Basteln am schönen Gesamtbild

Marcel Hirscher war im Riesenslalom von Alta Badia unbezwingbar. Mit einem 9. Rang schaffte der Bündner Gino Caviezel sein bislang bestes Weltcupresultat.

«Ich bin einfach schlecht gefahren»: Gino Caviezel (9.) über seinen ersten Durchgang.

«Ich bin einfach schlecht gefahren»: Gino Caviezel (9.) über seinen ersten Durchgang. Bild: Ettore Ferrari/Keystone

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Der Riesenslalom von Alta Badia war ein Spiegelbild des gesamten alpinen Weltcupwochenendes in den Dolomiten – und damit der bisherigen Saison. Es gibt die Ausnahmekönner: im Speedbereich ist es momentan Kjetil Jansrud (1. und 2. in Gröden), im Technikbereich Marcel Hirscher, der am Sonntag sein drittes Rennen in Folge gewann, sein Abstand auf Ted Ligety betrug unglaubliche 1,45 Sekunden. Und hinter diesen Vornewegfahrern schlagen sich die Schweizer ­wacker und mutig.

Gestern war es Gino Caviezel, der als Neunter erstmals in seiner Karriere ­unter die Top 10 kam, seine Bestzeit im zweiten Lauf war ein starkes Zeichen in einem Rennen auf einer sehr anspruchsvollen, von oben bis unten mit harten Schlägen versehenen Strecke. Mit dem 11. Rang im Riesenslalom von Åre hat der 22-jährige Bündner damit die WM-Qualifikation geschafft, «aber das ist mir nicht so wichtig», sagte er. «Wichtig ist, dass ich mich im Weltcup so verbessert habe, dass ich nicht immer befürchten muss, aus den Top 30 wieder heraus­zufallen.» Warum es ihm im ersten Durchgang nicht wunschgemäss gelaufen war, schob er weder auf die hohe Startnummer noch auf die schwierigen Verhältnisse ab. «Nein», sagte Caviezel, «ich bin einfach schlecht gefahren.»

Aufmunternde Anzeichen für die Schweizer

Insgesamt sieben Top-10-Klassierungen erreichten die Schweizer in den drei Rennen in Gröden und Alta Badia. Das zeigt zumindest, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Dass es in Gröden mit etwas mehr Glück – oder ­weniger Fehlern – durchaus fürs Podest hätte reichen können, trübt die Bilanz, stimmt aber für die kommenden Auf­gaben positiv. In Super-G und Riesen­slalom hat das Männerteam mehr Punkte geholt als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr, neben Carlo Janka hat sich ­Caviezel in der Startliste der besten 30 im Riesenslalom nun etabliert. Es braucht noch viel Geduld, aber es gibt aufmunternde Anzeichen, mit denen sich Fahrer und Betreuer für ihre Arbeit belohnen. Etwa Laufbestzeiten wie von Caviezel oder von Carlo Janka im Riesenslalom von Beaver Creek.

Janka seinerseits ist ein Spiegelbild der aktuellen Situation. Der Obersaxer erreichte in den vergangenen drei Tagen die Ränge 21 (Abfahrt), 6 (Super-G) und 20 (Riesenslalom). Eine Achterbahn. Und Beleg dafür, dass er zu starken ­Resultaten fähig ist, dass es ihm aber nach dem Markenwechsel noch an Konstanz fehlt. Und Alta Badia ist für ihn ­sowieso der speziellste Riesenslalom: «Nach einer Woche mit ausschliesslich Abfahrt und Super-G ist es besonders schwierig, sich auf die kürzeren Ski ­umzustellen». Zudem sei er nach den anstrengenden Fahrten auf der Saslong körperlich ausgelaugt, «die meisten anderen können sich tagelang auf den Riesenslalom vorbereiten».

«Riesenslalom als Grundlagentraining»

Der Trend zur Spezialisierung im Riesenslalom wird seit der Änderung der Taillierung der Ski immer ausgeprägter. Selbst ein Ausnahmeathlet wie Hirscher sagt, beim Aufwand, den er für Slalom und Riesenslalom betreibe, liege es schlicht nicht drin, sich noch um den Speedbereich zu kümmern. Ist es für Janka ein Thema, aus diesem Grund demnächst auf Riesenslalom zu verzichten? «Nein, dann wäre es etwas lang­weilig, ausserdem brauche ich diese ­Disziplin als Grundlagentraining, dann kann ich ­genauso gut Rennen bestreiten.» Diese launige Antwort zeigt auch eines: Janka ist wesentlich besser drauf als in den vergangenen Jahren. Er spürt, dass es aufwärts geht.

Fehlen also noch die Topplatzierungen, Beat Feuz' 2. Rang in der Abfahrt von Beaver Creek ist der bislang einzige ­Podestplatz. Die ­Regel bei Olympia und WM sagt: Man braucht drei Kandidaten, um eine realistische Chance auf eine Medaille zu ­haben. Das ist mit den Podestplätzen im Weltcup nicht anders. Die Zahl der Schweizer Kandidaten wächst, die einzelnen Puzzleteile stimmen, irgendwann passt dann auch das Gesamtbild. Sie bauen auf jeden Fall fleissig daran.

Erstellt: 21.12.2014, 21:35 Uhr

Ein Spiegelbild der aktuellen Situation: Carlo Janka (6.) beim Super-G in Val Gardena. (Bild: Keystone )

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