Der Gaudibursch

Der Österreicher Hannes Reichelt gewann am Sonntag die Abfahrt von Wengen und im Vorjahr jene von Kitzbühel.

Mehr als nur gute Laune und Heiterkeit: Hannes Reichelt. Foto: Getty Images

Mehr als nur gute Laune und Heiterkeit: Hannes Reichelt. Foto: Getty Images

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Diesem Burschen kann man eigentlich nicht böse sein. Nicht einmal, wenn er am Lauberhorn in der Abfahrt mit einer ganz frechen Fahrt einen Schweizer Dreifachsieg verhindert. So geschehen am vergangenen Sonntag: Hannes Reichelt fuhr schneller als das heimische Triumvirat Feuz, Janka, Küng. Und als eine Schweizer Zeitung am Tag danach auf einem Bild nur Feuz und Janka zeigte und darunter in launiger Stimmung schrieb, dass wenigstens hier ein gewisser Reichelt nicht störe, bekam genau dieser Reichelt Entschuldigungsmails von Schweizer Skifans.

Reichelt, 34 Jahre alt, ist das perfekte Beispiel für diese Art von Mitmensch, die der Österreicher einen «Gaudiburschen» nennt. Ein lustiger Zeitgenosse, immer für einen Schmäh zu haben, aber kein Freund des derben Stammtischwitzes, Reichelt pflegt den feinen Humor. Auf die Frage nach der Gefährlichkeit der Abfahrt auf der Streif in Kitzbühel, antwortete er: «Die zeigt sich daran, dass es genau zwei Stellen gibt, an denen man ohne Gefährdung der Gesundheit stürzen darf: am Start und im Ziel.»

Sein Lächeln verliert Reichelt nicht einmal nach einer Enttäuschung wie dem gestrigen Super-G auf der Streif. Da hatte er als 24. beim Material offensichtlich danebengegriffen. «Das kann passieren», sagte er gelassen, «ich muss mir zuerst auf dem Video anschauen, was genau da los war.» Macht er, der schliesslich den Sieg vom Vorjahr verteidigen will, sich Sorgen für die Abfahrt von heute? «Geh weiter», antwortet Reichelt. «Für das Rennen hab ich alles beisammen, mach dir keine Sorgen.»

Mehr als nur Heiterkeit

Hinter dem stets verschmitzt wirkenden Gesicht verbirgt sich aber viel mehr als nur gute Laune und Heiterkeit. Reichelt engagiert sich stark in der Forschungsstiftung «Wings for Life», die sich mit der Heilung von Querschnittslähmungen befasst. Animiert zur Mitarbeit wurde Reichelt von Reinhold Sampl, der ebenfalls aus dem Salzburgerland stammt und dessen Skikarriere mit 24 Jahren nach einem Trainingssturz jäh endete, seither sitzt Sampl im Rollstuhl. «Da muss man gar nicht lange überlegen, ob man so ein Projekt unterstützt», sagte Reichelt zu seiner Tätigkeit als offizieller Botschafter.

Reichelt braucht ein funktionierendes Umfeld. «Es ist mir wichtig, dass die anderen Skifahrer mich mögen, dass sie mich nicht für arrogant halten», sagt er. In der Freizeit ist er am liebsten bei Freundin Larissa in Innsbruck oder daheim in Radstadt. «Da wohnen immer noch alle meine Freunde», erzählt er, «da kenne ich jeden noch so kleinen Weg, wenn ich mit meinem Trial-Motorrad unterwegs bin». Und so oft es geht, bläst Reichelt das Horn in der Stadtkapelle Radstadt, wo Vater Johann Dirigent ist.

Das klingt alles so furchtbar normal. Und so ist Reichelt sozusagen die Antithese zur verbreiteten Überzeugung, dass einer spinnen muss, wenn er Jahr für Jahr seine Angst überwindet und mit mehr als Tempo 100 die furchterregende Streif hinunterrast. Reichelt liebt das Tempo, aber er sagt auch: «Ich schaue gerade auf dieser Strecke schon ganz genau, wo das Risiko am grössten ist, und da gehe ich dann sicher nicht ans Limit.» Er stutzt und fügt an, dass seine Trainer diese Aussagen vermutlich nicht sehr gerne hören. «Aber», sagt er, «die müssen da ja auch nicht herunterfahren». Und er lacht so richtig herzhaft.

Erstellt: 24.01.2015, 09:05 Uhr

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