Bellend in die Niederlage

Dario Cologna (5.) büsste in der Tour de Ski weiter Zeit ein. Die Strapazen sind ihm inzwischen anzuhören.

Es wird schwierig für Dario Cologna, sich noch einmal an die Spitze zurückzukämpfen. Foto: Christopher Kelemen (Gepa)

Es wird schwierig für Dario Cologna, sich noch einmal an die Spitze zurückzukämpfen. Foto: Christopher Kelemen (Gepa)

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Die Schlüsselszene dieser vierten Etappe der Tour de Ski ging so: Während Dario Cologna von Interview zu Interview ging, um seinen Einsatz zu analysieren, rannte Martin Johnsrud Sundby an ihm vorbei aufs Podest. Der Bündner Mit­favorit hatte im Zielraum von Toblach damit eine ideale Beobachterposition auf den Tourbesten, damit allerdings auch die Erkenntnis, statt mittendrin bloss nebenbei zu sein.

Nachdem Cologna am Dienstag beim Heimsprint von Tschierv viel Zeit auf ­Titelverteidiger Sundby eingebüsst und versprochen hatte, nun zu attackieren, konterte ihn der Norweger aus. Als Etappendritter nahm ihm Sundby erneut wertvolle Sekunden ab und baute seine Reserve in der Gesamtwertung auf fast 1 Minute aus. Dabei sagte Cologna nach seinem 5. Platz über 10 km klassisch: «Ich bin ein starkes Rennen gelaufen.»

Die Belastungen der letzten Tage waren ihm dabei anzuhören. Husten­anfälle, die schon eher an ein Bellen erinnerten, schüttelten ihn beim Reden so stark, dass er immer wieder innehalten musste. Solche Attacken sind bei Cologna an einer Tour nichts Ungewöhnliches. Gerade wenn die Luft trocken-kalt ist, wie vorgestern in Tschierv, beginnt er zu leiden. Sein Husten lässt sich mit Inhalieren ein bisschen lindern.

Alleine im Niemandsland

Solange die Tour aber nicht zu Ende ist, wird Cologna weiterhusten. Zur Müdigkeit der letzten Tage plagt ihn für den ­Finish also eine körpereigene Schwäche – im Gegensatz zu seinen härtesten Gegnern, wie an der Pressekonferenz der Top 3 zu hören war. Nicht einmal ein Hüsteln kam von ihnen.

Sundby strahlte gar wie ein Januar­käfer, weil sich für ihn für die entscheidende Etappe von heute über 25 km Skating eine ideale Ausgangslage ergab: Er wird dieses Rennen, das mit den Zeitabständen im Ranking gestartet wird, bloss 1,5 Sekunden hinter Leader Petter Nort­hug beginnen dürfen. Damit kann er mit seinem Teamkollegen zusammenspannen und allenfalls weitere Zeit auf Cologna herausholen, denn dieser befindet sich als Sechster ein bisschen im Niemandsland: Alexei Poltoranin, der Sieger der vierten Etappe, liegt als Fünfter 28 Sekunden vor ihm und ist zudem ein schlechter Skater, der Siebte Alex Harvey müsste hingegen erst einmal 13 Sekunden gutmachen. Dies wiederum würde bedeuten, dass Cologna an Tempo herausnehmen müsste. Entschleunigtes Laufen aber wird er sich nicht leisten können, wenn er seine (theoretischen) Siegeschancen wahren will. Es bräuchte inzwischen also ein Loipenwunder, damit er sich in der Prestigeserie noch einmal an die Spitze zurückkämpfen kann.

Der andere Schweizer

Wahrscheinlicher ist, dass es zu einem eher unerwarteten Duell zweier Schweizer um Platz 3 in der Gesamtwertung kommen wird: Der weiterhin überraschende Russe Jewgeni Below, er verpasste den Sieg gestern bloss um 0,5 Sekunden und ist nun Tourdritter, wird von Reto Burgermeister gecoacht. Der Zürcher hatte dessen Teamkollegen Alexander Legkow letzte Saison zum Olympiasieg über 50 km geführt – und 2013 zum Tourtitel. Diesen Sommer allerdings trennte sich das Gespann, weil Legkow eher gegen als mit Burgermeister zu arbeiten begann. Damit schien sich dessen Lage zuzuspitzen, war er von Langlaufchefin Jelena Välbe doch maximal geduldet. Da die frühere Spitzenathletin mittlerweile aber begriffen hat, wie gut Burgermeister coacht, übertrug sie ihm stattdessen die Verantwortung für ein kleines Team. Zu diesem zählt Below.

Seinen Aussenseiterstatus vermochte Burgermeister damit in der russischen Equipe zu überwinden. Zudem sind seine neuen Athleten deutlich schwerer als er, womit er das zeitintensive Ski­testen lassen und sich auf die Formsteuerung seiner Mannen konzentrieren kann. Im Fall von Below – und zum Leid­wesen von Cologna – scheint ihm dies ganz gut zu gelingen.

Erstellt: 07.01.2015, 20:00 Uhr

Hingucker

Der Langlauf-Po

Es wird in diesen Zeilen um den Gluteus maximus gehen. Die Sängerin Beyoncé sagt über ihn, und sie weiss, wovon sie spricht: «Er kann nie zu gross und knackig sein.» Wer sich an dieser Stelle fragt, was der Po im Sportteil zu suchen hat, dem sei gesagt: «Er ist der dem Volumen nach grösste Muskel des Menschen und einer der kräftigsten» (Wikipedia).

Der Po ist, mit Verlaub, für Sportler also ziemlich wichtig. Und weil auch Langläufer Sportler sind, ist er für sie ebenso zentral. Womit sich zeigt: Selbst in einem Potext lässt sich ein Syllogismus unterbringen. Aber zurück zum Allerwertesten. Aus einem eher unerklärlichen Grund hat sich die eine oder andere Langlaufnation entschieden, ihre Besten mit besonders dünnen Trikots auflaufen zu lassen. Primär die Schweden und Norweger bieten bei näherer Betrachtung freie Sicht auf nackte Haut – und damit knackige Fudibacken. Natürlich werden sie in den meisten Fällen von einer Unterhose bedeckt. Nur wer Tanga trägt, stellt mehr zur Schau, als ihm wohl lieb ist. Immerhin: Ein Borat war bislang an dieser Tour de Ski keiner auszumachen. Der Tangastoff umgab immer ein bisschen Athletinnenpo. Die dazugehörenden Namen verschweigen wir, seriös wie wir sind. Man sollte allerdings nicht bei den Schwedinnen suchen.

Der Pobeobachter hat in den letzten Tagen eine kleine Liste an besonders originellen Unterhosen erstellt. Klare Nummer 1: die Boxershorts mit den vielen farbigen Autos drauf. Diesem Langläufer scheint zweifelsfrei egal zu sein, was er der Umwelt präsentiert, Hauptsache, ihm läufts. Deutlich eleganter ist der Zweireiher, gerne in dunklen und hellen Längsstreifen getragen. Die Männerwelt mag ihn besonders. Farblich scheint Schwarz geschlechterübergreifend in Mode zu sein. Mögliche Erklärungen sparen wir uns. Was wir nicht verschweigen wollen: Schwarz passt zu transparenten Anzügen wie die Faust aufs Auge. Entsprechend kurzsichtig muss man sein, um kein Pogucker zu werden. (cb)

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