Die neue Lust am Skispektakel

Die Fis macht die alpinen Abfahrten schneller, die Sprünge gehen weiter, das Risiko steigt. Das erste Abfahrtstraining in Beaver Creek zeigte, warum die Fahrer keine weissen Unterhosen tragen sollten.

Endlich wieder hoch und weit springen: Kjetil Jansrud (No), der Schnellste beim ersten Abfahrtstraining in Beaver Creek, beim Zielsprung. Foto: Keystone

Endlich wieder hoch und weit springen: Kjetil Jansrud (No), der Schnellste beim ersten Abfahrtstraining in Beaver Creek, beim Zielsprung. Foto: Keystone

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Selten, dass sich Skifahrer im Weltcup derart einig sind. «Es ist der richtige Weg, den wir jetzt einschlagen», sagte Didier Défago nach dem ersten Training zur Weltcupabfahrt in Beaver Creek. «Es braucht mehr Mut als in früheren Jahren», sagte sein Teamkollege Patrick Küng (2.), «und das ist gut so.» Beat Feuz brachte es am besten auf den Punkt: «Heute war es für manchen von Vorteil, wenn er keine weissen Unterhosen getragen hat.»

Der Weg, den alle Fahrer lobten, ist der neue Weg des internationalen Skiverbandes (Fis), das Spektakel bei Abfahrt und Super-G wieder zu erhöhen. «Es ist gut, dass wir den Charakter der Strecken von früher zurück haben», sagt Défago. Unter dem neuen Renndirektor Markus Waldner und vor allem dessen Speedverantwortlichen Hannes Trinkl (Abfahrtsweltmeister 2001) werden die Kurse direkter gesteckt, das Tempo wird erhöht, die Sprünge sollen wieder weiter gehen. In Beaver Creek ist das gelungen. «Schon jetzt im Training sind wir beim Golde Eagle 45 Meter weit geflogen», sagte Silvan Zurbriggen (49.). «Im Rennen werden es 60 Meter sein. Das ist so schön.»

Unter Waldners Vorgänger als Fis-Renndirektor, Günter Hujara, waren die Abfahrten zusehends entschärft worden. Das hatte bei den Fahrern zu Unmut und Kritik geführt. Sie fühlten sich unterfordert, es brauche kaum mehr Mut, schimpften sie. Bode Miller (USA) war der Lauteste, «es ist eine Schande», sagte er, «jetzt haben sie die Abfahrt zum Super-G und den Super-G zum Riesenslalom gemacht». Nun gab es durchaus einen Grund, der die Fis zum Handeln brachte: Schwere Unfälle wie etwa diejenigen des Schweizers Daniel Albrecht oder Hans Grugger (Ö) – um nur die Schlimmsten zu nennen – sorgten immer wieder für Diskussionen und brachten den Skisport in Misskredit. Kjetil Jansrud, Doppelsieger von Lake Louise, sagt zur Kritik an Hujaras Philosophie: «Es gibt in dieser Frage keinen richtigen oder falschen Weg. Wir Fahrer müssen damit umgehen, was wir vorfinden.» Aber Jansrud mochte auch nicht verhehlen, dass er das höhere Tempo und die grössere Herausforderung schon auch sehr schätzt.

Was passiert nach dem ersten schlimmen Sturz?

Küng setzt sich in Beaver Creek ebenfalls mit der Frage der Sicherheit auseinander. «Wir Fahrer», sagte der Glarner, «wir sind uns doch bewusst, was wir riskieren.» Wenn Sprünge gut gebaut sind, also nicht zur Sprungschanze werden; wenn die Sprünge nicht im Flachen enden, was nicht zu bewältigende Kräfte auslöst; wenn die Sicherheitsnetze gut angebracht sind. Dann, so die Fahrer unisono, sei das Risiko kontrollierbar, und dann könnte man ihren Sport durch das gesteigerte Spektakel auch wieder besser verkaufen. «Es darf», sagte Küng, «nicht so sein, dass ein Riesenslalomspezialist auf der Abfahrt vorne mitfahren kann. Es muss schon ein gewisses Mass an Überwindung dabei sein.» Marcel Hirscher verzichtete im ersten Training schon einmal auf den Start.

Man darf gespannt sein, was passiert, wenn tatsächlich der erste schlimme Sturz passiert, der erste Fahrer im Spital landet. Nicht, dass man das irgendeinem Fahrer wünscht. Aber wohin werden dann die Diskussionen gehen? Wer wird dann die Schuld tragen müssen?

Erstellt: 03.12.2014, 02:50 Uhr

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