Steht der Freestyle-Dinosaurier nochmal auf?

Freestyle.ch fällt erneut – trotz guten Vorzeichen und einem angedachten Locationwechsel.

Damals noch in Zürich: Freestyle.ch 2013 auf der Landiwiese. Bild: Keystone

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Wieder nichts. Freestyle.ch findet auch 2017 keine Neuauflage. Ende September wäre es tatsächlich eine solche gewesen. Der Event, der alle Freestyle-Sportarten vereint, hatte im Herbst laut und stolz den Umzug von Zürich nach Bern verkündet. Von der Landiwiese, wo sich Freestyle.ch am Zürichsee innert 20 Jahren zur festen Grösse entwickelt hatte, aufs BEA-Areal neben dem Stade de Suisse am Berner Stadtrand.

Freestyle.ch schaffte den Spagat zwischen Szene und Masse. Es zog alle an – vor allem die ganze Jugend. Und damit jene Zielgruppe, um welche es sich als Werbetreibender zu buhlen lohnt. Doch so sehr der Event stets ein Publikumserfolg war, der mit den durch die Luft wirbelnde Athleten beeindruckte: Finanziell hob er nie wirklich ab, Jahr für Jahr war es ein Kampf um ein ausgeglichenes Budget. In den jüngsten Jahren erst recht.

Peter Hürlimann, der Freestyle.ch 2010 von Gründer Erwin Flury übernahm, ­sagte 2014 und nach dem 20-Jahr-Jubiläum, dass aus diesem ein Defizit von 400 000 Franken resultiert habe. Weiteres Geld wollte er nicht verlieren, weshalb Freestyle.ch 2015 und 2016 nicht stattfand.

Hilfe von Swiss-Ski bringt nichts

Das bleibt auch 2017 so. Obwohl die Stadt Bern, die derzeit grosses Interesse am Sport zeigt (Tour de France und Tour de Suisse, Radquer im Herbst), auch Freestyle.ch mit offenen Armen empfing. Nun waren keine Klagen mehr zu hören wie noch in Zürich, wo sich die Abgaben an die Stadt auf 100 000 Franken belaufen hatten – alles andere als ein Pappenstiel bei einem Budget von rund 3 Millionen Franken.

Auch Swiss-Ski half mit, setzte sich bei der FIS dafür ein, dass der Big-Air-Wettbewerb der Freeskier und Snowboarder in den Weltcup-Kalender aufgenommen wird. Er ist im nächsten Winter erstmals olympisch. Auch das klappte. Zugleich garantierte der Weltcupstatus Swiss-Ski-Zuschüsse an die TV-Produktion, und der Verband mobilisierte seine Sponsoren. Trotzdem mussten die Organisatoren diese ­Woche den Stecker ziehen: Man hatte bei weitem nicht genügend Sponsorengelder beschaffen können.

Lässt sich das alleine mit der schwierigen Wirtschaftslage erklären? Vielleicht ist Freestyle.ch auch ein Dinosaurier, der seine Daseinsberechtigung ver­loren hat. Wenn es trotz all dieser Anschubhilfen, die die Veranstaltung für den Neustart in Bern erhielt, nicht klappt, sind wohl grundsätzliche Überlegungen nötig. Wollen die Freestyler irgendwann wieder gemeinsam fliegen, braucht es neue Ideen und Konzepte.

Erstellt: 18.06.2017, 12:12 Uhr

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