Der Mann aus New Hampshire

Er war verletzt, aber jetzt will der US-Skifahrer Bode Miller an der Heim-WM unbedingt Gold.

Aus diesem Holz sind amerikanische Vorbilder geschnitzt: Bode Miller als Drittplatzierter auf dem Podest in Kitzbühl im Januar 2014. Foto: Leonhard Foeger (Reuters)

Aus diesem Holz sind amerikanische Vorbilder geschnitzt: Bode Miller als Drittplatzierter auf dem Podest in Kitzbühl im Januar 2014. Foto: Leonhard Foeger (Reuters)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dieser Typ ist so verdammt gut drauf. Bode Miller ist ein Spieler, und als er an der Pressekonferenz bei der Ski-WM am Montag derart gelassen, fast schon desinteressiert da sass und Auskunft gab, da war klar: Er ist wieder da. Drei Monate nach seiner komplizierten Rückenoperation hat er zwar noch kein Weltcuprennen bestritten, aber er wittert den Coup an der Heim-WM in Vail/Beaver Creek: «Wenn mein Chefcoach Sasha Rearick mich im Super-G am Mittwoch aufstellt, werde ich versuchen, zu gewinnen.»

Solche Sätze werden daheim in den USA fast schon gottesfürchtig aufgenommen. Im Land der selbst ernannten Helden ist vornehme Zurückhaltung kein Gut, sondern Schwäche. Einer wie Miller ist wie gemacht für das Selbstverständnis: Probier es, tu alles, dass es klappt, und wenn es doch nicht funktioniert, probier es halt das nächste Mal. Aus diesem Holz sind amerikanische Vorbilder geschnitzt, wie der einst belächelte Sturzpilot, aus dem der erfolgreichste US-Skifahrer der Weltcupgeschichte wurde.

Als Miller auf dem Podium sass, erinnerte er sich an die Ski-WM 1999 in Vail. Er selbst war mit 21 Jahren der junge Wilde, dem der Spass wichtiger war als das solide Ankommen im Ziel, und der damit eine ganze Generation um Fahrer beeinflusst hat. Miller hatte vor der WM als Vierter im Slalom am Lauberhorn aufhorchen lassen, «aber dass ich in Vail tatsächlich Achter wurde, das war auch für mich erstaunlich», sagte er. Er lächelte dabei, als laufe ein Film des damaligen Wettkampfs ab, «mein zweiter Lauf war extrem gut, ich bin 30-mal fast ausgeschieden und doch unten angekommen». Doch in erster Linie blieb ihm von 1999 etwas anderes. Die Namen der damaligen Helden: Lasse Kjus und Hermann Maier, beide wurden Doppelweltmeister, im Super-G lagen sie gemeinsam auf Rang 1, Kjus wurde dazu dreimal Zweiter. «Es war faszinierend, sie so nah beobachten zu können», sagte Miller. «Dieser Fokus, diese mentale Stärke. Ich realisierte: Wenn du ihnen folgen willst, musst du genau diesen unbändigen Willen haben.»

«Live free or die»

Jetzt hat er sich nach seiner Rückenoperation zurückgearbeitet. Mit einer Geduld, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Dem Freigeist, der das Motto seines Heimatstaates New Hampshire so demonstrativ lebt: «Live free or die.» In Freiheit leben oder sterben. In Kitzbühel zeigte er auf der Streif ein sackstarkes Training, diesen Sieg will er wie wenig sonst in seinem Sportlerleben. Aber er verzichtete auf das Rennen. «Ich habe in Wengen und Kitzbühel gemerkt, dass ich wieder aggressiv fahren kann», sagte er, «das war der letzte Schritt auf dem Weg nach Beaver Creek.»

Hat er eine Mission? Zumindest nicht für andere, das ist nicht Millers Stil. Er hat einfach die ganz grosse Lust, daheim eine Goldmedaille zu holen. Bevor er brav ankündigte, dass er das Rennen gewinnen wolle, wenn ihn sein Cheftrainer denn aufstellen möge, hatte er gesagt: «Ich hab zwar nicht die Befugnis zu entscheiden, aber ich werde Super-G und Abfahrt bestreiten.» Das ist unser Bode, der Mann, der Regeln bricht. Ist doch egal, wer unter ihm Cheftrainer ist.

Live free or die.

Erstellt: 03.02.2015, 18:40 Uhr

Artikel zum Thema

«Dieser Berg saugt dich leer»

Bode Miller kämpft nach seiner Rückenoperation um den Anschluss. In Wengen wagt er sich erstmals wieder auf die Abfahrtspiste, allerdings nicht so, wie er sich das erhofft hat. Mehr...

Vaterglück bei Bode Miller

Sport kompakt +++ Tiger Woods kämpft sich zurück +++ Warriors mit neuem NBA-Clubrekord +++ Björgen brilliert +++ Mehr...

Bode Miller unterzieht sich Rückenoperation

Ski alpin Ski-As Bode Miller (37) wird in seiner Heimat am Rücken operiert. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Sweet Home So geht Gastfreundschaft

Geldblog Vifor bleibt eine Wachstumsgeschichte

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...