Vom Star zum ewig Verletzten zum Helden

Der ehemals beste Spieler der NBA ist aus der Versenkung aufgetaucht. Derrick Rose führt sein Team mit 50 Punkten zum Sieg.

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Eigentlich waren wohl die meisten der Meinung, dass diese Rose schon lang verwelkt ist, sie verkümmerte, irgendwo in der NBA. Bis am Mittwoch, da ging sie nochmals auf, erblühte sie in voller Pracht. Natürlich geht es hier nicht um die Blume selbst, sondern um den Basketballspieler Derrick Rose, eigentlich Derrick Martell Rose senior. Dieser führte seine Minnesota Timberwolves zum 128:125-Heimerfolg gegen die Utah Jazz, markierte 50 Punkte – so viele wie noch nie in seiner NBA-Karriere – und entschied das Spiel mit einem Block in letzter Sekunde.

Doch beginnen wir vorne: Bereits in der Highschool war schnell erkennbar, dass der in Chicago geborene Rose ein enormes Talent besitzt, er beeindruckte regelmässig durch seine Leistungen. D-Rose zeigte zudem immer viel Einsatz und Herz, so wurde er schnell zum Liebling der Massen. In der College-Meisterschaft 2008 führte er seine Memphis Tigers ins Endspiel. Dieses verloren die Tigers aber gegen die Kansas Jayhawks. Nichtsdestotrotz machte Rose derart auf sich aufmerksam, dass er bereits nach nur einem Jahr College – normalerweise absolvieren die Spieler vier Jahre – den Sprung in die NBA versuchte.

«Winnie the Pooh» wurde zum MVP

Wobei versuchen das falsche Wort ist. Denn niemand geringeres als die Chicago Bulls, in den 1990ern sechsfacher Meister mit Superstar Michael Jordan, sicherten sich beim NBA-Draft 2008 die Rechte am damals 19-Jährigen, bereits in der ersten Runde – als Nummer-1-Pick wohlgemerkt. Rose war damit der erst dritte Point Guard (Aufbauspieler) nach Magic Johnson 1979 und Allen Iverson 1996, der in den vergangenen 30 Jahren als Nummer 1 gewählt wurde.

Und «Pooh», der Spitzname ist die Kurzform von «Winnie the Pooh», wie ihn seine Grossmutter in der Kindheit nannte, da er Süssigkeiten über alles liebte und einen hellen Teint hatte, wurde schnell zum Superstar. Nur drei Saisons später wurde er als jüngster Spieler überhaupt zum MVP der NBA gewählt, also zum besten Spieler der Liga, mit gerade mal 22 Jahren. Der 1,91 m grosse Rose hatte die Bulls zu 62 Siegen in 82 Saisonspielen geführt und damit zur Nummer 1 in der NBA gemacht. Den Titel holten sich aber die Dallas Mavericks, die Bulls scheiterten im Playoff-Halbfinal an den Miami Heat um Superstar LeBron James. 30 der besten Aktionen von Derrik Rose in der NBA.

Das Knie, immer wieder das Knie

Nach dieser sensationellen Saison verlängerte Rose seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag in Chicago frühzeitig um weitere fünf Jahre, für 94 Millionen Dollar. In den Playoffs 2012 erfolgte der Rückschlag: Pooh erlitt einen Kreuzbandriss im linken Knie, musste die kommende Saison passen. Eine Saison später kehrte er zurück, aber nur für zehn Spiele, da er sich erneut verletzte, dieses Mal am Meniskus.

Zwar erholte er sich von seinen Verletzungen, nahm an der Basketball-WM 2014 teil, konnte in der Folge aber nie mehr an die überragenden Leistungen seiner MVP-Saison anknüpfen. 2016 wurde er in einem Trade an die New York Knicks abgegeben. Aber auch im Big Apple wurde Rose nicht glücklich, immer wieder von diversen Verletzungen zurückgeworfen, heuerte er ein Jahr später bei den Cleveland Cavaliers an, um mit LeBron James zusammenzuspielen. Mehr als ein Ergänzungsspieler war er in den vergangenen Jahren aber nicht mehr, seine Karriere stand in dieser schweren Zeit wohl mehrmals kurz vor dem Aus. 2018 schloss er sich den Minnesota Timberwolves an, niemand erwartete dabei einen Exploit vom heute 30-Jährigen.

«Ich hab mir den Arsch aufgerissen»

Aber «Poohdini», wie er ebenfalls genannt wird, zeigte, dass es sich lohnt, nie aufzugeben. Zwar machte er zu Beginn der Saison in sieben Spielen, in denen er von der Bank kam, gerade mal 100 Punkte, aber in der achten Partie am Mittwochabend explodierte er förmlich und bewies damit, dass es sich lohnt, nie aufzugeben. Kein Wunder, suchte er nach dieser Performance von den Gefühlen übermannt nach Worten. Mit Tränen in den Augen, nachdem die Fans «MVP! MVP!»-Rufe durch das Target Center skandiert hatten, sagte Rose: «Das bedeutet mir alles. Ich hab mir den Arsch aufgerissen. Ich tue alles, um zu gewinnen. Heute war eine Wahnsinnsnacht.» Ganz der Profi, vergass er nicht seine Teamkollegen, den Club und die Fans zu erwähnen, ohne die er dies nie geschafft hätte.

Rose ist bei den Timberwolves nicht mehr Starspieler, das sind Junge wie Karl-Anthony Towns (22) oder Andrew Wiggins (23) und Routinier Jimmy Butler. Das weiss auch Rose. Er sagt zu seiner Rolle im Team: «Wir haben eine junge Gruppe. Meine Aufgabe als Veteran ist es, den Jungen zu helfen und als Beispiel voranzugehen. Ich habe in meiner Karriere noch nie so viel mit meinen Teamkollegen gesprochen wie jetzt.»

Was Rose für das Team der Timberwolves bedeutet, zeigten die Kollegen nicht nur zuerst auf dem Platz (wie im Video oben), sondern auch etwas später in der Kabine:

Aber nicht nur die Kollegen, auch andere NBA-Spieler freuten sich über die Wiederauferstehung von D-Rose.

Stephen Curry, Golden State Warriors:

Dwyane Wade, Miami Heat:

Isaiah Thomas, Denver Nuggets:

Jeremy Lin, Atlanta Hawks:

Erstellt: 01.11.2018, 15:21 Uhr

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