Der emotionale Abschied zweier Olympiasieger

Der Abschied von Dominique Gisin und Didier Défago verlief emotional – das Schweizer Ski-Team verliert zwei Olympiasieger.

Emotionaler Rücktritt: Dominique Gisin erklärt, warum sie die Skis in die Ecken stellt. (Video: SRF)

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Dieser Kampf war für Dominique Gisin nicht zu gewinnen. Als die Abfahrts-Olympiasiegerin gestern in Méribel bei einer stimmungsvollen Medieneinladung im Hangar des kleinen Flughafens ihren Rücktritt auf Ende Saison verkündete, versuchte sie alles, um die Tränen zurückzuhalten. Lange ging es gut, aber als die Engelbergerin die Bedeutung ihrer Familie, ihrer Freunde hervorhob, war alles Ringen um Fassung umsonst. Die Tränen kamen, die Stimme brach, Didier Défago, der ebenfalls über das Ende seiner Karriere gesprochen hatte, tätschelte ihr die Schulter.

Es ist nicht alltäglich, dass zwei Schweizer Olympiasieger den Rücktritt erklären. Swiss-Ski-Präsident Urs Lehmann würdigte «zwei wunderbare Menschen», sie werden nicht nur in sportlicher Hinsicht eine grosse Lücke hinterlassen. «Dominique war eine totale Teamplayerin», sagte Cheftrainer Hans Flatscher, «sie war eine, die den anderen immer Vertrauen gegeben hat, und sie war ein Vorbild, weil sie auch als Olympiasiegerin nichts von ihrer Bescheidenheit eingebüsst hat.»

Sogar Défago kämpfte mit den Tränen

Was gestern in Méribel deutlich wurde: Gisin und Défago sind enorm emotionale Menschen. Gisin konnte und wollte dies nie verhehlen, bei Défago ist das anders. «Ich war immer einer, der sich eher innerlich gefreut und geärgert hat», sagte er, «aber die letzten Tage waren auch für mich speziell.» Dann musste auch er abbrechen, der Walliser war den Tränen der Rührung sehr nahe.

Neben den starken Emotionen sind Gisin und Défago mindestens ebenso stark mit ihren Familien verbunden. Wie wichtig die Eltern waren und sind, wie entscheidend generell ein funktionierendes Umfeld für sie ist, das wurde fast in jedem ihrer Sätze deutlich. «In den letzten Jahren», sagte Défago, «haben mich meine Tochter Alexane (5) und mein Sohn Timéo (3) immer davor bewahrt, die Bodenhaftung zu verlieren.» Ihnen sei es nämlich egal gewesen, ob er zufrieden gewesen sei, weil er gewonnen habe. Sie seien einfach glücklich gewesen, wenn er zuhause war.

Als Dominique Gisin von ihren Gefühlen erzählte, standen Mutter Bea, Vater Beat und Schwester Michelle im Hintergrund, sie waren nicht weniger ergriffen als die älteste Tochter. Am Anfang, sagte Dominique, seien die Eltern die ersten Coaches, dann die ersten Sponsoren, am Ende die grössten Fans. «Und meine Eltern haben alle diese Jobs perfekt ausgefüllt.» Fällt den Eltern der Rücktritt von Dominique leichter, weil sie mit Michelle und Marc noch zwei Kinder im Weltcup haben? «Das kann sein», sagt Bea, «aber der Moment für Dominique stimmt einfach.»

Gisins neue Welt: Flughäfen

Als Défago und Gisin über den Rücktritt sprachen, sahen sie auf der gegenüberliegenden Talseite die Strecke des Weltcupfinals. Als Ort hatte Stefan Hofmänner, der Kommunikationschef des Verbandes, den «Altiport» ausgesucht, den kleinen Flughafen oberhalb von Méribel. Er hatte damit vor allem Gisin einen Herzenswunsch erwiesen, sie steht mitten im Erwerb des Pilotenscheins, schon als sie vor der Pressekonferenz am Altiport ankam und nur zur Start- und Landebahn schaute, wurde ihr Lachen immer breiter. Vater Beat stand daneben und sagte: «Das ist ihre Welt.»

Als dann alles vorüber war, bestiegen Gisin und Défago einen Propellermaschine, sie winkten und flogen davon. 20 Minuten kreisten sie über den wunderbaren Savoyer Alpen, über den Strecken, auf denen sie ihre letzten Weltcuprennen bestritten. Am Steuer war allerdings nicht Gisin, sondern ein Pilot des Altiports. «Selber fliegen», sagte sie und lachte, «das wäre nach diesen emotionalen Minuten keine so gute Idee gewesen.» Dazu hat sie nun genügend Zeit. Und irgendwann nimmt sie vielleicht auch Didier Défago wieder mit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 19.03.2015, 20:30 Uhr

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Ein emotionaler Abschied der Olympiasiegerin

Ein emotionaler Abschied der Olympiasiegerin In Méribel gibt Dominique Gisin offiziell ihren Rücktritt bekannt.

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