«Bei FIS-Präsident Kasper ist der Name Programm»

Gian Franco Kasper erntet für seine zum Klimawandel geäusserten Zweifel heftige Kritik. Slalom-Spezialist Daniel Yule ist schockiert, andere fordern Kaspers Rücktritt.

Ist aus Sicht mancher Umweltfreunde nicht nur auf einem Auge blind: FIS-Präsident Gian Franco Kasper löste mit seinen Aussagen zum Klimawandel viel Empörung aus.

Ist aus Sicht mancher Umweltfreunde nicht nur auf einem Auge blind: FIS-Präsident Gian Franco Kasper löste mit seinen Aussagen zum Klimawandel viel Empörung aus. Bild: Christian Bruna/Keystone

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Eine Welle der Empörung löste Gian Franco Kasper mit seinen Aussagen im Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet aus. In digitaler und gedruckter Form hat sie den gesamten deutschsprachigen Raum erfasst und dürfte nun auf weitere Länder überschwappen. Der Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS sorgte mit seinen Aussagen – «es gibt keinen Beweis dafür» (zum Klimawandel) oder «in Diktaturen ist es für uns einfacher» (zu Ausrichtungsorten von Sport-Grossanlässen wie Olympischen Spielen) – für etliche Schlagzeilen.

«Auf zum Diktator!» lautete beispielsweise der Titel eines Kommentars in der «Frankfurter Allgemeine». Der TV-Sender RTL wählte die Überschrift «Unglaubliche Aussagen eines Sport-Funktionärs» und fügte «Wie Trump: Erderwärmung einfach mal anzweifeln» an. Die österreichische Tageszeitung «Der Standard» titelte: «Der Herr des Skisports fädelt wieder ein». Ähnlich reagierte Sport1 mit «IOK und Deutschlands Sportfunktionäre sind schockiert» auf das Interview.

«Der Herr des Skisports fädelt wieder ein.»Der Standard

Das Internationale Olympische Komitee (IOK), in dem Kasper von 2000 bis 2018 mitwirkte und seit seinem Amtsende Ehrenmitglied ist, distanzierte sich von den Aussagen des Engadiners zu Olympischen Winterspielen in Diktaturen. «Das ist die persönliche Meinung von Gian Franco Kasper, die vom IOK nicht geteilt wird», wird ein IOK-Sprecher von diversen Medien zitiert. Auch die Zweifel des 75-Jährigen zur globalen Erwärmung mit Aussagen wie «Wir haben Schnee, zum Teil sehr viel», kommentierte das Gremium mit: «Die Nachhaltigkeit und der Klimawandel sind zentrale Punkte der Arbeit im IOK.»

«Das macht mir richtig Angst»

Daniel Yule nahm kein Blatt vor den Mund. Der Schweizer Skirennfahrer zeigt sich gegenüber dem «Blick» besorgt: «Einige Aussagen des Präsidenten haben mich regelrecht schockiert.» Der Walliser findet es fragwürdig, dass Kasper den Kilmawandel in Frage stellt: «Diese Aussage ist für mich ein Beleg dafür, wie weit sich Herr Kasper von unserem Sport entfernt hat. Wenn er uns auch nur einmal pro Sommer im Schnee-Training besuchen würde, dann würde auch er erkennen, wie stark unsere Gletscher zurückgehen und wie stark die Zukunft des Skisports deshalb gefährdet ist.»

«Einige Aussagen des Präsidenten haben mich regelrecht schockiert.»Slalom-Spezialist Daniel Yule

Der 25-Jährige, der neben seiner Karriere auf der Skipiste Wirtschaft studiert, sagt zu Kaspers Diktaturen-Zitaten: «Mit diesem Bekenntnis zur Diktatur macht Herr Kasper deutlich, dass er als Präsident keine Dialoge mit uns führen will. Das macht mir richtig Angst, schliesslich kandidiere ich bei der FIS für die Position als Athleten-Sprecher.» Zudem ist Yule verärgert, weil der FIS-Präsident wegen einer «Altersguillotine» (Vereinsvorsteher sind ab dem 70. Altersjahr von Abstimmungen ausgeschlossen) im IOC nicht stimmberechtigt ist. «Dem Skisport fehlt es derzeit an der weltweiten Anerkennung, wir kämpfen ums Überleben. Deshalb hätten wir eine Stimme beim grössten Sportverband der Welt jetzt ganz besonders nötig», wird der Slalom-Spezialist zitiert.

