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Erst der Nutella-Toast, dann der Lauberhorn-Sieg

Beat Feuz beweist, dass man kein asketischer Selbstquäler sein muss, um im Sport an die Weltspitze zu kommen. Nach dem Lauberhorn-Sieg denkt der neue Liebling der Nation schon an die nächste Grosstat.

«Poker und Skifahren haben viel gemeinsam»: Beat Feuz vegleicht seine beiden Leidenschaften.
Video: Sebastian Rieder

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Auf der Pressekonferenz nach dem grössten Triumph seiner Karriere erinnerte sich Beat Feuz an eine Szene wenige Stunden vor seiner erfolgreichen Fahrt über Hundschopf und Minschkante: «Ich habe zum Frühstück Toast mit Nutella gegessen, und alle haben mich ausgelacht.» Gewonnen haben dann aber bekanntlich nicht die Vernünftigen und seit jeher Fleissigen, sondern der noch immer etwas pummelig wirkende Feuz, den die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» unter Einbeziehung aller verfügbaren Stereotype als «Kugelblitz aus dem Käseland» bezeichnete. Vor der Super-Kombination ass Feuz übrigens gar nichts, weil ihm das Morgenessen generell nicht viel sagt.

Den Übernamen «Kugelblitz» verdankt der 1,71 Meter kleine und 84 Kilogramm schwere Bauernsohn aus Schangnau im Emmental seinem Bündner Mannschaftskollegen Marc Gini, es ist anzunehmen, dass er ihn nach den Geschehnissen von Wengen noch öfter zu hören bekommt. Est recht, wenn er am kommenden Wochenende in Kitzbühel noch einmal so gross auftrumpfen sollte. «Kitzbühel ist eine komplett andere Strecke, es ist mehr Risiko gefordert», gibt Feuz zu bedenken. «Ich hoffe aber, dass ich um einen Podestplatz mitfahren kann.» Das Risiko sollte dem neuen Schweizer Ski-Helden durchaus liegen, ist er doch ein begeisterter Pokerspieler. «Im Pokern sehe ich Gemeinsamkeiten mit dem Skifahren, man darf nie die Nerven verlieren», zieht Feuz einen Vergleich.

Zwei Saisons wegen Verletzungen verpasst

Wenn Feuz am Fernsehen Interviews gibt, wirkt er wie ein freudiger Glückspilz, der irgendwie in eine Karriere als Skistar hineingestolpert ist und nun darüber staunt, dass er für die Ski-Nation Schweiz plötzlich wichtiger ist als der verbissene Altmeister Didier Cuche oder der schweigsame Ausnahmeathlet Carlo Janka, der in Wengen trotz Rückenschmerzen Vierter wurde, sich darüber aber nicht freuen kann. Tatsächlich hat Feuz mit seinen noch nicht einmal 25 Jahren aber einen Leidensweg hinter sich, der im Weltcup-Zirkus Seinesgleichen sucht. Die Saison 2007/08 verpasste er als dreifacher Junioren-Weltmeister (Abfahrt, Super-G, Kombination) wegen eines Kreuzbandrisses, das Ski-Jahr 2008/09 endete für ihn mit einem Meniskusriss im November. Als Kind sass er nach einem Sturz beim Schanzenspringen mit gebrochenen Fersen über Monate im Rollstuhl.

Erster Top-10-Platz erst im Januar 2011

Seit dem vergangenen Januar, als er sich erstmals im Weltcup unter den ersten zehn klassieren konnte, hat Feuz einen Aufstieg hingelegt, der so schwindelerregend ist wie die Eigernordwand. Die Biwaks vor dem Gipfelsturm am Lauberhorn waren der Premierensieg in der Abfahrt von Kvitfjell im März sowie der 1. Rang im Super-G von Gröden Mitte Dezember. Als Feuz nach der Lauberhorn-Abfahrt mit deutlicher Bestzeit über die Ziellinie fuhr, verfiel SF-Kommentator Matthias Hüppi in einen Jubel, der selbst für den stets euphorischen Fernsehmann aussergewöhnlich ist. Hüppis Kollege Paddy Kälin wollte die Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung noch toppen, als er Feuz wenig später fragte, ob er am Abend bei der Siegerehrung noch einmal das «Vogel-Lisi» singen werde, was der Skirennfahrer geschickt abwehrte. Er singe nur, wenn auch Ivica Kostelic, der Sieger der Super-Kombination, mitmache.

«Berühmter als die Schangnauer Merängge»

Irgendwie erinnert Feuz, der mit der ehemaligen österreichischen Weltcupfahrerin Katrin Triendl liiert ist, wegen seiner Unbeschwertheit ein wenig an die frühe Lara Gut. Wie die einst die Tessinerin, der man inzwischen schnippisches Auftreten nachsagt, redet er bei Interviews ehrlich geradeaus. So wirkte bei ihm nicht einmal die oft gehörte Phrase «Ich konnte gar nicht glauben, dass ich Erster bin» aufgesetzt. «Nun», so bilanzierte er in Wengen, «bin ich wahrscheinlich noch berühmter als die Schangnauer Merängge.» Womit sich der Kreis der Süssigkeiten geschlossen hätte.

Erstellt: 15.01.2012, 15:23 Uhr

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