Cologna und die Entwicklungshelfer

Heute beginnt die Tour de Ski – Norwegische Trainer prägen das Schweizer Team.

Mit einer Ausnahme wurde Dario Cologna stets von Norwegern gecoacht.

Mit einer Ausnahme wurde Dario Cologna stets von Norwegern gecoacht. Bild: Keystone

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Wenn sich Dario Cologna über die Weltcupstrecken quält, treiben ihn seine Betreuer oft auf Deutsch an. Mit einem unüberhörbaren norwegischen Akzent. Der Schweizer Spitzenlanglauf wird zurzeit von Gastarbeitern aus dem Mutterland des Traditionssports geprägt: Teammanagerin und Trainerin des Langdistanzteams um Dario Cologna ist Guri Hetland (36). Berater dieser Gruppe, früherer Nationalcoach der Schweizer und Privattrainer Colognas ist Fredrik Aukland (32). Guri Hetlands Mann Tor Arne (36), Langlauf-Olympiasieger im Sprint von 2002, führt die helvetische Sprintequipe, die er mit Trond Nystad von einem Norweger übernahm.

Aukland brachte Selbstvertrauen

Die Bedeutung norwegischer Trainer zeigt sich exemplarisch an Cologna. Ausser dem Schweizer Berti Manhart, der ihn dafür in den entscheidenden Jahren zwischen 16 und 22 betreute, coachten stets Norweger den 24-jährigen Bündner. «Norwegen verfügt über viel mehr gute Trainer als wir Schweizer», benennt er einen simplen, aber wichtigen Grund. Schliesslich ist Langlaufen in Norwegen eine der Topsportarten mit entsprechend vielen Coachs, welche die Weltbesten form(t)en. Dieses Selbstvertrauen brachte vor allem Aukland mit in die Schweiz: «Ihr braucht euch vor niemandem zu verstecken», war eine seiner zentralen Botschaften an seine Schützlinge. Nach seinem Abgang als Schweizer Distanztrainer im letzten Winter verpflichtete Disziplinenchef Hippolyt Kempf mit Inge Braten einen weiteren Norweger. Kontinuität in der Trainingsphilosophie war Kempf wichtig, weil ein System erst nach drei bis fünf Jahren ausgereizt und danach Zeit für ein Wechsel sei, begründet er.

Wobei sich gerade am 62-jährigen Braten, der 13 Olympiatitel als Trainer sammelte, offenbart: Ein exzellenter Ruf bringt noch keinen Erfolg. Schon nach fünf Monaten musste Braten im Oktober demissionieren – die Athleten hielten seinen Ansatz für veraltet. Vereinfacht formuliert, basiert die klassische norwegische Schule auf zwei Grundpfeilern: auf sehr vielen langsamen Einheiten, aufgelockert mit einigen wenigen schnellen pro Woche. Die Anforderungen aber haben sich im Langlaufen verändert.

Die Taktik wurde wichtiger

Die Tour de Ski, die heute in Oberhof (D) beginnt und am 9. Januar im Val di Fiemme (It) endet, ist dafür ein idealer Beleg: 7 der 8 Wettkämpfe sind Handicap- oder Massenstartrennen. Die Entscheidungen fallen oft erst auf den letzten (Kilo-)Metern. Taktik und Endschnelligkeit nach Vorermüdung wurden wichtiger und führten zu anderen Anforderungen in der täglichen Arbeit. Sie werden mit zahlreichen schnellen Trainings, solchen im sogenannten Schwellenbereich sowie spezifischen Krafteinheiten zu erreichen versucht. Die Athleten um Cologna hielten Bratens Ansatz für zu rückwärtsgewandt. Was Braten allerdings mit Fredrik Aukland eint: Beiden ist der mündige Athlet wichtig. «Dario weiss inzwischen selber genau, wann er welche Trainings braucht», sagt Aukland, der beim vierten Rennen der Tour in Oberstdorf zur Schweizer Equipe stösst.

Aukland sieht seine Entwicklungshilfe und diejenige seiner norwegischen Kollegen primär als vorletzte Stufe eines Zyklus. Dieser soll darin gipfeln, dass der Schweizer Spitzenlanglauf dank des ausländischen Trainerwissens dereinst von einheimischen Topcoachs geführt werden kann. Mittelfristig aber wird man weiterhin viel norwegisches Deutsch hören. Einem Dario Cologna bekommt es gut. Der Gewinner der Tour de Ski von 2009 sagt zur Frage, was er von sich bei der fünften Austragung erwartet: «den Gesamtsieg».

Erstellt: 31.12.2010, 12:51 Uhr

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