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Wenn die Puppen tanzen

Der Höhepunkt des US-Sportjahres ist da: Superbowl LI. An der Seitenlinie: schräge Maskottchen. Keine amerikanische Erfindung, aber amerikanisch durch und durch.

Fast jeder amerikanische Profiverein hat ein eigenes Maskottchen. Die Auswahl reicht von kräftigen Wikingern über rote Teufel bis hin zu Delfinen und Orcas. Hier eine Auswahl der kuriosen Stimmungsmacher aus Basketball, Eishockey und American Football.
Fast jeder amerikanische Profiverein hat ein eigenes Maskottchen. Die Auswahl reicht von kräftigen Wikingern über rote Teufel bis hin zu Delfinen und Orcas. Hier eine Auswahl der kuriosen Stimmungsmacher aus Basketball, Eishockey und American Football.
Reuters
Basketball Was das Maskottchen der Orlando Magic darstellen soll, ist nicht gleich ersichtlich. Genannt wird es «Stuff the Magic Dragon», eine Anspielung auf den Vereinsnamen und wohl auch auf den angeblichen Kiffer-Song «Puff the Magic Dragon». 2016 wurde es in der Liga zum Maskottchen des Jahres gewählt.
Basketball Was das Maskottchen der Orlando Magic darstellen soll, ist nicht gleich ersichtlich. Genannt wird es «Stuff the Magic Dragon», eine Anspielung auf den Vereinsnamen und wohl auch auf den angeblichen Kiffer-Song «Puff the Magic Dragon». 2016 wurde es in der Liga zum Maskottchen des Jahres gewählt.
Reuters
Für einmal kein Tier ist das Maskottchen der New England Patriots, Finalist der diesjährigen Superbowl. «Pat Patriots» ist ein in Blau gekleideter Soldat der amerikanischen Revolution. Wie die meisten anderen Maskottchen passt er sein Outfit jeweils zur Weihnachtszeit an.
Für einmal kein Tier ist das Maskottchen der New England Patriots, Finalist der diesjährigen Superbowl. «Pat Patriots» ist ein in Blau gekleideter Soldat der amerikanischen Revolution. Wie die meisten anderen Maskottchen passt er sein Outfit jeweils zur Weihnachtszeit an.
AFP
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Sie springen mit einem Bungee-Seil ins Stadion, werfen mit Torten und Popcorn um sich, schlagen Saltos und geraten sich gegenseitig in die Haare – Maskottchen im US-Sport sind sich für nichts zu schade, um das Publikum zu unterhalten. Die meisten Teams im Eishockey, Basketball und American Football können am Spielfeldrand auf die Unterstützung eines Stimmungsmachers zählen.

Wenn am Sonntag in Housten die Super Bowl stattfindet, schlägt die grosse Stunde für Pat Patriot und Freddie Falcon – die Maskottchen der beiden Finalisten.

28 von 32 Mannschaften der NFL (American Football), 27 von 30 der NBA (Basketball) sowie 28 von 30 der NHL (Eishockey) haben ein offizielles Maskottchen. Die Figuren reichen von echten Tieren bis zu Wikingern oder flauschigen Plüschbären. Vor und während der Partie gehen sie auf das Spielfeld oder die Tribüne. Sie tanzen mit Cheerleaderinnen, zeigen selbst Kunststücke und humoristische Einlagen. In der NBA sind beispielsweise die Dunking-Contests mit verschiedenen Maskottchen sehr beliebt. Doch warum wird in Übersee diese Form von Stadionunterhaltung mehr als irgendwo sonst zelebriert?

«Benny the Bull» von den Chicago Bulls weiss das Publikum zu unterhalten. Video: Youtube

Das Maskottchen ist keine Erfindung der Amerikaner. Es waren die Engländer, die an der heimischen Fussball-WM 1966 mit dem Löwen «Willie» einen ersten Glücksbringer für eine Sportveranstaltung hatten. Seither haben die grossen Turniere und Olympischen Spiele regelmässig mit Maskottchen für sich geworben. Damals ging es darum, ein Symbol zu haben, das die Events präsentiert und noch mehr Aufmerksamkeit generiert. In den USA repräsentieren aber die heutigen Maskottchen nicht eine Veranstaltung, sondern eine Mannschaft.

Sportveranstaltungen gehören zur Tradition

In erster Linie sollen die Maskottchen für Unterhaltung. In den USA ist es Tradition, dass ganze Familien Sportveranstaltungen besuchen. Das Lieblingsteam wird von Generation zu Generation weitergegeben. Dadurch befinden sich im Publikum viele junge Zuschauer, die durch das Maskottchen eine emotionale Bindung zur Mannschaft und zum Sport bekommen sollen. Die Spiele werden so gleichzeitig zur Familienunterhaltung. Junge Footballer bekommen beispielsweise jährlich die Chance, beim «Mascot Bowl» gegen ein Team aus Maskottchen des US-Sports anzutreten.

Ein anderer Grund, der die Zelebrierung der amerikanischen Maskottchen erklärt, sind die häufigen Werbepausen und Spielunterbrüche während der Matchs. Die Aufgabe der Maskottchen besteht darin, die Stimmung auch in solchen Momenten aufrechtzuerhalten und Langeweile bei den Zuschauern zu verhindern.

Es werden dabei alle Register der Unterhaltung gezogen – sie tanzen mit dem Publikum um die Wette, zeigen Motorrad-Stunts oder legen sich mit dem Maskottchen des gegnerischen Teams an. Schliesslich sollen die Sportveranstaltungen ihr Eintrittsgeld wert sein.

Der Adler, die Kuh und der Steinbock aus der Schweiz

In Europa existieren weitaus weniger Glücksbringer, doch die Sportvereine scheinen langsam dem amerikanischen Maskottchen-Kult nachzukommen. In den letzten Jahrzehnten sind beispielsweise in der Bundesliga einige neue Maskottchen aufgetaucht. Seit 2004 hat der FC Bayern München in Bär Berni einen Unterstützer, Borussia Dortmund (Biene Emma), Schalke 04 (der Knappe Erwin) oder Stuttgart (Krokodil Fritzle) haben ebenfalls einen Glücksbringer.

Bei den Schweizer Profisportvereinen sind Maskottchen rar gesät. Das bekannteste ist wohl der Adler Sherkan von Servette – ein echtes Federvieh, das seit 2002 bei jedem Heimspiel mit dem Puck aufs Eisfeld fliegt. Und da gibt es noch den kostümierten Steinbock Hitsch am Spengler-Cup oder Cooly, ehemals Maskottchen der Eishockey-WM und Leichtathletik-EM, das nun bei der Schweizer Leichtathletik für Stimmung sorgt. Der amerikanische Maskottchen-Wahnsinn bleibt aber unerreicht.

Cooly versucht sich im Stabhochsprung während der Leichtathletik-EM 2014 in Zürich. Video: Youtube

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