Der Stolz der alten Hasen

Elisabeth Görgl (Ö) gewann den Super-G in Val-d’Isère und ist die älteste Siegerin der Weltcupgeschichte.

Elisabeth Görgl feiert ihren Sieg in Val-d’Isère. Foto: Keystone

Elisabeth Görgl feiert ihren Sieg in Val-d’Isère. Foto: Keystone

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Im Zusammenhang mit Frauen vom Alter zu reden, ist eine ­heikle Sache. In diesem Fall gehen wir davon aus, dass Elisabeth Görgl nicht besonders sauer sein wird. Die Österreicherin gewann in Val-d’Isère 24 Stunden nach Platz 2 in der Abfahrt mit 33 Jahren und 304 Tagen den Super-G und ist damit die älteste Weltcupsiegerin. Sie löst damit ihre Landsfrau Michaela Dorfmeister ab.

Görgl sprach trotzdem lieber über ihr Rennen als über den ­Rekord. Sie sei runder gefahren, als sie eigentlich geplant hatte, «aber vielleicht habe ich damit intuitiv genau das Richtige gemacht». Tatsächlich war es ein schwierig gesteckter Lauf, wer zu viel riskierte, blieb chancenlos, es brauchte bei einigen Kurven die nötige Geduld, die doch auf den schnellen Ski so schwierig zu bewahren ist.

Gefeiert – und kritisiert

Routine hilft in solchen Momenten, Görgl hat davon mehr als die meisten anderen, und sie nutzte diesen Vorteil. Mittlerweile erlebt die Steirerin das in schöner Regelmässigkeit: Es war Görgls dritter Sieg im ­Kalenderjahr 2014, nachdem sie im ­Januar in Zauchensee und Cortina gewonnen hat.

Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil Görgl eigentlich von den meisten ­Beobachtern schon abgeschrieben war. Bei der WM 2011 in Garmisch war sie die strahlende «Lizz» gewesen, durfte die offi­zielle Hymne singen, sie holte Gold in Abfahrt und Super-G, wurde in der Heimat heftig bejubelt. Doch ihr Hochgefühl dauerte nicht allzu lange und fand ein jähes Ende. Kleinere Ver­letzungen warfen sie zurück, die Resultate blieben aus – und schon wurde Görgl wieder ihr Charakter vor­gehalten: Sie weiss genau, was sie will, sie spricht deutlich aus, wenn ihr etwas nicht passt, sie entscheidet auch klar, ob sie mit Medien redet oder eben nicht. Kurz – sie gilt als eher schwierig im Umgang.

Gegen die jungen Wilden

«Die Liebe zum Skisport habe ich aber nie verloren», sagt sie nun. Und sie nahm die Herausforderung der jungen Wilden an, der Fenningers, Guts, Weirathers. Görgl hatte schon im vergangenen Januar erzählt, wie hart sie im Sommer davor gearbeitet habe, «damit ich den missratenen Winter vergessen ­machen kann. Das ist nicht einfach, die Konkurrenz wird immer besser und frecher.» Nach ihren Siegen im Januar erhielt sie damals höchstes Lob von ihrer Konkurrentin Maria Höfl-Riesch: «Es ist gut, dass die Lizz gezeigt hat, dass die alten Hasen das Feld nicht freiwillig räumen.»

Höfl-Riesch ist mittlerweile für das deutsche Fernsehen als Ski-Expertin unterwegs, allerdings war sie bei den Männerrennen in Gröden. Görgl will es weiterhin auf der Piste wissen und freut sich auf die WM im Februar in Vail. Es wird bereits ihre siebte sein. Und sie hat in Beaver Creek die Chance, eine Medaille auf US-Schnee zu gewinnen. Wie ihre Mutter Traudl Hecher – sie wurde 1960 in Squaw Valley Dritte in der Abfahrt.

Erstellt: 21.12.2014, 20:37 Uhr

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