Snooker-Amateur schafft grosse Überraschung

James Cahill ist der erste Amateur, der die WM-Qualifikation überstand. In der ersten Runde tritt er gegen den wohl besten Spieler der Gegenwart an.

Ein ganz starker Stoss von James Cahill gegen Michael Judge. (Video: World Snooker)

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WM-Debütant gegen fünffachen Weltmeister – treffender könnte David gegen Goliath im Snooker wohl nicht sein. James Cahill kannten bisher wohl auch nur die wenigsten Snooker-Spezialisten. Doch der 23-Jährige machte am Mittwoch auf sich aufmerksam – und wie: Cahill qualifizierte sich als erster Amateur überhaupt für die Snooker-WM. Diese beginnt am Ostersamstag im berühmten Crucible von Sheffield.

Cahill kann es noch immer nicht glauben, dass er sich mit den besten 32 der Welt messen darf. «Wow, es ist noch nicht ganz runter. Crucible, wir kommen.»

Aber: Der erste Amateur zu sein, der es ins Crucible schaffte, darauf sei er nicht stolz. Denn Cahill sieht sich selber als Profi. Schliesslich hat er von 2013 bis 2017 bereits vier Jahre auf der Profi-Tour verbracht. «Aber es ist ein Rekord. Und ich bin glücklich, wenn ich Rekorde brechen kann.»

Geld war nur zu Beginn wichtig

Cahill findet es «schön», dass er die WM erreicht hat, und er hofft, dass es von nun an für ihn einfacher wird, für den Rest seiner Karriere. Er, der Neffe des siebenfachen Weltmeisters Stephen Hendry, steuert den Sprung unter die besten 16 der Welt an. Diese Spieler sind die einzigen, die direkt für die WM qualifiziert sind. Seine Freude über den Erfolg konnte und wollte er aber keineswegs verstecken: «Im Crucible zu spielen, davon hab ich schon als Kind geträumt, als ich mit dem Sport begonnen habe.»

Er habe nach der ersten Qualifikationsrunde kurz ans Geld gedacht, hatte er damit doch bereits 10'000 britische Pfund gewonnen. Danach sei das aber kein Thema mehr gewesen, «ich versuchte nur, die Qualifikation zu überstehen.» Der Schweizer Alexander Ursenbacher war bereits in der ersten Runde gescheitert, Cahill überstand alle drei.

Der U-21-Europameister von 2013 stand also unter den besten 32 der Welt. Logischerweise stellte sich die Frage, auf wen er in der ersten Runde treffen würde. Wenn er ehrlich sei, spiele es für ihn keine Rolle, gegen wen er antreten müsse, sagte Cahill ganz Profi. «Aber es würde mir nichts ausmachen, gegen Ronnie zu spielen.» Im ehrwürdigen Crucible, wo seit 1977 die WM ausgetragen wird, auf einen der besten Spieler der Gegenwart zu treffen, sei schon ein grosser Anreiz.

Wer stoppt The Rocket?

Die zweite Überraschung folgte einen Tag später: Cahill trifft in der ersten Runde wirklich auf den grossen Favoriten für den Titel – Ronnie O'Sullivan. Der 43-Jährige strebt seinen sechsten WM-Triumph an. Der Engländer, auch The Rocket genannt, gehört zu den spektakulärsten, schnellsten und erfolgreichsten Spieler dieser Sportart. Sein letzter WM-Titel liegt zwar sechs Jahre zurück, aber die aktuelle Weltnummer 1 ist heuer der klare Favorit auf den Titel. Aber auch dem Australier Neil Robertson und O'Sullivans Landsmann Judd Trump wird der Titel zugetraut.

Ach ja, einen Haarschnitt wollte sich Cahill vor dem ersten Auftritt im Crucible noch antun. Wir sind gespannt auf sein Debüt – mit neuer Frisur.

Erstellt: 20.04.2019, 09:54 Uhr

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