Girod verlangt Kaspers Rücktritt

«Schockierend» findet es auch Bastien Girod, dass Kasper den Klimawandel in Frage stellt. Der Nationalrat der Grünen fordert den Rücktritt des FIS-Präsidenten. Gegenüber nau.ch sagte der Zürcher: «Im Jahr 2019 in einer derart wichtigen Funktion den Klimawandel zu leugnen, ist grobfahrlässig. Die Äusserungen schaden dem Image der Schweiz und dem Skisport auf der ganzen Welt.» Herr Kasper sei eine absolute Fehlbesetzung und solle umgehend zurücktreten. Girod begründet seine Rücktrittsforderung: «Schliesslich bringt der Klimawandel grosse Risiken. Gerade der Skiverband sollte nicht blind in die Zukunft steuern.» Es sei auch ungeheuerlich, dass Kaspar bei der Vergabe von Ski-Weltmeisterschaften offensichtlich diktatorische Staaten bevorzugen wolle.

«Im Jahr 2019 in einer derart wichtigen Funktion den Klimawandel zu leugnen, ist grobfahrlässig.»Nationalrat Bastien Girod

In Deutschland zeigen sich verschiedene Sportfunktionäre erstaunt und enttäuscht über Kaspers Aussagen. «So funktioniert die Welt nicht, die Sportwelt schon mal gar nicht. Wir müssen andere Wege finden, als die Demokratie auszuschliessen», sagte Franz Reindl, der den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) präsidiert. Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender und Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), hielt fest: «Als Sportfunktionär kann er so etwas nicht sagen, denn dann macht er den Sport eher kaputt. Ich bin überhaupt nicht seiner Meinung. Olympia sollte man zeitgemäss veranstalten und nicht irgendwo aus dem Boden stampfen.»

Von Wetterkapriolen sprechen, Klimawandel aber leugnen

Kasper stand auch den «Stuttgarter Nachrichten» für ein Interview zur Verfügung, das am Dienstag publiziert wurde. Auf die Frage, was ihm an der WM in Are wichtig sei, antwortete er unter anderem: «Es stehen genügend Betten zur Verfügung, und auch die Stimmung wird gut sein. Das ist für mich wichtig.» Auf die Nachfrage «Gibt es ein Aber?» entgegnete der FIS-Präsident: «Es könnte sein, dass wir mit dem Wetter zu kämpfen haben, vor allem mit Kälte und Wind. Beim Weltcup-Finale vor einem Jahr war es eisig kalt, alles war gefroren. Da kann es schon mal passieren, dass die Lifte einen oder zwei Tage nicht laufen können.» Später leugnete der 75-Jährige den Klimawandel ein weiteres Mal: «Der muss doch erst mal stattfinden.»

Auf Twitter wurden Kaspers Aussagen heiss diskutiert und giftig kommentiert:

Ein Sportredaktor der «Süddeutschen Zeitung» sieht in Kasper einen Kasper:

Mit dieser Reaktion war zu rechnen:

Ein Journalist aus Österreich mit Bezug zur Schweiz sorgt für Kopf-Kino:

Dieser selbsternannte «Basler Fundamental-Humanis» schliesst sich Bastien Girod an:

Sein gewähltes Bild sagt mehr als Worte aus:

Ein Bürger aus Basel äussert sich:

Dieser User brettert voll rein:

Ob Herr Schwarz mit seinem Vorschlag ins Schwarze trifft?

Kaspar Meili begründet, weshalb er Kasper nicht versteht:

(ddu)

Erstellt: 06.02.2019, 11:33 Uhr

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