Pizza, Poker und Premier League zur Einstimmung

Der Match zwischen Carlsen und Caruana in London ist eine Wunsch-Affiche. Am Freitag wird die WM lanciert.

Die WM-Gegner: Der Italiener Fabiano ­Caruana (l.) und der Norweger Magnus Carlsen.

Die WM-Gegner: Der Italiener Fabiano ­Caruana (l.) und der Norweger Magnus Carlsen.

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Die Weltmeisterschaft in London ist ein Glücksfall. Denn mit dem 27-jährigen Magnus Carlsen und dem 20 Monate jüngeren Heraus­forderer Fabiano Caruana treffen die beiden aktuell stärksten Spieler aufeinander. Selbstverständlich ist das aufgrund der Qualifikationsregeln nie, heute, angesichts der Dichte an Talenten, schon gar nicht.

Ein Herausforderer muss in der Ausscheidungsphase mehrere Hürden nehmen, was oft zu Verwerfungen führt. 2016 etwa war Caruana in der letzten ­Runde des Moskauer Kandidatenturniers gescheitert. Er hatte lange geführt, zwischendurch aber eine klare Gewinnstellung gegen Wesselin Topalow verpatzt und es dann nicht geschafft, mit Schwarz Hauptkonkurrent Sergei Karjakin auszuschalten.

Carlsens deutliches Urteil

Dieses Frühjahr am Kandidatenturnier in Berlin setzte sich Caruana souverän durch. Darüber freut sich explizit der norwegische Titelverteidiger, der den ­US-Amerikaner schon länger als seinen WM-Wunschkandidaten bezeichnet. Carlsen verfügt nicht nur über genialische kognitive Fähigkeiten, er ist durch und durch ein Sportler, der immer die grösstmögliche Challenge sucht. Selbst beim Plausch-Fussball mit Freunden kämpft er um jeden Ball. Zudem stichelt er gerne, ­besonders gegen Konkurrenten. Jüngst stellte er ein Video ins Netz, in dem man ihn sehr dynamisch und entschlossen eine Loipe entlangskaten sieht.

Direkt an seinen Herausforderer gerichtet war ein Videoclip aus seinem Trainingslager, in dem er berichtete, was es brauche, um sich optimal auf die WM einzustimmen: Pizza, Poker und Premier-League-Spiele. Zuvor hatte Carlsen in Interviews mit der Presse seines Heimatlandes dargelegt, wo er die Defizite Caruanas sieht. Der liebe das Zentrum des Bretts und nehme im Unterschied zu ihm selbst ­alles in Kauf, um die Mitte zu kontrollieren. Caruanas relative Schwäche im Schnell- und Blitzschach erklärte er mit einem Mangel an Intuition. Darüber hinaus habe er weniger Zweikampferfahrung. Nebenbei erwähnte er, der von Caruana geheim gehaltene Helfer sei der kubanische Spitzenspieler Leinier Dominguez, der wegen eines Streits mit Spaniens Steuerbehörden bald zum US-Verband wechseln soll.

Solche Botschaften können einen Caruana jedoch wenig beeindrucken. Körperlich schmächtiger gebaut und introvertiert, geht ihm zwar jegliches kompetitive Auftreten ab, doch auch der 26-Jährige galt einst als Wunderkind und weiss um sein Können auf dem Schachbrett. Zudem ­beeindruckte Caruana immer wieder mit Phasen, in denen er äusserst stark auftrat. Insbesondere dieses Jahr gewann er zwei Turniere vor Carlsen und kam ihm in der Weltrangliste bis auf drei Punkte nahe. Beim Nor­weger hingegen waren jüngst ungewohnt viele Aussetzer zu beobachten.

Caruanas starker Kampfgeist

Die gesamte Schachwelt ist entzückt vom anstehenden Zweikampf. Garri Kasparow, der einst selbst ein dominant auftretender Weltmeister war und heute in den USA lebt, sieht die Chancen für Caruana in dessen Fähigkeit, nach einer Niederlage zurückzukommen, was in Matches eine sehr wichtige Qualität sei.

Gespielt wird im Londoner Holborn College, Southampton Row. Angesetzt sind zwölf Runden, die jeweils ab 16 Uhr MEZ (15 Uhr Lokalzeit) beginnen. Nach immer zwei Partien wird ein Ruhetag eingeschaltet. Bei Gleichstand würde die Entscheidung in einem Tiebreak am Mittwoch, 28. November, fallen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.11.2018, 19:00 Uhr

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