Wo sich jeder mit Tiger Woods messen kann

Pebble Beach, ab Donnerstag Schauplatz des US Open, ist eine spektakuläre Golffabrik mit grosser Geschichte.

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«Die Szenerie ist gewaltig. Man riecht die Pinien, hört das Dröhnen der Brandung, die Aussicht ist spektakulär. Und immer wieder fühlt man sich gefangen in der Geschichte dieses Ortes.» Wenn der Franzose Grégory Harvet über Pebble Beach spricht, wo er 2010 als Zweiter des US Open seinen grössten Erfolg errang, kommt er ins Schwärmen. Und wie ihm geht es vielen.

Der legendäre 18-Loch-Parcours auf der Monterey Penin­sula ist im Golf zum Wallfahrtsort geworden. Im Gegensatz zu den meisten Turnieranlagen ist es ein öffentlicher Platz und kein privater, wie etwa Augusta National, wo das Masters stattfindet und gute Beziehungen nötig sind, um spielen zu können. Zudem gilt Pebble Beach als bester öffentlicher Platz der USA.

740 Dollar für eine Runde

Der Reiz, einmal hier zu spielen, ist denn auch für viele Golfer überwältigend. Das hat dazu geführt, dass der Parcours zu den meistbespielten der Welt gehört – und, folgerichtig, zu den teuersten. Die Spielgebühr für eine Runde beträgt 550 Dollar, 45 Dollar werden für den Elektrokart fällig, 95 Dollar für den Caddie plus Trinkgeld (empfohlen werden 50 Dollar). Verteuert wird die Sache dadurch, das zudem in einem der Resorthotels übernachten muss, wer hier spielen will. Zwei Golfrunden mit zwei Übernachtungen werden für den Juli ab 2495 Dollar offeriert. Pebble Beach ist ein Goldesel, eine Golffabrik, in der fliessbandmässig im Minutentakt Spieler durchgeschleust werden.

Entschädigt werden diese auch mit dem Wissen, auf den Spuren der Golfgeschichte zu wandeln. Zudem können sie sich indirekt mit den Legenden messen – auch wenn der Parcours für die Profis mit 6460 m viel länger und schwieriger präpariert ist als für Hobbyspieler (5592 m) oder -spielerinnen (4800 m). Und doch fühlen sich diese, als würde ein Tennis-Liebhaber plötzlich im Centre Court von Wimbledon auflaufen.

Die «Pebble Beach Golf Links» wurden 1919 als Teil des Luxusresorts Hotel del Monte erstellt, genau wie der berühmte 17-Mile-Drive, der über die Halbinsel führt. Das Ziel des Designers Jack Neville war, möglichst viele Spielbahnen entlang der spektakulären, felsigen Küste zu bauen, den Klippen über Stillwater Cove und Carmel Beach. Heute, nach diversen Modifikationen, verlaufen 9 Bahnen entlang des Pazifiks, die 4 bis 10 sowie die Schlusslöcher 17 und 18.

Zum Höhepunkt jeder Runde wird das 7. Loch, ein kurzes Par-3-Hindernis, bei dem der Ball von einem erhöhten Abschlag Richtung Ozean geschlagen wird und das selbst Berufsspielern ­gelegentlich weiche Knie verursacht. Spektakulär ist auch die 18. Spielbahn, mit dem Pazifik zur Linken, einem Baum mitten im Fairway und einem fast 100 Meter langen Sandhindernis.

Zu den prägenden Figuren der Geschichte von Pebble Beach gehört Jack Nicklaus, mit 18 Titeln Rekordhalter an Majorturnieren. Er gewann 1972, als das US Open erstmals hier ausgetragen wurde – auch dank einem der berühmtesten Schläge der Golfgeschichte, als sein Ball bei stürmischem Wetter am 17. Loch die Fahne traf und daneben einschubbereit liegen blieb. Nicklaus half später auch beim Re­design mit.

Woods eine Klasse für sich

Das US Open gewinnen konnten hier neben ihm auch Tom Watson (1982), Tom Kite (1992), Graeme McDowell (2010) und Tiger Woods, der im Jahr 2000 einen Vorsprung von 15 Schlägen herausspielte. Obwohl er im April am Masters seinen 15. Majortitel holte, gehört die Favoritenrolle Brooks Koepka, der drei der letzten fünf Majors gewann und den US-Open-Hattrick anstrebt.

In Form ist mit Rory McIlroy auch ein anderer früherer US-Open-Sieger (2011). Der Nordire gewann am Sonntag das PGA-Turnier im kanadischen Hamilton mit 22 unter Par und einer 61er-Schlussrunde. Aber auch die Grössen dieses Sports wissen, dass der eigentliche Star dieses Jahr nicht sie sind, sondern der Schauplatz, Pebble Beach. Zumindest, bis in der Nacht auf Montag der Champion feststeht. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 12.06.2019, 16:32 Uhr

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