Cologna schlägt sich selber

Der Favorit scheitert an der WM über 15 km Skating an sich und den Umständen.

Dario Cologna (r.) beim Zieleinlauf. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Dario Cologna (r.) beim Zieleinlauf. Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

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Die Szene wird im Langläufer-Leben von Dario Cologna wohl einzigartig bleiben: Während eines WM-Rennens bummelt er mit zwei Mitfavoriten, dem Norweger Petter Northug und dem Schweden Calle Halfvarsson, dem Ziel entgegen. Chancenlos auf einen ­Podestplatz sind die drei über 15 km Skating im Einzelstart und entscheiden darum, die restlichen Kilometer als Auslaufen zu nutzen. Dass Cologna, der zwei­fache Olympiasieger über diese ­Distanz, so nicht mehr als einen 18. Rang erreicht, ist wenig erstaunlich.

Richtig Tempo nimmt er dafür nach dem Rennen auf, als er den Internationalen Skiverband zynisch kritisiert: «Da hat die FIS wieder einmal gezeigt, wie fähig sie ist.» Cologna bezieht sich bei seinem Ausbruch auf das Startprozedere. Obschon die Loipe wegen der verhältnismässig hohen Temperaturen weich war, liess die FIS die Besten des Weltcups wie gewöhnlich erst am Schluss starten. Dass der Rund­parcours aber bei jedem Athleten leiden würde, der darüber lief, war klar. Zumal sich bereits am Dienstag im Frauenrennen gezeigt hatte, wie sehr die Loipe mit der Zeit abbaute.

Die FIS hätte die Weltcupspitze zwingend früher ins Rennen schicken sollen. Dies wäre reglementsgemäss möglich gewesen und hat sie auch schon getan. Dass sich Cologna also über fehlende Chancengleichheit ärgerte, war verständlich. Wenn das Fairplay aus­gerechnet zum Saisonhöhepunkt leidet, arbeitet die FIS schlecht.

Damit allerdings zu behaupten, Cologna sei allein an den Umständen gescheitert, ist falsch. Selbst Cologna relativierte während seines Ärgers, als er sagte: «Ich fühlte mich auch nicht ganz so frisch, wie ich es für einen Topplatz wohl hätte sein müssen.»

Zweifel schon vor dem Start

Doch Umstände und fehlende Tagesform führten nicht primär zu dieser Ent­täuschung – Cologna hat sich selber geschlagen. Das offensichtlichste Beispiel: Bereits vor seinem Einsatz sagte er dem Schweizer Fern­sehen: «Heute ist die hohe Startnummer sicher ein Nachteil.» Und: «Ich darf zu Beginn nicht zu viel Zeit verlieren.»

Seine Aussagen klingen harmlos und nach dem Rennen gar weitsichtig. Entscheidend aber war die Haltung, mit der Cologna offenbar seinen zweiten Anlauf Richtung Gold anging. Statt bedingungslos an den Sieg zu glauben, redete er schon vor dem Start von möglichem Nachteil. Als er nach der ersten Zwischenzeit bei 1,5 km bereits rund elf Sekunden im Rückstand lag, sah er seine Zweifel bestätigt – und resig­nierte, als er trotz harter Arbeit in den folgenden Minuten weitere Sekunden einbüsste. Damit war der Favorit geschlagen, längst bevor er mit ­Northug und Halfvarsson auslief.

Dagegen zeigte allen voran der Franzose Maurice Magnificat, dass sich mit hoher Startnummer auch bei dieser Loipe sehr wohl schnell laufen liess. Er startete nur wenige Minuten vor Cologna, wurde Zweiter und sagte danach: «Der Wille war heute bei diesen schwierigen Bedingungen entscheidend.»

Olsson im Champion-Modus

Mit der Haltung eines Champions ging der spätere Weltmeister Johan Olsson ins Rennen. Dass er bereits als 17. in den Wettkampf durfte, war wohl ein Vorteil. Aber: Den ganzen Dezember war der 34-jährige Schwede wegen einer Viruserkrankung ausgefallen, entschied sich dann, sein Programm radikal umzustellen und alles auf diese Heim-WM auszurichten. Die letzten sieben Wochen verbrachte er fern von Frau und Kindern, stets befeuert vom Gedanken, vor Heimkulisse in seiner letzten Saison reüssieren zu können.

Olsson wollte diesen Sieg trotz gewichtigem Nachteil mit aller Konsequenz. Besser trainiert als seine Gegner konnte er nach dieser Vorbereitung nicht sein. Dario Cologna hingegen spielte auf Olssons vermeintliches Glück an, indem er nach dem Rennen sagte: «Offensichtlich muss man einfach den Weltcup auslassen, damit man an der WM eine frühe Startnummer bekommt.»

So verständlich sein Ärger, so falsch sein Denkansatz: Das Hauptproblem befand sich zwischen seinen Ohren. Die gute Nachricht aber lautet, dass sich diese Enttäuschung keineswegs auf seinen abschliessenden WM-Einsatz in Falun über die 50 km auswirken muss. Cologna zweifelt schliesslich weder an seiner Form noch an seiner Haltung. Zudem starten am Sonntag alle gleichzeitig, werden also die gleichen Bedingungen vorfinden. Das bedeutet aber auch: Eine gleiche Argumentation ist für Dario Cologna dann nicht mehr möglich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2015, 22:57 Uhr

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