Das Leben ist kein Dauererfolg

Warum Dario Cologna mit der Saison auch ohne Gold zufrieden sein darf.

Die positiven Ausreisser haben in Dario Colognas Saison gefehlt. Foto: Gepa

Die positiven Ausreisser haben in Dario Colognas Saison gefehlt. Foto: Gepa

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Die Weltcupsaison endete, wie es sich die weltbesten Langläufer gewünscht hatten: mit Kaiserwetter am Holmenkollen, Zehntausenden begeisterten Zuschauern entlang des Hausbergs von Oslo, dazu die Königsdistanz 50 km, ausgetragen in diesem Jahr in der Skatingtechnik. Dario Cologna prägte den Klassiker auf den letzten zehn Kilometern mit einem Tempolauf, der ihn in einem Fotofinish auf den zweiten Platz brachte – zeitgleich mit Sieger Sjur Röthe (No). Der Wahldavoser verabschiedete sich stark in die Pause, obschon für ihn noch ein oder zwei Einsätze in der Schweiz anstehen werden. Mehr als ein zügiges Auslaufen aber bedeuten sie nicht.

Trotzdem steht dieser zweite Rang – die Amerikaner nennen ihn «the first place loser» – sinnbildlich für Dario Colognas WM-Saison. Der Höhepunkt endete in Falun mit Silber statt eines Titels, im restlichen Winter fehlten herausragende Leistungen mehrheitlich. Wer Cologna darum an den Resultaten der letzten sieben Weltcupjahre beurteilt, stellt einen Rückschritt fest (siehe Grafik). Am offensichtlichsten fällt dieser im Vergleich zum Jahr 2011/12 aus, als sich der Bündner 20-mal in den Top 3 zu klassieren vermochte. 2014/15 schaffte er sieben solcher Spitzenplätze. Darum weiss Cologna natürlich, weshalb er zu seiner Saisonbilanz sagt: «Die positiven Ausreisser früherer Jahre haben mir weitestgehend ­gefehlt.»

Die rätselhafte Schwäche

Hinzu kommt: Nie war er im Sprint schwächer als in den vergangenen Weltcup-Wochen. Cologna verpasste die Viertelfinal-Qualifikation in allen fünf Einsätzen. Dass er mit einem Formdefizit in die Saison gestartet war, nahm er gelassen hin. Dass er, an sich ein schneller Athlet, dieses Manko auf der kürzesten Distanz nicht mehr aufholen konnte, macht ihn nachdenklich. Schliesslich verbesserte er seine Form in den langen Rennen mit den Wochen sukzessive. Die Diskrepanz kann er sich nicht erklären, sagt nur: «In dieser Hinsicht habe ich Klärungsbedarf.» Gleichzeitig ist er irritiert, wie kritisch seine Leistungen zuletzt in den Medien dargestellt wurden. «Zweite Plätze galten praktisch als Niederlagen.» Dass er in den vergangenen sieben Jahren mit seinen zahlreichen Erfolgen massgeblich dazu beigetragen hat, anerkennt er.

Dennoch findet Cologna, dass selbst eine so erfolgreiche Karriere wie seine nicht ständig besser werden kann. Er hat recht. Die Fixierung auf Resultate erfasst das Geleistete eines Athleten über einen längeren Zeitraum ungenügend. Ansonsten hätte Cologna nach seinen zwei Olympiatiteln von Sotschi 2014 umgehend zurücktreten müssen. Er wird diesen Coup schliesslich kaum mehr überbieten können.

Dario Cologna präsentiert sich dieser Tage darum als reifer Athlet, wenn er diese gefährliche Maxime des Spitzensports hinterfragt. Sie besagt: Nur wer immer besser wird, ist gut genug. Natürlich will ein Topsportler möglichst oft siegen. Das würde auch Cologna gern. Mit seinen 29 Jahren aber ist er so erfahren, dass er diese Hatz nach ersten Plätzen richtig einordnen kann.

Der hohe Anspruch bleibt

Darum interpretiert er seinen resultatmässig leichten Rückschritt auch anders – als logischen Teil eines ohnehin schon besonderen Lebens. Es wäre wahrlich mirakulös bis irritierend, würde seines nur aus einer Abfolge an Höhepunkten bestehen.

Colognas Einsicht bedeutet hin­gegen keineswegs, dass er in den kommenden Monaten nun die Beine hochlagern wird. Nach seinen Ferien im April will er den Sommer ideal nutzen, um zu alten Glanzzeiten zurück zu finden. Seinem hohen Anspruch, der beste Langläufer der Welt zu sein, will er schliesslich auch als reifer Athlet gerecht werden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.03.2015, 20:48 Uhr

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