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Sturmlauf in den Besenwagen

Vielleicht sollte man am Ersten Ersten doch nicht wie ein Verrückter losstürmen.

Bruno hat kürzlich mit Arno Camenisch gemailt. Er kennt den Bündner Schriftsteller, seit er einige Lesungen von ihm besucht hat, sie sind ­immer wie ein kleines Schauspiel, amüsant und unterhaltend. Und Camenisch schrieb ihm, er arbeite jeweils am Ersten Ersten des Jahres wie ein Akkordarbeiter, und dann fühle er sich gut und wie einer, der in der Tour de France alleine wegstrampelt, sofort einen grossen Vorsprung herausholt und uneinholbar vorneweg scheint. Aber am Ende holt ihn das Feld eben doch immer wieder ein.

Und so fühle er sich auch, sagt Bruno an diesem Morgen, er selber sei eigentlich längst kraftlos und ­erschöpft, das Jahr war lang und anstrengend, und die vielen Leute in der Stadt würden seit Tagen auch alle spinnen, so ­hektisch tun, als würde die Welt demnächst untergehen, an Weihnachten, ­spätestens an ­Silvester, verrückt sei es und nicht zum ­Aushalten und nicht mal richtig ­Winter. Und so bestellt er nach vier Espressi einen Orzo, er sagt den Namen laut und genüsslich: «Orzo!» – und die Frau an der Bar, sie ist eine ­Berlinerin, was man gut hört, wenn sie redet, und sie redet gerne, versteht nicht, und auch Luca fragt erstaunt: «Orzo?» Bruno lacht, er lese momentan das Buch «Die strengen Frauen von Rosa Salva» von Matthias Zschokke, eine einzige und schöne Liebeserklärung an Venedig, und da gebe es eine Stelle, in der die Venezianer am Morgen nach vier Espressi als Nächstes immer einen Orzo bestellen, einen Gerstenkaffee gegen die Übersäuerung. Das sei stets ein Zeichen, dass man viele Freunde habe und somit eben lange in der Bar sitzen bleibe.

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