«Chance war bei 50 Prozent, dass wir uns vertun»

Dario Cologna scheiterte als 25. über 15 km bei seinem dritten WM-Einsatz an seinen Ski. Dennoch verteidigte der Bündner sein Serviceteam.

Dario Cologna mit den zu langsamen Ski: «Die Chance, dass wir uns in Sachen Wachs vertun, lag bei 50 Prozent.»

Dario Cologna mit den zu langsamen Ski: «Die Chance, dass wir uns in Sachen Wachs vertun, lag bei 50 Prozent.» Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Medaille hatte sich Dario Cologna vorgenommen. Doch beim Einzelstart über 15 km klassisch musste der Bündner wie schon am Sonntag in der Doppelverfolgung eine schwere Niederlage hinnehmen. Als 25. büsste er auf Weltmeister Matti Heikkinen (Fi) 2:12 Minuten ein. Colognas Form war keineswegs ausschlaggebend: Bei schwierigen Schneeverhältnissen fand sein Serviceteam das optimale Wachs für die Steigfläche nicht. Es war eines von mehreren: Die favorisierten Schweden um Daniel Rickardsson (42.) und die Russen um Alexander Legkow (20.) vergriffen sich wie Cologna und waren ebenso chancenlos auf eine Topklassierung.


Dario Cologna, auch im dritten WM-Einsatz verpassten Sie die anvisierte Medaille. Gescheitert sind Sie diesmal an den Verhältnissen. Macht das die Niederlage bitterer?
Ich muss die Situation akzeptieren. Aber es war bestimmt kein gutes Zeichen, dass ich und das Serviceteam bis fünf Minuten vor dem Start verschiedene Ski testeten. Verfügst du über einen Topski, setzt sich dieser beim Testen durch. Heute war dies anders.


Wann war Ihnen im Rennen klar, dass die Ski nicht wunschgemäss gleiten?
Auf den ersten Kilometern ist dies bei einem Rennen mit Einzelstart schwierig festzustellen. Zumal Legkow (als Zweiter des Gesamtweltcups startete der Russe direkt vor Cologna) nicht schneller unterwegs war – und Rickardsson schon gar nicht. Als ich erfuhr, dass ich plötzlich zehn Positionen eingebüsst hatte, war mir klar: Die Ski laufen nicht.


Der Zuschauer sah am TV nur, dass Sie grossen Rückstand aufweisen ...
... die Fernsehzuschauer glaubten wohl einfach: Dem fehlt die Kraft. Ich schiebe diesen Rückstand auch nicht gerne auf die Ski ab. Es war aber wirklich ein Wachsrennen. Rickardsson hatte den letzten Weltcup vor der WM über die gleiche Distanz dominiert, er war der Hauptfavorit. Heute überholte ich ihn gar (obschon Rickardsson eine Minute früher gestartet war). Schade ist, dass ausgerechnet an einer WM ein solch extremes Wachsrennen stattfindet. Unfair war es aber nicht, alle Teams hatten die gleichen Bedingungen.


Schmerzt jeder Meter doppelt, wenn man merkt, wie bescheiden der Ski läuft?
Als ich feststellte, dass ich chancenlos war, habe ich das Rennen abgehakt. Es war trotzdem bitter, zumal ich mich eigentlich gut fühlte.


Aufzuhören und Kraft für die restlichen zwei WM-Rennen zu sparen, war für Sie nie eine Option?
Nein. Ich gebe nicht einfach auf. Klar war aber auch, dass ich nicht ans Limit gehen würde.


Schon an der WM 2009 waren Sie als Mitfavorit in der Doppelverfolgung wegen eines Ski-Fehlgriffs chancenlos, am Sonntag lief der Ski ebenso wenig.
Unser Serviceteam ist hier das Gleiche wie im Weltcup. Dort passten die Ski immer. Dank ihm durfte ich auch schon schöne Erfolge wie den Olympiasieg feiern – damals vergriffen sich übrigens die Norweger. Also gewinne oder verliere ich mit dem Team. Ärgerlich bleibt der Ausgang trotzdem.


Wie erklärt man einem Laien, warum es so schwierig ist, den idealen Ski, Belag und Wachs herauszufinden?
Ich bin auch kein Experte (schmunzelt). Aber die Bedingungen waren herausfordernd, der Schnee mehlig. Die Chancen lagen heute bei 50 Prozent, dass wir uns vertun. Hätte ich nur trainiert, wäre mir allerdings nicht einmal aufgefallen, wie suboptimal der Ski lief. Du merkst dies erst in einem Wettkampf gegen die Besten. Der Ski gleitet dann im Vergleich einfach ein paar Meter weniger, ist stumpf und somit langsam.


Ihnen bleibt mit dem 50-Kilometer vom Sonntag noch ein Rennen, die anvisierte Medaille zu gewinnen. Wie motivieren Sie sich angesichts des enttäuschenden WM-Verlaufs?
Ich hoffe, dass sich die Schneebedingungen ein bisschen ändern, dann sind wir auch im Materialbereich wieder besser. Aber ich kann nicht sagen, dass meine Form wie an der Tour de Ski super ist. Damals lief ich jeden Tag vorne mit, bestätigte meinen Eindruck also täglich. An dieser WM fehlt mir diese Bestätigung. Ich bleibe trotzdem optimistisch. Da passt, dass die Königsdisziplin mit dem 50er erst folgt.

Erstellt: 02.03.2011, 08:12 Uhr

Artikel zum Thema

Weltcupleader Cologna enttäuschender 25. über 15 km

Ski nordisch/WM 2011 Für Dario Cologna setzte es an den WM in Oslo eine weitere Enttäuschung ab. Der Schweizer verpasste über 15 km klassisch als 25. die angepeilte Medaille. Der Sieg ging an den Finnen Matti Heikkinen. Mehr...

Colognas Ärger über die Wachs-Lotterie

Statt dem erhofften Gold brachte das WM-Rennen über 15 Kilometer in der klassischen Technik für den Schweizer Langlauf-Star nur bleierne Enttäuschung. Mehr...

Misslungener WM-Auftakt von Cologna

Langlauf-Olympiasieger Dario Cologna startete bescheiden in den Grossanlass in Oslo. Mehr...

Blogs

Sweet Home Willkommen im Weihnachtswunderland

Mamablog Zur Erholung ins Büro?

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...