«Das Engagement für Geparden hat mich geerdet»

Anna Fenninger (25) wurde vergangenen Winter Olympiasiegerin, sie gewann den Gesamtweltcup und ist momentan das Mass aller Dinge in ihrem Sport. Heute kann sie in Aspen den sechsten Weltcup-Riesenslalom in Folge gewinnen.

Schön und erfolgreich: Die Österreicherin Anna Fenninger gewann 2014 Olympiagold und den Gesamtweltcup.

Schön und erfolgreich: Die Österreicherin Anna Fenninger gewann 2014 Olympiagold und den Gesamtweltcup. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ist das Leben für eine Skifahrerin in Österreich als Olympiasiegerin und Gewinnerin des Gesamtweltcups einfacher?
Was heisst «einfacher»?

Lockerer, angenehmer, schöner?
Diese Erfolge sind vor allem für mich schön, sie sind eine Bestätigung der Arbeit über viele Jahre, für den Kampf, die Trainingseinheiten, für den Weg, den ich gehe. Ich habe meine Ziele erreicht, das ist eine grosse Genugtuung. Aber für Österreich hat sich dadurch nichts verändert.

Ausser dass die Erwartungshaltung der Skifans an Sie gestiegen ist.
Das ist klar. Wenn ich meine Arbeit weiter so mache wie bisher, ist das nicht so schlimm.

Sie können in Aspen den sechsten Riesenslalom in Folge gewinnen, damit wären Sie die erste Österreicherin, der das gelingt. Was bedeuten Ihnen solche Bestmarken?
Sie gehören zum Job, aber ich beschäftige mich damit nicht. Wenn ich im Starthaus stehe, ist es so wie immer.

Ein solcher Rekord könnte Sie stolz machen.
Mich machen schon die bisherigen fünf Siege in Serie sehr stolz.

Als Sie 2008 Junioren-Weltmeisterin im Riesenslalom wurden, waren Viktoria Rebensburg, Tessa Worley, Tina Weirather und Lara Gut unter den ersten acht.
... stimmt, und die sind alle heute noch ganz vorne mit dabei ...

... hilft es in der Entwicklung, wenn man in einer solch starken Generation aufwächst?
Auf jeden Fall. Man trifft zwar in diesem Alter nicht regelmässig auf Fahrerinnen anderer Nationen, aber die Rennen, die es gab, an die habe ich mich immer erinnert: Wie stark die anderen sind, wie schwierig es ist, mitzuhalten. Das hat mich zusätzlich angetrieben, ich wusste, dass ich nicht nachlassen darf.

Dennoch gab es nach ihrem beeindruckenden Aufstieg, vor etwa fünf Jahren, einen Stillstand in der Entwicklung. Was ist damals passiert?
Es war ein Reifeprozess. In jungen Jahren war ich schon sehr gut, habe mich dann ein wenig allein gelassen gefühlt und musste erst entdecken: Wer bin ich eigentlich, will ich das alles? Ich musste diese Fragen, die man im Leben immer wieder gestellt bekommt, beantworten, ehe es auch beim Skifahren wieder funktionierte. Aber diese Zeit hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

«Allein gelassen» – von wem?
Nicht von meiner Familie, die war immer für mich da. Aber sonst hat mir im ganzen Skizirkus der Rückhalt gefehlt, ich kam mit so vielen Sachen nicht klar, und niemand konnte mir weiterhelfen.

Nun haben Sie ein Niveau im Skifahren erreicht, das einige Aufgaben neben dem Sport mit sich bringt. Beim Fotoshooting für das «Sport Magazin Ladies» trugen Sie Schuhe mit beängstigend hohen Plateausohlen. Ihre Trainer werden nicht begeistert gewesen sein.
(lacht) Das nützt ja nichts, ich machs trotzdem. Aber keine Sorge, mit diesen Schuhen würde ich nicht herumlaufen.

Machen solche Shootings Spass, oder ist es halt Teil des Business?
Am Anfang hat es Spass gemacht. Man bekommt diese Gelegenheit schliesslich nicht geschenkt, dass Profifotografen schöne Bilder machen und man diese Aufnahmen in Magazinen anschauen kann. Und auch wenn es mittlerweile zum Job gehört, auch wenn manche Shootings sehr anstrengend sind: Das Ergebnis stimmt mich immer zufrieden, und es ist ein weiterer Lohn für meine Arbeit – hätte ich keinen Erfolg, würde sich niemand für die Bilder interessieren.

Und diese Erfolge sind auch wichtig für Ihr grosses Anliegen: den Schutz der Geparden.
Das stimmt, für den Cheetah Conservation Fund setze ich meinen Namen sehr bewusst ein. Ich liebe Tiere, Geparden faszinieren mich speziell, sie dürfen nicht aussterben.

Wie wichtig war für Sie als Skirennfahrerin beim Engagement das Image der Geparden als schnelle, elegante Raubkatzen? Oder hätten es auch Schildkröten sein können?
Alles, was ich in meinem Leben tue, tue ich aus einem bestimmten Grund. Nur dann kann ich es richtig machen. Klar hat es eine Rolle gespielt, dass Geparden die schnellsten an Land lebenden Tiere sind. Aber ich kann wirklich sagen, dieses Engagement hat mir für mein Leben enorm viel gebracht, und auch wenn ich es nicht wirklich erklären kann: Es hat mich geerdet, ich spüre mich dadurch besser. Ob das mit Schildkröten auch geklappt hätte... ich weiss es nicht.

Sie sind Olympiasiegerin, Weltmeisterin, haben den Gesamtweltcup gewonnen. Können Sie Ihre Landsfrau Petra Kronberger verstehen? Sie war noch zwei Jahre jünger als Sie, als sie zurücktrat?
Ja.

Heisst das ...
... nein, das heisst nicht, dass ich mit ähnlichen Gedanken spiele. Ich habe mir immer vor Augen gehalten, was ich erleben kann, weil ich Skifahrerin sein darf. Und das war mir stets wichtiger als alles, was drumherum passiert.

Erstellt: 28.11.2014, 17:23 Uhr

Artikel zum Thema

«Es war traumhaft»

Olympiasiegerin Dominique Gisin machte in Aspen eine Pistenbesichtigung der besonderen Art. Mehr...

Shiffrin und Fenninger siegen zeitgleich

Der erste Riesenslalom der Saison bringt gleich zwei Siegerinnen hervor: Anna Fenninger und Mikaela Shiffrin stehen in Sölden zuoberst auf dem Podest. Michelle Gisin sorgt derweil für den einzigen Schweizer Lichtblick. Mehr...

Anna Fenninger krönt grossartige Saison

Anna Fenninger holt nach dem Sieg im Gesamtweltcup auch die kleine Kristallkugel im Riesenslalom. Auf der Lenzerheide siegt sie 0,33 Sekunden vor Eva-Maria Brem. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Blogs

Never Mind the Markets Die Inflation wird überschätzt

Mamablog Freiwillige Kinder vor!

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...