Beat Feuz: Der Mann, der kein Wunder braucht

Beat Feuz ist in der Lauberhornabfahrt die Schweizer Hoffnung. Die anderen müssen auf die Wirkung des Wunderbergs hoffen.

Unerschütterlich wie das Lauberhorn: Beat Feuz während eines Interviews. (Foto: Urs Jaudas)

Unerschütterlich wie das Lauberhorn: Beat Feuz während eines Interviews. (Foto: Urs Jaudas)

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Das Lauberhorn, der Wunderberg. Wengen, der Kraftort. So war das für die Schweizer Abfahrer oft in der Vergangenheit. Es konnte für sie noch so schlecht laufen bis zu diesem Rennwochenende Mitte Januar: Auf den sagenumwobenen Hang, eingebettet in die mächtige Berglandschaft von Eiger, Mönch und Jungfrau, war Verlass.

Mit Didier Défago, Carlo Janka, Beat Feuz und Patrick Küng stellen sie vier der letzten acht Sieger, hinzu kommen vier weitere Podestplätze. Das widerspiegelt die tatsächlichen Kräfteverhältnisse auf den Abfahrtspisten der letzten Winter nicht unbedingt. Und als sich 2015 gleich sieben Einheimische in den ersten zwölf klassierten und nur Hannes Reichelt einen Dreifachsieg verhinderte, war das eine Mannschaftsleistung, wie es sie seit zweieinhalb Jahrzehnten nicht mehr gegeben hatte. Das Lauberhorn, der Wunderberg.

Dieser müsste auch heute seine volle Kraft entwickeln, sollte es zu einem ähnlichen Resultat kommen. Ein Sieg aber käme nicht so überraschend wie manch ein Triumph in den Vorjahren.

Unerschütterlich wie der Berg

Das liegt an Beat Feuz, unerschütterlich wie das Lauberhorn und gerne mit demselben Prädikat versehen wie sein Lieblingsberg: Ein Wunderfahrer, das ist der 30-Jährige aus Schangnau im Emmental für viele. Ein Dutzend Operationen an seinem linken Knie hat er über sich ergehen lassen, einem Kreuzbandriss, einem Teilabriss der Achillessehne und Gesichtslähmungen getrotzt; er hat sich zurückgekämpft, Mal für Mal. Ein Weg, einzigartig, und seit Februar gar vergoldet dank der WM-Abfahrt in St. Moritz.


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Feuz ist auch in diesen Winter vorzüglich gestartet: Sieg in Lake Louise, Zweiter in Beaver Creek, Achter in Gröden, Vierter in Bormio. Nach einem Sommer, der ihm so wenige Sorgen bereitete wie keiner seit der folgenreichen Infektion 2012. An manchen Tagen habe er im Training einen Lauf mehr absolvieren können als früher, sagt Feuz. An solchen Dingen hält er sich fest – für andere Fahrer wären es Marginalien. An die Trainingsumfänge seiner Gegner wird er nie mehr herankommen, er weiss das. Aber Feuz weiss auch, dass er das nicht unbedingt braucht, dass er sich auf sein beispielloses Gespür für Unterlage und Piste verlassen kann. Oder wie es ein Speaker bei einer Weltcupabfahrt mit einem etwas missglückten Sprachbild zu umschreiben versuchte: «Der Mann mit Füssen wie ein Klavierspieler.» Von diesem dürfte heute abhängen, ob die Schweizer einmal mehr jubeln können am Fusse des Lauberhorns.

Patrick Küng, Feuz’ Vorgänger als ­Abfahrtsweltmeister und 2014 letzter Schweizer Lauberhornsieger, fehlt derzeit genau das: das Gefühl fürs Skifahren. Mit dem neuen Material seines Ausrüsters kommt der Glarner noch nicht zurecht. Der 9. Platz zuletzt in Bormio war zwar ein Lichtblick für den 34-Jährigen, meist aber komme es ihm vor, als würde er «wie in einem Auto mit platten Reifen in eine Kurve fahren». Und Carlo Janka, der dritte Routinier, startet in Wengen gar nicht erst – an seinem «magischen Ort», wie er ihn nennt. Zu diesem kann er in diesem Jahr für ihn nicht werden. Janka brach sein Comeback nach zwei Fahrten ab. Nach dem Ende Oktober erlittenen Kreuzbandriss, den er ohne Operation zu überwinden sucht, sah er sich zum einen nicht imstande, um Spitzenplätze zu kämpfen, und damit – zum anderen – in Gefahr, seinen geschützten Verletztenstatus aufs Spiel zu setzen. Ein Rennen pro Disziplin darf er bestreiten, ohne dass dieses in die Wertung aufgenommen wird und er seine Startposition verlieren würde. Wäre das Experiment Wengen nicht geglückt, wäre der Bündner bereits bei der nächsten Abfahrt stark unter Druck gewesen.

Bleibt die zweite Reihe der Schweizer Abfahrtsgilde um Mauro Caviezel, Marc Gisin und Gilles Roulin. Alle haben schon bewiesen, dass sie gut sind für Spitzenresultate. Diese kommen aber noch immer Exploits gleich. Vielleicht richtet es für sie ja das Lauberhorn, der Schweizer Wunderberg.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2018, 21:51 Uhr

Das Wetter

Show unter stahlblauem Himmel

Vergeblich reckten die Fans auf der Tribüne gestern im Zielstadion ihre Handykameras in die Höhe: Die Patrouille Suisse war auf ihrem Trainingsflug über dem Lauberhorn zwar zu hören, aber nicht zu sehen. Tief hängende Wolken versperrten den Blick. Überhaupt war das Wetter wenig postkartenreif: Während des Slaloms zog hartnäckiger Nebel in den Hang.

Für Samstag dürften die Organisatoren in Wengen und die zu Tausenden anreisenden ­Zuschauer aber belohnt werden: Nach einer kalten Nacht mit Temperaturen bis –17 Grad rechnen die Meteorologen mit Sonnenschein den ganzen Tag über. Der Blick zum Himmel sollte demnach ungetrübt sein, wenn ab 11.40 Uhr die Patrouille Suisse zusammen mit einem Grossraumflugzeug der Swiss ihre Flugshow zeigt.

Auch der Slalom vom Sonntag wird wohl unter stahlblauem Himmel stattfinden. (wie)

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