren viel Gemüse, und es hat einen Hühnerstall, und irgendwo steht ein grosser Pizzaofen aus Lehm, es wird geskatet und immer wieder gefestet, und der Verein Stadionbrache veranstaltet kulturelle Festivals - auch ein Zirkus stellt hier zwischendurch seine Zelte auf.

Im September 2007 fand im Hardturm das letzte Fussballspiel statt. Es war ein wehmütiger Samstagnachmittag, und als abgepfiffen wurde und es eindunkelte, rannten die Menschen auf den Platz, sie nahmen Rasenstücke nach Hause und Stühle von der Tribüne mit als Andenken.

Daran musste ich denken, kürzlich an diesem Abend in der kleinen Halle am Escher-Wyss-Platz, die am Wochen ende ein Club war und von Montag bis Freitag eine Pingpong-Lounge. Es war der letzte Abend, der Abschied, das denkmalgeschützte Gebäude wird umfassend erneuert. Für Ping und Pong und Päng wird es keinen Platz mehr haben. Aber jetzt noch ein letztes Mal, an neun Tischen, und an einem gibt es wie immer den Rundlauf, manchmal mit viel Stau, gegen 30 Leute stehen und kreisen um die Platte.

Pingpong haben einst auch Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch miteinander gespielt, die beiden Dichter, die während Jahren eine Freundschaft verband, die auch eine Feindschaft war. Beide liebten das Spiel, vielleicht hatte Frisch selbst dann seine Pfeife im Mund. Es gibt auch Lieder, die Pingpong zum Thema haben, der Ball bedeutet in einigen das Herz, er wird hart geschlagen, sodass er fast zerbricht, wie manchmal die Liebe.

Pingpong-Spieler Max Frisch (hier mit seiner Frau)
Pingpong-Spieler Max Frisch (hier mit seiner Frau)

Ping und pong, wir wollten an diesem Abend nicht aufhören, wir wussten, es ist das letzte Mal hier. Der Hardturm hatte eine viel grössere und längere Geschichte, aber diese Lounge eben auch eine. Er tat weh, der letzte Schlag. Päng. Ich getraute mich nicht, ein Netz als Andenken abzuschrauben.

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