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«Deine Aussage bringt mich zum Weinen»

Vor dem Prozess wegen Missbrauchs gegen Turnarzt Larry Nassar zog Gabrielle Douglas mit einem Tweet den Zorn ihrer Teamkolleginnen auf sich.

Steht wegen eines problematischen Tweets im Rampenlicht: Gabrielle Douglas.
Steht wegen eines problematischen Tweets im Rampenlicht: Gabrielle Douglas.
Reuters
Gemeinsam mit Simone Biles (2. von links) und Alexandra Raisman (hinten) gewann Douglas 2016 in Rio Team-Olympiagold.
Gemeinsam mit Simone Biles (2. von links) und Alexandra Raisman (hinten) gewann Douglas 2016 in Rio Team-Olympiagold.
Reuters
Biles und Raisman liessen auf Twitter ihrem Ärger über Douglas' Post Luft. Douglas schrieb, dass durch aufreizende Kleidung «falsche Leute» angelockt werden, was zu Missbrauch führe.
Biles und Raisman liessen auf Twitter ihrem Ärger über Douglas' Post Luft. Douglas schrieb, dass durch aufreizende Kleidung «falsche Leute» angelockt werden, was zu Missbrauch führe.
Reuters
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Die Liste der Gräueltaten von Lawrence Nassar ist lang. Sehr lang. Bis 150 Turnerinnen soll der einst hoch angesehene Chefarzt von USA Gymnastics zwischen 1995 und 2015 missbraucht haben, so lautet die Anklage. Auch eine riesige Zahl kinderpornografischer Aufnahmen wurde auf den Computern des Mediziners sichergestellt. Nassar war vor knapp einem Jahr verhaftet worden und steht in Grand Rapids vor Gericht. Mehrfach hat er sich schuldig bekannt - ihm droht eine lebenslange Haftstrafe. Das Urteil wird am 7. Dezember erwartet.

Seit der Verhaftung suchten immer mehr Opfer die Öffentlichkeit und brachten so auch den Landesverband USA Gymnastics in die Bredouille. Regelmässig hatte er Klagen von Turnerinnen verschleppt und trotz zunehmenden Verdachtsmomenten noch während Jahren am umstrittenen Nassar festgehalten.

Zuletzt wagten sich im Rahmen der Kampagne MeToo auch prominenteste Spitzenturnerinnen ans Licht, um zu erzählen, wie Nassar sich an ihnen vergangen hatte. Jüngst die dreifache Olympiasiegerin Aly Raisman. Sie sei ab dem 15.Lebensjahr missbraucht worden, sagte sie in der Sendung «90 Minutes» des Senders CBS. Sie nannte Nassar «ein Monster» und berichtete: «Zuerst dachte ich, dass mir seine Berührungen nicht gefallen, aber er war so nett zu mir.» In der harten Turnschule des Trainer-Ehepaars Marta und Bela Karolyi gab Nassar den «good cop», der die Turnerinnen mit Geschenken und Süssigkeiten versorgte.

Die Provokation von Douglas

Weiter ins Detail ging Raisman ebenso wenig wie zuvor ihre frühere Teamkollegin McKayla Maroney, die in einem Social-Media-Eintrag geschrieben hatte: «Larry Nassar missbrauchte mich, bis ich mit dem Sport aufhörte.» Maroney und Raisman hatten bei London 2012 Olympiagold mit jenem Team gewonnen, das als «Fierce Five» in die Geschichte einging, als die «wilden fünf» - ein Wunderteam, die USA hatten kaum je ein besseres. Nassar war in London offizieller Arzt der amerikanischen Delegation.

Kurz nach den jüngsten Enthüllungen von Raisman kam es vergangene Woche nun aber zu einem groben Riss durch dieses goldene Team. Provoziert von Gabrielle Douglas, 2012 Mehrkampf- und Team-Olympiasiegerin. Auf Twitter schrieb sie: «Es liegt in der Verantwortung von uns Frauen, uns anständig zu kleiden und vornehm zu sein. Sich provokativ oder aufreizend zu kleiden, lockt die falschen Leute an.» Douglas hatte auch 2016 in Rio noch an der Seite von Raisman geturnt und mit dem Team die Goldmedaille verteidigt.

Ihre Kolleginnen reagierten fassungslos auf die Aussage. Raisman antwortete, jede Frau solle tragen dürfen, was auch immer sie möchte, und dass es keine Entschuldigung gebe für sexuellen Missbrauch: «Hört auf mit der Opferbeschuldigung.» Auch Simone Biles sprang ihr zur Seite. Der Turnsuperstar schrieb: «Es schockiert mich, das zu sehen, aber es überrascht mich auch nicht. Ganz ehrlich, deine Aussage bringt mich zum Weinen, als deine Teamkollegin hätte ich mehr von dir erwartet.» Sie schloss mit einer Botschaft für ihre Freundin Raisman: «Ich unterstütze dich, Aly, wie auch alle anderen Frauen da draussen»

Douglas löschte ihren Tweet schnell wieder und versuchte, Schadensbegrenzung zu betreiben: «Ich habe die Worte falsch gewählt und bedaure zutiefst, dass es so aussah, als würde ich meine Teamkolleginnen nicht unterstützen. Egal, was ihr anhabt, Missbrauch ist immer inakzeptabel. Ich bin mit euch.»

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