Der Sieger

Ein Störenfried, den alle mögen

Hannes Reichelt ist nach zwei zweiten Plätzen ein verdienter Lauberhornsieger.

Das Leichtgewicht wird ein Schwer­gewicht: Hannes Reichelt. Foto: Urs Jaudas

Das Leichtgewicht wird ein Schwer­gewicht: Hannes Reichelt. Foto: Urs Jaudas

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Beat Feuz vor Carlo Janka und Patrick Küng. Es wäre ein Ergebnis gewesen, das zum schon fast kitschigen Wintertag im Berner Oberland gepasst hätte, eine Weltcuppremiere am Lauberhorn. Ein 34-jähriger Österreicher, der zu Beginn der Woche noch unter einer fiebrigen Erkältung gelitten hatte, verhinderte, dass es nicht dazu kam: Hannes Reichelt. Er sei, weil ihm die Kraft fehlte, deshalb zwar schon in den Kurven der Langentreyen «blau» gewesen, sagte er, doch irgendwie habe er sich noch einmal einen Schub gegeben. Es genügte, dass er am Ziel jubeln konnte, und weil er einer der sympathischsten Fahrer ist im Weltcup, konnte ihm das niemand verübeln. Es musste einer schon ein ­übler Chauvinist sein, wenn er Reichelt diesen Sieg nicht gönnte. Ein Sieg, der eine Woche vor Kitzbühel den österreichischen Katzenjammer vertrieb. In den vier Abfahrten zuvor hatte nur Matthias Mayer (Zweiter in Santa Caterina) auf dem «Stockerl» gestanden.

In den letzten drei Jahren stand ­Reichelt in Wengen jedes Mal auf dem Podest. Einmal, 2013, als Dritter hinter Christoph Innerhofer und Klaus Kröll, zweimal als Zweiter hinter einem Schweizer. 2012 musste er sich von Beat Feuz geschlagen geben, vor einem Jahr war Patrick Küng nur um sechs Hundertstel schneller als er. Er nahm auch diese knappe Niederlage gelassen hin und tröstete sich damit, dass Glück und Pech gerecht verteilt werden. Eine ­Woche später gewann er als erster Österreicher seit Michael Walchhofer 2006 die Hahnenkamm-Abfahrt. Für den Status eines Nationalhelden genügte dies allerdings nicht. Weil er dafür viel zu ­bescheiden ist, hätte er wohl auch noch Olympiasieger werden müssen. Doch dazu kam es nicht. Zwei Tage nach dem Sieg auf der Streif wurde er an den Bandscheiben operiert.

Skifahrer und Waldhornbläser

Als Hannes Reichelt, der Waldhornbläser aus Radstadt, 2012 bei der Siegerfeier in Wengen neben Feuz stand, war das erst sein zweiter Podestplatz in einer Abfahrt. Seine bevorzugten Disziplinen waren damals der Super-G und der ­Riesenslalom, in beiden hatte er bereits gesiegt, im Super-G eine WM-Medaille gewonnen. Für die Abfahrt war er zu leicht – wie er auch selber fand. «Die Leute sehen mich eher als Abfahrer, als ich das selbst tue», sagte er damals in Wengen. «Es ist schön, als Abfahrer gehandelt zu werden, weil Abfahrer unter den Rennfahrern einen höheren Stellenwert haben. Sie sind die wilden Hunde.»

An Gewicht hat er auch seither nicht zugelegt, seine Freundin, sagt er, würde es nicht zulassen. Zum «wilden Hund» wurde er dennoch. Auch wenn er im Sommer weiterhin – wie Mathias Mayer – mit der Riesenslalomtruppe in Patagonien trainierte. Sein Trumpf ist die Technik. Und es ist kein Zufall, dass er vor Kitzbühel und Wengen auch auf der dritten mythischen Abfahrt, in Bormio, ­gewinnen konnte. Von den technisch schwierigsten Abfahrten fehlt nur noch Beaver Creek im Palmarès. Im WM-Ort wurde er 2013 hinter Aksel Svindal Zweiter. Besser liegt ihm dort, wo in zwei ­Wochen die WM beginnt, der Super-G, den er 2005, 2007 und in diesem Winter gewann. Für ihn liegt dort Gold bereit.

Erstellt: 18.01.2015, 22:08 Uhr

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Die Lauberhorn-Abfahrt in Bildern

Die Lauberhorn-Abfahrt in Bildern Impressionen vom Skiklassiker in Wengen.

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