Colognas Schlüsselrennen vor der Haustür

Am 1. Januar macht die Tour de Ski zum ersten Mal in der Schweiz halt. Der Sprint in Tschierv ist dabei nur 500 Meter von Dario Colognas Elternhaus entfernt – übernachten wird er trotzdem nicht dort.

Wird bei der Tour de Ski voll angreifen: Dario Cologna.

Wird bei der Tour de Ski voll angreifen: Dario Cologna. Bild: Keystone

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Schon während der Saisonvorbereitung hatte sich Dario Cologna unmissverständlich dahin gehend geäussert, dass für ihn heuer die WM oberste Priorität geniesse. Für den Bündner geht es Ende Februar im Val di Fiemme darum, die letzte Lücke in seinem eindrücklichen Palmarès mit WM-Gold zu schliessen. Obschon vor allem das Abschneiden an den Welttitelkämpfen darüber entscheidet, ob er im Frühjahr auf eine weitere erfolgreiche Saison zurückblicken darf oder nicht, lässt der 26-Jährige keine Zweifel bezüglich des Stellenwerts der Tour de Ski aufkommen.

Auch in einer WM-Saison ist die Faszination der weltbesten Langläufer für das Etappenrennen, das erstmals in der Saison 2006/07 ausgetragen wurde, ungebrochen gross. «Ich gehe ins Rennen, um meinen Titel an der Tour de Ski zu verteidigen. Dies ist das Ziel», sagte der dreifache Gesamtweltcup-Sieger vor Weihnachten ohne Umschweife. Gleichwohl will er den Titel-Hattrick nicht auf Biegen oder Brechen erzwingen. Sollte ein gesundheitliches Problem auftreten, werde er mit Blick auf die WM nicht alles riskieren.

Optimale Vorbereitung

Obschon Cologna in dieser Weltcup-Saison noch keinen Sieg erringen konnte und für seine Verhältnisse bislang eher diskret in Erscheinung trat, zählt der derzeit kompletteste Langläufer zum engsten Favoritenkreis. Nach Ansicht des Münstertalers gehören diesem auch der Norweger Petter Northug sowie die russischen Läufer um Maxim Wylegschanin und Alexander Legkow an. Ebenfalls nicht ausser Acht gelassen werden dürfen Marcus Hellner (Sd) und Alexei Poltoranin (Kas).

Die Voraussetzungen, um an vorderster Front um den vierten Tour-de-Ski-Sieg nach 2009, 2011 und 2012 kämpfen zu können, sind für Cologna bestens. Er ist überzeugt, sich auf dem gleichen Niveau wie vor Jahresfrist bewegen zu können. In der Woche vor Weihnachten hat der Titelverteidiger nochmals in die Grundlagenausdauer investiert. «Was wir selbst steuern konnten, nämlich die Vorbereitung, ist wie gewünscht verlaufen. Was die Konkurrenten machen, können wir nicht beeinflussen», sagte die Schweizer Cheftrainerin Guri Hetland.

Das Schweizer Team, dem an der Tour de Ski neben Cologna auch Jonas Baumann, Remo Fischer, Roman Furger, Toni Livers, Curdin Perl und Laurien van der Graaff angehören, brach heute frühmorgens in Richtung Oberhof auf. In Thüringen erfolgt wie in den vergangenen fünf Jahren der Start des Etappenrennens. Am Neujahrstag steht für Cologna mit der Skating-Sprintprüfung im Münstertal ein Heimrennen an, ehe der Tross ins Südtirol nach Toblach disloziert. Der finale Schauplatz ist traditionell die WM-Region Val di Fiemme mit dem Aufstieg zur Alpe Cermis als krönendem Abschluss am 6. Januar. Da im Vergleich zum Vorjahr weniger Teilstücke auf dem Programm stehen, dürften die Spitzenläufer bis zur Königsetappe von Cortina nach Toblach eng beisammenliegen.

Obschon sich die 700 Meter lange Loipe in Colognas Heimatdorf Tschierv in unmittelbarer Nähe zu seinem Elternhaus befindet, wird er im Münstertal mit dem Schweizer Team im Hotel übernachten. Nach den ersten beiden Rennen ergibt sich so für Cologna die Gelegenheit, eine Nacht im eigenen Bett in Davos zu verbringen. «Das bringt dann ein bisschen Ruhe», freut sich der Bündner.

Norwegens Sehnsucht

Dass ausgerechnet Norwegen, die Langlaufnation schlechthin, nach mittlerweile sechs Anläufen sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen an der Tour de Ski noch nie triumphieren konnte, gehört zu den erstaunlichsten Tatsachen in der Geschichte des nordischen Skisports. Die Tour de Ski stelle für ihn die grössere Motivation als der Gewinn weiterer WM-Titel dar, liess Petter Northug deshalb verlauten. Vor Jahresfrist hatte der Norweger die Tour de Ski während der 32 Kilometer von Cortina nach Toblach verloren, als er vom Tempo Colognas überfordert war. Heuer hinterliess Northug keinen derart dominanten Eindruck wie zu Beginn der letzten Saison.

Bei den Frauen mussten die Norweger kurz vor Weihnachten einen herben Rückschlag hinnehmen. Marit Björgen, die in dieser Weltcup-Saison bei allen ihrer vier absolvierten Rennen als Siegerin hervorgegangen war, musste aus gesundheitlichen Gründen auf eine Teilnahme verzichten. Der Polin Justyna Kowalczyk, der Gesamtweltcup-Führenden, bietet sich die Chance, die Tour de Ski zum vierten Mal in Folge zu gewinnen.

Das Programm der Tour de Ski 2012/2013

Samstag, 29. Dezember, in Oberhof (De): Prolog, Männer 4 km, Frauen 3 km (freie Technik).
Sonntag, 30. Dezember, in Oberhof: Verfolgung, Männer 15 km, Frauen 9 km (klassische Technik).
Dienstag, 1. Januar, in Tschierv (Münstertal): Sprint, Männer und Frauen 1,4 km (freie Technik).
Donnerstag, 3. Januar, in Toblach (It): Verfolgung, Männer 35 km, Frauen 15 km (freie Technik).
Freitag, 4. Januar, in Toblach: Männer 5 km, Frauen 3 km (klassische Technik).
Samstag, 5. Januar, im Val di Fiemme (It): Männer 15 km, Frauen 10 km (klassische Technik, Massenstart).
Sonntag, 6. Januar, im Val di Fiemme: Verfolgung, Männer und Frauen 9 km (freie Technik, Ziel auf Alpe Cermis).
(si)

Erstellt: 27.12.2012, 10:26 Uhr

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