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Tiger Woods gibt den Siegertyp

Vor dem heute beginnenden US Masters redet sich der einstige Seriensieger stark. Zuletzt spielte er miserabel.

Tiger Woods trainiert für das Masters. Entgegen Spekulationen in den Medien macht der US-Golf-Star beim Major-Turnier in Augusta doch mit. (7. April 2015)
Tiger Woods trainiert für das Masters. Entgegen Spekulationen in den Medien macht der US-Golf-Star beim Major-Turnier in Augusta doch mit. (7. April 2015)
Keystone
Woods ist nach seiner Baisse auf dem Golfplatz im Ranking tief gefallen. Im Moment ist der langjährige Klassenprimus nur die Nummer 111 der Welt. (7. April 2015)
Woods ist nach seiner Baisse auf dem Golfplatz im Ranking tief gefallen. Im Moment ist der langjährige Klassenprimus nur die Nummer 111 der Welt. (7. April 2015)
Keystone
Wo Woods auch auftaucht, die Fans liegen ihm immer noch zu Füssen. Der 39-Jährige ist zweifellos ein talentierter und eleganter Golfer. Doch viele Anhänger des Sports fragen sich: Wird er in Zukunft nochmals ganz grosse Turniere gewinnen können? (6. April 2015)
Wo Woods auch auftaucht, die Fans liegen ihm immer noch zu Füssen. Der 39-Jährige ist zweifellos ein talentierter und eleganter Golfer. Doch viele Anhänger des Sports fragen sich: Wird er in Zukunft nochmals ganz grosse Turniere gewinnen können? (6. April 2015)
Keystone
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Er sagt, sein Spiel sei gut genug, um hier zu gewinnen. Tiger Woods ist optimistisch. Er ist gut gelaunt. Er gibt den Siegertyp im Augusta National Golf Club, wo heute mit dem US Masters das erste Major-Turnier der Saison beginnt. In gewisser Weise ist dies also der Tiger Woods, den man aus all den Jahren kennt: Ein Mann, der nie von Zweifeln oder Schwächen spricht. Ein Vollprofi, hinter dessen Miene man nie die wahren Gedankengänge errät.

Bei genauer Betrachtung nämlich müssten den 39-Jährigen, der dieses Turnier bereits viermal gewonnen hat, Zweifel plagen. Noch immer beherrscht der Amerikaner wie zu seinen besten Zeiten bei jedem seiner Turnierstarts die Schlagzeilen. Die Sache ist nur: Wo sich sonst Bewunderung und Staunen über Rekordrunden, fantastische Schläge und perfekte Puttserien ausdrückten, machen jetzt Negativleistungen, Verletzungen und Skepsis die Berichterstattung aus. Zu Recht, wie ein Blick auf die letzten Monate zeigt.

Die stümperhaften Schläge

Seit dem British Open im Juli 2014 hat Woods kein Turnier mehr bis zum vierten Tag bestritten. Der letzte Majorsieg datiert von 2008, der letzte reguläre Sieg reicht ebenfalls eineinhalb Jahre zurück. In der Weltrangliste ist jener Mann, der den ersten Platz einst für sich abonniert zu haben schien, auf Position 111 abgerutscht. Ferner liefen sozusagen.

Woods hat die Formkrise nach seinen zwei letzten katastrophalen Turnierstarts in Arizona und Kalifornien zugegeben: «Mein Spiel und meine Ergebnisse sind für Turniergolf nicht akzeptabel», liess er da wissen. In Phoenix hatte er mit einer 82 die schlechteste Runde seiner Karriere gespielt. In Torrey Pines brach er wegen Rückenproblemen nach zwölf Löchern ab. Sowohl seine Mitspieler als auch zahlreiche Fachleute bescheinigten ihm danach angesichts einiger stümperhafter Chips das Leiden Yips, worunter Golfer ein unkontrolliertes Zucken der kleinen Handmuskeln verstehen.

«Das Chipping ist gut», sagte Woods nun am Dienstag in Augusta zu allen Zweiflern, ohne auf das Thema Yips einzugehen. «Ich habe mich gut gefühlt. Es war schön, da rauszugehen.» Und so absolvierte er am Dienstag eine Proberunde vor Tausenden Zuschauern, die speziell seine kurzen Schläge genauestens beobachteten. Es war, als wollte er absichtlich demonstrieren, dass dieses vermeintliche Yips nur Schwarzmalerei sei. Er chippte und pitchte an jedem Grün aus diversen Lagen an die Puttfläche, liess den Ball mal sanft aufs Gras rollen, steuerte dann die Fahne mit einer hohen Flugbahn an. «Ich wollte ein paar Wedges (Schläger für die kurzen Schläge) ausprobieren», begründete er die zahlreichen Tests. Am Ende hatte er wohl die richtigen Schläger gefunden.

Jetzt geht es darum, zu beweisen, dass sein Spiel auch unter Druck den Anforderungen standhält. Wenn Woods heute als einer der sechs letzten Spieler auf die Runde geht, wird sich die Aufmerksamkeit der Fans und Medien allein auf ihn richten. Die Leistung der Konkurrenten Rory McIlroy, Bubba Watson oder Jordan Spieth, die als Topfavoriten gelten, dürfte eine Weile lang unbedeutend werden.

Es wäre ein Wunder

Um ehrlich zu sein: Sollte sich Woods am Ende des Tages mit seiner Rundenleistung irgendwo in der Nähe dieser drei Herren befinden, müsste man dies wohl schon als Erfolg werten. Ein Sieg des Amerikaners käme einem Wunder gleich, selbst eine Top-Ten-Leistung erscheint trotz seiner Beteuerungen unwahrscheinlich: «Ich befinde mich jetzt auf dem richtigen Weg. Das alles ist ein Fortschritt», sagt er. «Ich hatte das Gefühl, dass ich mein Spiel auf ein Niveau bringen musste, wo es mir möglich ist, ein Turnier zu gewinnen, und da bin ich jetzt endlich.»

Seinen zuletzt miserablen Leistungen zum Trotz sind sich viele seiner Mitspieler offenbar ebenfalls nicht ganz sicher, ob der Superstar nicht doch noch einmal mit einem wundersamen Comeback für eine Überraschung sorgt: Einer Umfrage des Sportsenders ESPN.com zufolge glaubten 62,1 Prozent von 103 befragten Profis, dass Woods vor seinem Rückzug aus dem Profisport noch ein Major gewinnen werde. Gänzlich abschreiben will man ihn eben doch noch nicht.

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