Die immerwährende Inspiration

Lindsey Vonn hat Annemarie Moser-Prölls Marke von 62 Weltcupsiegen egalisiert.

«Ich hatte versucht, das Rennen wie jedes andere zu nehmen», sagte Vonn, «aber ich war am Start sehr nervös.» Foto: Keystone

«Ich hatte versucht, das Rennen wie jedes andere zu nehmen», sagte Vonn, «aber ich war am Start sehr nervös.» Foto: Keystone

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Da hat die Frau schon so oft gewonnen, ist Olympiasiegerin und zweifache Weltmeistern, und dann feiert sie einen Sieg bei einem ganz normalen Weltcuprennen, als sei ihr so etwas noch nie passiert. Erst sank sie im Ziel schier entrückt in den Schnee, wollte dann von dort unten gar nicht mehr aufhören mit Winken und Strahlen, schliesslich hüpfte die mittlerweile 30-Jährige wie ein Zicklein herum.

Das war natürlich kein normaler Sieg gestern bei der Abfahrt in Cortina. Schliesslich hat sie mit ihrem 62. Weltcuperfolg zu Rekordhalterin Annemarie Moser-Pröll aufgeschlossen. Und bereits heute (10.45 Uhr) kann Vonn im Super-G die alleinige Nummer 1 bei den Frauen werden. «Ich hatte versucht, das Rennen wie jedes andere zu nehmen», sagte Vonn gestern, «aber ich war am Start sehr nervös.» Entsprechend gross sei die Erleichterung gewesen, «und jetzt bin ich schon um einiges ruhiger», gab sie ­lachend zu.

Die Konkurrentinnen waren irgendwie mitbegeistert, weil sie Teil dieses historischen Momentes sein durften. «Lindsey ist einfach unglaublich», sagte Dominique Gisin, «sie ist eine immerwährende Inspiration für uns alle.» Die Slowenin Tina Maze, nicht immer eine wirklich enge Freundin von ihr, stürmte geradezu zu Vonn und nahm sie lange in den Arm. «Das war auch für mich ein sehr emotionaler Moment», sagte Maze. «Es ist ein grosser Sieg für eine grosse Konkurrentin, mit der ich schon tolle Schlachten geschlagen habe.»

Aus der Familie Kraft schöpfen

Im Ziel fieberten die Eltern von Vonn mit. Vater Alan Kildow, mit dem sie jahrelang keinerlei Kontakt mehr gehabt hatte, ganz vorne am Zaun, seine Lebensgefährtin wischte sich nach Vonns Fahrt Tränen der Rührung aus den Augen. Schwester Laura sass auf der Tribüne, daneben Mutter Linda Krohn mit ihrem neuen Partner, sie hatte bei Lindseys Geburt einen Schlaganfall erlitten, seither ist ihr linkes Bein gelähmt. Am Samstag hatte sich Vonn nach der Absage der Abfahrt ganz ihrer Familie gewidmet, die so noch nie zusammengetroffen war. «Das bedeutet mir sehr viel», sagte Vonn, «vor allem, dass meine Mutter meinen 62. Weltcupsieg bei ihrem ersten Besuch in Europa überhaupt miterleben durfte.»

Der Rekord ist wichtig für Vonn, sie studiert die Skigeschichte sehr genau, will in jeder Statistik ganz vorne stehen. Wichtiger sei ihr nur der Abfahrtsolympiasieg 2010. In Vancouver sei es darum gegangen, am wichtigsten Tag die beste Leistung abzurufen, «eine Goldmedaille ist ein Kindheitstraum, Annemaries 62 Weltcupsiege galten als unerreichbar». Bis gestern. Zwar hat Vonn den Vorteil, dass es im Gegensatz zu Moser-Prölls Zeiten den Super-G als zusätzliche Disziplin und generell mehr Rennen gibt. Dafür wird der alpine Skirennsport heute in mehr Ländern professionell betrieben als in den 70er- und 80er-Jahren, die Spitze ist ungleich breiter.

«Ich habe noch einige Ziele»

Lindsey Vonn hat mit dem gestrigen Sieg einen weiteren absoluten Höhepunkt in ihrer Karriere erreicht, knapp zwei Jahre nach ihrem ersten Kreuzbandriss, dem im November 2013 ein zweiter folgte. «Ich habe schon einige Tiefpunkte in meinem Leben hinnehmen müssen», sagte sie gestern, «aber durch sie erlebe ich die Höhepunkte umso intensiver, deshalb bin ich jeden Tag dankbar für das, was ich tun darf.»

Weitere Höhepunkte sollen folgen, bis Olympia 2018 in Südkorea will sie auf jeden Fall weiterfahren. «Ich habe noch einige Ziele», sagte sie gestern, «eines ist seit dem Anfang meiner Karriere stets das gleiche: Ich will jeden Tag noch ­besser werden.»

Erstellt: 18.01.2015, 20:57 Uhr

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