«Einmal vier Tage ohne Skischuhe»

Wendy Holdener fühlte sich kurz nach den Olympischen Spielen ausgelaugt – nun hat sie aber Lust auf mehr.

«Es geht mir besser als im letzten Winter. Ich fühle mich nicht so leer wie vor einem Jahr.»

«Es geht mir besser als im letzten Winter. Ich fühle mich nicht so leer wie vor einem Jahr.» Bild: Keystone

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Wo möchten Sie mit Michelle Gisin tauschen?
Ich hätte gern ihre Sprachkenntnisse. Und natürlich fährt sie in den Speedrennen zu gut für mich, das hat in der Olympia-Kombination doch jeder gesehen.

Wie Ihre Teamkollegin hatten Sie kaum Zeit, die Medaillen zu verarbeiten . . .
. . . nach dem Rückflug war ich ausgelaugt. Da haben mich die Journalisten in einem schlechten Augenblick erwischt. Ich hätte stundenlang schlafen können in den letzten Tagen, aber wegen des Jetlags zwang ich mich, früh aufzustehen. Das ­Bedürfnis, Ski zu fahren, hatte ich nicht. Ich wollte einmal vier Tage lang keine Skischuhe anziehen.

Nach Gold und Silber an der WM in St. Moritz war Ihnen der Rummel vor einem Jahr in Crans zu viel. Was haben Sie daraus gelernt?
Erstens hoffe ich, dass es dieses Mal weniger schlimm wird. Zweitens bin ich mir sicher, dass wir gut vorbereitet sind, sollte es wieder unglaublich viele Leute haben – ich habe haufenweise Autogramkarten dabei. Und drittens geht es mir besser als im letzten Winter – ich fühle mich nicht so leer wie vor einem Jahr.

Haben Sie die Geschehnisse an der Heim-WM also mehr mitgenommen als jetzt ­Teamgold, Slalomsilber und Kombibronze bei Olympia?
Es war der erste Grossanlass, an dem ich erfolgreich war. Den Rummel von St. Moritz kann man mit jenem in Südkorea nicht vergleichen. Zudem habe ich schon vor den Spielen gesagt, dass ein Empfang daheim für mich nicht infrage kommen würde. Ich sagte: Wenn etwas gemacht wird, werde ich nicht hingehen. Ich verfolge noch Ziele in diesem Winter, die Kugel für den Kombinationsweltcup zum Beispiel. Eine Feier hätte nicht in mein Programm gepasst.

Spürten Sie in Pyeongchang, dass mehr über Sie als über Lara Gut gesprochen, mehr von Ihnen erwartet wurde?
Ich habe meine Disziplinen, sie hat ihre Disziplinen – wir kommen einander nicht in die Quere. Daher können wir den Druck nicht aufeinander abschieben.

Im Gesamtweltcup liegen Sie auf Rang 2. Haben Sie Lust auf mehr bekommen?
Wer möchte nicht die Nummer 2 hinter Mikaela Shiffrin sein? Meine Lust ist geweckt. Aber man sollte meinen Rückstand ­beachten (671 Punkte). Es muss einiges geschehen, damit ich die Kugel einmal nach Hause bringe.

Bei den Frauen wie beiden Männern hatten die ­Gesamtweltcupsieger zuletzt alle ein eigenes Betreuerteam. Haben Sie das Gefühl, etwas ändern zu müssen?
Gute Frage. Es passt sehr gut im Moment, ich möchte so weiterfahren. Ob es mit diesem Weg nicht möglich ist, die grosse Kugel zu gewinnen, ist schwierig zu sagen. In unserem Team wird bereits viel Wert auf Individualität gelegt, in dieser Hinsicht können wir uns noch weiter verbessern. Derzeit ist es für mich noch kein Thema, alles alleine zu machen.

Sie liessen Shiffrin im Olympiaslalom hinter sich, verpassten Gold dennoch. Gibt es Phasen, in denen Sie den 5 Hundertsteln auf Frida Hansdotter nachtrauern?
Es ist kein Nachtrauern. Aber klar, ich hätte diese 5 Hundertstel auf Frida in jedem Tor herausholen können. Aber auch andere könnten nun klagen: was wäre, wenn. Darum muss ich ­sagen: Es macht nichts.

Bewahrt Sie die Jagd auf Shiffrin davor, einen Gang herunterzuschalten?
Bei meinen Zielen denke ich an mich, nicht an Shiffrin. Es ist nicht immer nur Shiffrin das Thema.

Sie sprechen von Frida, aber von Shiffrin. Hat dies mit Nähe und Distanz zu tun?
Ich rede häufiger mit Frida. Aber ich weiss nicht, ob es etwas mit Distanz zu tun hat. Ich sage auch Feuz zum einen und Carlo zum anderen (lacht). (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.03.2018, 07:28 Uhr

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