Kopf des Tages

Die Frau hinter Dario Cologna

Guri Hetland, die Cheftrainerin der Schweizer Langläufer, besteht in einer Männerwelt. Sie hat Ruhe in die kleine, aber geschwätzige Langlaufszene gebracht.

Bewegte sich anfangs auf dünnem Eis: Guri Hetland ist seit dem Sommer 2010 Cheftrainerin der Schweizer Langläufer.

Bewegte sich anfangs auf dünnem Eis: Guri Hetland ist seit dem Sommer 2010 Cheftrainerin der Schweizer Langläufer. Bild: Keystone

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In der Politik gewährten die Schweizer den Frauen ihre Rechte nur langsam. Erst 1971 war es so weit, dass Schweizerinnen auf Bundesebene abstimmen durften. Im Langlauf dagegen sind Schweizer vorbildliche Demokraten: Mit Guri Hetland wählte die Männerbastion des nationalen Skiverbandes eine Frau an die Langlauf-Trainer-Spitze. Im Weltcup ist sie damit die Einzige.

Dass ihr Name in helvetischen Ohren fremd klingt, hat seinen guten Grund: Guri (sprich Güri) Hetland kommt aus Norwegen. Das passt. Schliesslich haben die Nordländer eine längere Tradition betreffend Gleichstellung.Die 37-Jährige bekam in der männerdominierten Sportwelt erst einmal zu spüren, dass sie sich auf dünnem Eis bewegt. Als man sie im Sommer 2010 zur Schweizer Cheftrainerin des Teams mit Dario Cologna machte, musste sie sich fragen lassen, ob sie das überhaupt könne. Ihr Ehemann Tor Arne Hetland, Langlauf-Sprintweltmeister und Olympiasieger, wurde wärmer empfangen, als er kurz davor das Sprintamt übernommen hatte. Dabei verfügte seine Frau über die grössere Zahl Trainerdiplome.

Cologna mag ihre unaufgeregte Art

Inzwischen hat die Überraschungslösung überzeugt. Interimstrainerin ist Guri Hetland keine mehr. Das liegt auch an Teamleader Cologna, der an der Tour de Ski zurzeit um den Titel kämpft. Er mag ihre unaufgeregte Art. Als Quotenfrau der Szene versteht sich Hetland, die in Davos lebt, nicht. Darüber lacht sie bloss. Langlaufen ist schlicht ihre Passion. Sie war selber Weltcupstarterin, später die Verantwortliche des Hauptsponsors des norwegischen Langlaufteams, einer norwegischen Grossbank.

Hetland hat sich folglich in einer zweiten Männerwelt behauptet: Sie studierte Wirtschaft, arbeitete für die besagte Bank, ehe sie sich als Wirtschaftsberaterin selbstständig machte. Ihre guten Beziehungen zum norwegischen Langlaufteam halten an. Wegen ihrer Vergangenheit betreut sie weiterhin den Sponsoringbereich von Marit Björgen. Letztere ist die erfolgreichste Langläuferin der Geschichte.

Hetlands grösste Leistung in der Schweiz besteht darin, Ruhe in die kleine, aber geschwätzige Langlaufszene gebracht zu haben. Vor ihr war es schwierig, sich die Namen der Cheftrainer merken zu können. Sie wechselten häufig. Die Athleten um Cologna hielten zwei von diesen Coaches für inkompetent.

Ihre Verdienste sind nur auf Umwegen zu erfahren

Hetland gelang es, die Wirren abzustellen. Zwar absolviert sie als Verantwortliche der Distanzgruppe um Cologna viele Trainings mit ihren Schützlingen, weshalb sie weiterhin in exzellenter Form ist. Die Planung aber erfolgt stets in Absprache mit Colognas Privattrainer Fredrik Aukland. Dass der auch Norweger ist, erleichtert den (sprachlichen) Austausch.

Hetland ist eine Teamspielerin, Egozentrik keiner ihrer Charakterzüge. Soll sie über sich erzählen, wird sie rasch einsilbig. Ihre Verdienste in der Schweizer Equipe sind mitunter nur auf Umwegen zu erfahren. Als sich Curdin Perl, die Nummer 2, vor dieser Saison mit Rücktrittsgedanken beschäftigte, war Hetland für sein Weitermachen mitverantwortlich. Im Herbst bestieg sie mit ihm das Matterhorn, um dem ewigen Talent zu zeigen: Du magst anders als ein typischer Spitzensportler funktionieren, aber ich unterstütze dich auf diesem Weg. Darüber erzählen tut Hetland nur, wenn man sie darauf anspricht.

Erstellt: 04.01.2012, 17:40 Uhr

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