Skandaltrainer in Mexiko: Jetzt spricht Ariella Kaeslin

Die Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Trainer haben bei der früheren Spitzenturnerin böse Erinnerungen geweckt. Sie zeigt sich betroffen.

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Die Turnszene in Aufruhr – und das liegt für einmal weniger an Überfliegerin Simone Biles. Vielmehr wird die Anklage der mexikanischen Turnerin Elsa Garcia diskutiert, die angibt, von Eric Demay schikaniert, verbal beleidigt und gemobbt worden zu sein – und der ihr an der WM in Stuttgart absichtlich die Chance geraubt habe, sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren.

2007 war der französische Trainer beim Schweizerischen Turnverband (STV) entlassen worden, nachdem die Leaderinnen des Nationalkaders – allen voran Ariella Kaeslin – den Psychoterror öffentlich gemacht hatten, dem sie sich unter Demay ausgesetzt sahen. Die Turnerinnen bezahlten dafür einen hohen Preis: Der STV strich ihnen in jenem Jahr aus disziplinarischen Gründen die EM-Teilnahme – sie hatten sich geweigert, unter Demay noch zu trainieren.

Nichts am Ton geändert

Nach seiner Entlassung in der Schweiz fand Demay und mit ihm seine Frau und Assistentin Cécile trotz der schwerwiegenden Vorwürfe wieder Arbeit, zuerst in seiner französischen Heimat, ab Frühling 2018 als technischer Koordinator beim mexikanischen Turnverband. Wie die Aussagen von Elsa Garcia nun zeigen, hat sich an seinen rabiaten Trainingsmethoden und Umgangsformen nichts geändert. Demay selbst hat sich bislang nicht geäussert.

Dafür meldet sich nun Ariella Kaeslin zu Wort. «Die Aussagen von Elsa machen mich sehr betroffen, und ich hoffe, die Verantwortlichen nehmen die Athletin ernst», sagt sie zu den neuerlichen Vorwürfen gegen ihren früheren Trainer und ermutigt Garcia, «für sich einzustehen.» Genau wie seinerzeit Kaeslin und deren Teamkolleginnen selbst. Auf die Frage, was es brauche, um in einer solchen Situation die Öffentlichkeit suche, sagte Kaeslin einst in einem Interview mit der «SonntagsZeitung»: «Mut und ein Umfeld, das einen stützt. In meinem Fall waren es die Eltern.»

Kein Wort zu Demay

Zur Person Demay wolle sie sich nicht weiter äussern, sagt die am Freitag 32-jährig werdende Luzernerin, «über ihn habe ich alles gesagt, was es zu sagen gibt». Wichtiger ist ihr, dass künftig Fälle von verbalem und ganz besonders auch körperlichem Missbrauch verhindert werden könnten – erst kürzlich wurde der Trainer des Leistungszentrums Ostschweiz wegen des Verdachts eines Übergriffs verhaftet. Kaeslin sagt: «Ich denke, dass der Weltverband und die nationalen Verbände aktiv werden müssen, um solche Vorfälle zu verhindern.»

Jeder einzelne Missbrauchsfall zeige, «dass Athleten in solchen Sportarten besonders geschützt werden müssen». Schon im erwähnten Interview hatte Kaeslin gesagt, dass das Kunstturnen, speziell das der Frauen, naturgemäss anfällig sei: «Verbunden mit der Tat­sache, dass im Turnen die Athletinnen extrem jung sind, führt das zu einem Klima, in dem Missstände wuchern können.»

Erstellt: 09.10.2019, 10:17 Uhr

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