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Und Tyson lacht

Im Oktober fallen im Baseball die Entscheidungen. Das ist in Nordamerika so – und auch in der Schweiz. Die kleine Randsportszene wurde durch einen Diamanten in Zürich belebt.

Doch noch: der Sieg. Doch noch: der Jubel. Sie rennen raus aus ihrem Unterstand, die Zürcher Spieler, werfen sich ineinander und feiern sich gegenseitig. Auf den Tribünen ist die Erleichterung spürbar, «wieso können wir nicht einmal einfach gewinnen?», fragt einer. Fast komfortabel haben seine Lieblinge auf dem Feld 5:0 geführt, den Sieg brachten sie gerade so ins Ziel. 5:4. So kommt es am kommenden Samstag zur Finalissima um den Meistertitel.

Oktober ist die Zeit der Entscheidungen im Baseball. In Nordamerika werden derzeit die Teilnehmer an der World Series gesucht und in der Schweiz die neuen Meister. Die Therwil Flyers oder die Zürich Challengers werden es 2018 sein, die beiden stehen sich im Playoff-Final gegenüber, und das ist das Duell der Giganten im Schweizer Baseball: Die Flyers aus dem Baselbiet sind Rekordmeister mit elf Titeln, die Challengers hatten 1982 das allererste Baseballspiel auf Schweizer Boden und auch die allererste Meisterschaft gewonnen und sind mit acht Titeln das erfolgreichste aller fünf Zürcher Baseballteams.

Respekt für den Gegner

Auf der Sportanlage Heerenschürli ist die Stimmung an diesem Sonntag grundgemütlich. Familien mit Kleinkindern und Paare mit Hunden, Teenager und Greise, stille Geniesser und schwatzhafte Latinos – das Publikum auf den kleinen Tribünen ist vielschichtig. Aber man kennt sich und ist fachkundig. «Wirf ihn raus», ruft eine Frau energisch, an jedem Spiel ist sie dabei, und sie vergisst nicht zu erwähnen, dass sie auch diesen und jenen Gegner wegen seiner starken Leistungen respektiere.

«Uns allen hier geht es um die Leidenschaft Baseball», sagt Pierre Burger zur entspannten Atmosphäre, selbst wenn es im Spiel 4 des Playoff-Finals um alles geht: Beim Speaker steht der Meisterpokal, falls die Therwil Flyers diese vierte Partie gewinnen, gehört er wieder einmal ihnen. Burger, fast seit der Gründerzeit ein Challenger und viele Jahre im Vorstand, geht gar noch weiter. Ihm sei es lieber, sagt er, «ein Spieler wechselt zu den Barracudas, als dass er den Sport verlässt». Die Barracudas sind der Stadtrivale. Wie die Challengers dürfen sie zweimal wöchentlich im Heerenschürli trainieren.

Die Einweihung des Baseballfeldes im Jahr 2010 war ein Meilenstein für die Schweizer Szene und ein Quantensprung gegenüber früher, als auf Schulhauswiesen gespielt wurde. Das Heerenschürli ist ein original «Diamond», so genannt wegen seiner Form. Es orientiert sich an US-Massen: Das rechte Outfield etwa ist fast zehn Meter länger als jenes im Yankee Stadium von New York. Im Sommer hatten die Challengers eine College-Mannschaft aus den USA zu Gast. Die Teammitglieder seien beeindruckt gewesen, erzählt Burger.

Latinos eroberten den Club

Auch Francisco Robles schwärmt von der Anlage, und der Mann muss es wissen: Robles, den alle Tyson nennen (ja: weil er wie Mike ausschaut, der Boxer, Zahnlücke inklusive), stammt aus der Dominikanischen Republik und spielt Baseball, seit er 5 ist. «Der Sport ist meine Religion», sagt er. 1991 heiratete er eine Schweizerin, kam hierher und suchte einen Ort, um sie auszuleben. Auch Tyson ist also ein Pionier: War er damals einer der ersten Spieler aus Zentralamerika, stammen heute zahlreiche Clubmitglieder aus Kuba oder der Dominikanischen Republik. Gerade bei den Junioren. Stolz sagt er das und lacht. Tyson lacht viel.

Zu den prägendsten Spielern zählen die sogenannten Imports, die als einzige einen Lohn erhalten. Bei den Challengers ist das Spielertrainer Robert Sedin. Und prompt leitet der Kalifornier, dessen Grossvater James 1952 mit dem US-Eishockeyteam Olympiasilber gewonnen hatte, im Playoff-Final gegen die Therwiler mit einem Run kurz vor Schluss die 5:0-Führung seines Teams ein. Dass danach noch ein kurzer Einbruch folgt, ist unschön aus Sicht der Fans auf der Tribüne. Bleibt aber folgenlos.

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