Fünf Fragen zum Tod von Estelle Balet

Der Tod der jungen Freeride-Snowboarderin Estelle Balet während Dreharbeiten zu einem Film sorgt für Bestürzung. Es stellen sich aber auch Fragen zum Unfall.

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Bei Dreharbeiten für einen Film geriet die 21-jährige Freeriderin Estelle Balet am Dienstagmorgen im Wallis in eine Lawine. Die aktuelle Weltmeisterin der Freeride World Tour, verstarb noch am Berg. Die Umstände des tragischen Unglücks werfen verschiedene Fragen auf.

1. Wie kam es zum Unfall?

Die verunfallte Estelle Balet bestieg am Dienstagmorgen um 7 Uhr zusammen mit Freerider-Kollegin Géraldine Fasnacht und einem Bergführer einen Helikopter von Héli-Alpes. Sie umrundeten das Gebiet, in dem sie abfahren wollten, für einen Rekognoszierungs-Flug. Als erste sprang Fasnacht aus dem Helikopter und nahm die Abfahrt in Angriff. Danach verliess Balet den Helikopter, allerdings nicht ins selbe, sondern in ein benachbartes Couloir. Dabei löste sich die Lawine und riss die Freeriderin etwa einen Kilometer mit in die Tiefe.

2. Was war es für ein Film?

«Exploring the Known» lautet der Titel des Filmprojekts der auf Action-Sportarten spezialisierten Produktionsfirma Timeline Mission. Estelle Balet hatte die Absicht, den Zuschauern spektakuläre Pisten aus ihrer Heimat zu präsentieren, die sie seit ihrer Kindheit kennt und befahren hat. Für die Dreharbeiten waren nur wenige Tage vorgesehen.

3. Stand Estelle Balet wegen der Dreharbeiten unter Druck?

Balet war der aufstrebende Star der Freeride-Szene. Mit einem Post auf Facebook am Wochenende kündigte sie an: «Can't wait for more filming next week.» Sie trieb an, was alle Erfolgreichen eint: Leidenschaft für die Sache. Snowboarden war Balets Lebenesinhalt. Ursprünglich war für diesen Tag ein anderer Drehort vorgesehen. Der Drehplan sah vor, dass Balet zusammen mit dem Snowboarder Emilien Badoux eine andere Abfahrt filmen sollte. Im letzten Moment entschied die 21-Jährige sich dafür, stattdessen mit Fasnacht einen anderen Gipfel zu befahren und erst am Folgetag mit Badoux zu fahren.

4. Ging Estelle Balet ein zu grosses Risiko ein?

Die Fotos des Unfallhanges wecken den Eindruck, die beiden Fahrerinnen seien in einem sehr steil abfallenden Couloir unterwegs gewesen. Dies war laut Jean-Marie Bornet, Sprecher der Kantonspolizei Wallis, nicht der Fall. Die beiden Fahrerinnen hätten vorgehabt, nur den obersten und viel weniger steilen Teil des Gipfels zu befahren und nach etwa 100 bis 150 Metern anzuhalten und zum Gipfel zurück zu steigen. Doch es kam anders.

5. Waren die Bedingungen zu gefährlich?

Im Gipfelteil, den die beiden Fahrerinnen befahren wollten, seien keine grossen Schneemengen abgegangen, sagt Bornet. Die Lawine löste sich in einem anderen, von zwei Felsbändern umgebenen steilen Couloir etwas weiter oberhalb und riss die Fahrerin mit. Bergführer Pierre Matthey sagte gegenüber «Le Nouvelliste»: «Die Bedingungen waren keineswegs aussergewöhnlich.» Er selber wäre ohne Zögern an diesem Tag mit Kunden ausserhalb der Piste gefahren. Die Freeeriderin sei kein leichtsinniges Risiko eingegangen. Aber in den Bergen bleibe immer ein Restrisiko. (nag/mcb)

Erstellt: 20.04.2016, 16:05 Uhr

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