«Diese Siege brauchte ich»

Dario Cologna gewinnt auf der Alpe Cermis seine 4. Tour de Ski – und staunt über sich.

Überlegen im Rennen, lächelnd im Ziel: Cologna auf der Alpe Cermis. Foto: Alexey Filippov (Sputnik/AFP)

Überlegen im Rennen, lächelnd im Ziel: Cologna auf der Alpe Cermis. Foto: Alexey Filippov (Sputnik/AFP)

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Der zweitplatzierte Martin Johnsrud Sundby: sackte wie von einem Hammer getroffen im Ziel in den Schnee. Der drittplatzierte Alex Harvey: lag flach wie eine Flunder im kleinen Zielraum auf der Alpe Cermis. Dario Cologna, der ­Sieger? Stützte sich nach seinem finalen Triumphlauf im Val di Fiemme auf seine Stöcke, atmete tief durch, zog seine Ski aus – und legte sich dann auf den ­Rücken. Dabei ist Cologna bekannt dafür, dass er noch nach dem grössten ­Effort maximal auf die Knie sinkt. Für einmal aber musste sich auch der 31-Jährige nach dieser Kletteretappe ein wenig Schneeruhe gönnen.

Er hatte sich die kurze Auszeit wahrlich verdient. Statt seine Gegner im sechsten und letzten Rennen dieser 12. Tour de Ski näher kommen zu lassen, vermochte er seinen Vorsprung lange zu verteidigen. Er habe bei den Konkurrenten gar nicht erst für einen Funken ­Hoffnung sorgen wollen, sagte er. Wobei ohnehin gilt: Ist Cologna einmal deutlich in Führung, gibt er sie kaum mehr ab. Er ist ein Meister im Verwalten eines Vorsprungs. Dass er dennoch die viertbeste Zeit des Tages aufstellte, verdeutlicht, wie exzellent seine Form ist.

Sie erstaunt ihn selber ein wenig. Zumindest hätte er sich vor neun Tagen diese beeindruckende Tourvorstellung nicht zugetraut. Aber «der Knopf löste sich zum Auftakt im Sprint». Erstmals seit längerem hatte er da eine Qualifikation überstanden. Als noch bedeutender stufte er die beiden ersten Plätze auf der Lenzerheide ein. «Diese Siege habe ich gebraucht», sagte er.

Selbstvertrauen für Olympia

Er bezog sich dabei weniger auf die Tour als auf die Olympischen Spiele. Sie ­beginnen in einem Monat. «Nun weiss ich, dass ich gewinnen kann. Wäre ich nur mit vierten Plätzen angereist, verfügte ich über weniger grosses Selbstvertrauen.» Er spielte dabei auf seine vierten Ränge vom Samstag im Massenstart über 15 km klassisch und vom ­Donnerstag im Massenstart über 15 km Skating an.

Dass mit Johannes Klaebo der Dominator der ersten Weltcuprennen fehlte, mindert für Cologna den Tourgesamtsieg nicht. «Jeder durfte teilnehmen, ­jeder konnte also siegen», sagte er, weil er wusste: In dieser Form hätte der Youngster spätestens hinauf zur Alpe Cermis wohl das Nachsehen gehabt. Zudem offenbarte sein grosser Vorsprung auf Sundby von 1:26,5 Minuten, wie überlegen er agierte. Als süssesten ­seiner nun vier Tourtitel wollte er den jüngsten trotzdem nicht bezeichnen. Der erste ist und bleibt für ihn der speziellste. Aber dass Cologna sechs Jahre nach dem letzten Sieg damit quasi seine zweite Karriere lancieren konnte, freute ihn sehr.

Schliesslich wird er nun an den Olympischen Spielen in allen Einzelwettbewerben zu den Medaillenfavoriten zählen. Gezeigt hat sich an dieser Tour allerdings einmal mehr: Selbst ein Cologna in Topform tut gut daran, die Gegner schon vor der Zielgeraden abgehängt zu haben. In einem Schlussspurt dürfte er tendenziell unterliegen. Obschon er die selektive Strecke in Südkorea noch nicht bis ins letzte Detail kennt, weiss er bereits jetzt: Sie ist mit genügend Aufstiegen gespickt, damit er seinen Konkurrenten wie zuletzt auf der Lenzerheide früh genug wird davongleiten können. Dafür gilt es in den verbleibenden Wochen in Davos allerdings, die Form noch leicht zu veredeln. Vorgelegt hat er den gleichen Gegnern aber schon einmal.

Von Siebenthal läuft auf Platz 8

Deutlich erschöpfter beendete zuvor die stärkste Schweizerin die Tour. Als Neunte war Nathalie von Siebenthal gestartet, als Achte erreichte sie das Ziel. Damit klassierte sie sich im gleichen Rang wie vor einem Jahr. Gerne hätte die ehrgeizige Bernerin noch ein bisschen mehr gezeigt. Im Gegensatz zu Cologna aber vermochte sie nicht bei allen Einsätzen zu überzeugen, primär auf der Lenzerheide im Skating-Verfolgungsrennen zog sie einen schwächeren Tag ein. Dafür konnte sie in dieser Tourwoche ihre Fortschritte in der klassischen Technik präsentieren. Mit fast fünf Minuten büsste sie allerdings eine kleine Ewigkeit auf Gesamtsiegerin Heidi Weng (No) ein. Wobei ohnehin nur Landsfrau Ingvild Flugstad Östberg – Zweite mit 48 Sekunden Rückstand – lange mit der Titelverteidigerin mithalten konnte.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.01.2018, 23:25 Uhr

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