Ein Neuanfang auf dem Gletscher, der sich gut anfühlt

Die Schweizer überraschen zum Saisonstart beim Riesenslalom von Sölden positiv.

Carla Janka wurde in Sölden als 11. bester Schweizer. Foto: AFP

Carla Janka wurde in Sölden als 11. bester Schweizer. Foto: AFP

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Der alpine Weltcupauftakt in Sölden endete mit überraschend positiven Auftritten des Schweizer Teams. Nach der leisen Enttäuschung vom Samstag, als nur Michelle Gisin als 17. etwas Zählbares aufzuweisen hatte, belegten die Männer gestern die Ränge 11 (Carlo Janka), 12 (Justin Murisier) und 16 (Manuel Pleisch). Damit hatte man nicht rechnen dürfen.

Nach jahrelangen Versäumnissen in der Basisdisziplin Riesenslalom wurde unter dem neuen Cheftrainer Thomas Stauffer wieder einmal ein Neustart gemacht. Und der fühlt sich tatsächlich gut an. Auch bei den Frauen sieht es mit Lara Gut und den Gisin-Schwestern Dominique und Michelle zumindest momentan gar nicht so schlecht aus. Selbst wenn Cheftrainer Hans Flatscher nicht auf das ganz breite Fundament bauen kann, denn wirklicher Druck von unten ist nicht zu spüren: Im Riesen­slalom-Europacup des letzten Winters waren vier junge Österreicherinnen unter den Top 8. Die beste Schweizerin, Rahel Kopp, folgte auf Rang 19.

Bei den Männern spielten schwere Verletzungen (Albrecht, Feuz, Murisier) und Erkrankungen (Janka) eine mass­gebliche Rolle. Zudem zieht es Skifahrer und Skifahrerinnen aus der Schweiz weiterhin generell sehr stark in Richtung Speeddisziplinen, sie können nach wie vor aus der weltweit einzigartigen Gletschersituation in Zermatt und Saas Fee grossen Vorteil ziehen. Nirgendwo sonst gibt es ­ganzjährig nutzbare Trainingsstrecken für die Abfahrt.

Das wirkt sich seit zwei Jahren besonders drastisch aus, weil der Riesenslalom durch die Verringerung der Taillierung und der damit einhergehenden Verkürzung der Radien an den Toren zusehends zur Sache der Techniker wurde – und nicht mehr der Speedspezialisten. Vorbei die Zeiten, als ein Hermann Maier oder Stephan Eberharter als grosse Abfahrer auch den Riesenslalom dominierten. Vorbei auch die Zeiten der Allrounder: Marcel Hirscher konnte dreimal in Folge den Gesamtweltcup gewinnen, ohne eine Abfahrt zu bestreiten, mit total nur sechs Einsätzen im Super-G in diesen drei Wintern.

Spezialisten sind also wieder gefragt. Ein Phänomen, das übrigens bei den Frauen weniger ausgeprägt ist: Bei ihnen ist die Leistungsdichte geringer und Spezialisierung deshalb weniger gefordert. Technikspezialistin Mikaela Shiffrin gewann am Samstag zeitgleich mit Anna Fenninger, die noch eine klassische Allrounderin ist. Stauffer hat auf diesen Trend bei den Männern reagiert. Er hat die sogenannte Kombigruppe mit den Allroundern zwei­geteilt, drei aus dem Sextett konzentrieren sich ausschliesslich auf Slalom und Riesenslalom. Manuel Pleisch gehört diesem Trio an, prompt gelang ihm das beste Resultat seiner Karriere. Bezeichnend allerdings, dass Pleisch mit 24 Jahren erst 18 Weltcup­rennen bestritten hat. Stauffer hat auch dieses Problem der Spätentwickler erkannt, die schulische bzw. berufliche Ausbildung dauert ihm in der Schweiz eindeutig zu lang.

Bei Murisier liegt der Fall anders: Er galt immer als ganz grosses Talent, das allerdings wegen zwei Kreuzbandrissen zwei komplette Winter verlor. Er erinnert mit seinem wagemutigen Stil an Marcel Hirscher und Alexis Pinturault. Murisier kann deshalb tatsächlich derjenige sein, der einst an die grosse Schweizer Riesenslalomtradition anknüpfen kann. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.10.2014, 20:22 Uhr

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