Für diese Grätsche gab es Pizza und Bier

Kristian Ghedina ist einer, der verrückte Anekdoten aus dem Weltcup zum Besten geben kann. In Wengen erinnert er sich.

Ghedinas Grätsche beim Zielsprung in Kitzbühel. (Video: ORF via Facebook)

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Einmal lief ihm ein Reh über den Weg. 2004 in Gröden war das, mitten in der Abfahrt. Hallo, wie gehts, habe er das Tier gefragt, sagte er danach. Einige Monate davor in Kitzbühel spreizte er beim Zielsprung die Beine und wurde Sechster. Eine Wette mit seinem Cousin, der sagte, er würde sich sowieso nicht trauen. Er traute sich und gewann eine Pizza und ein Bier. Wenn im Skizirkus verrückte Anekdoten erzählt werden, fehlt sein Name nie: Kristian Ghedina.

50 ist der Italiener mittlerweile, er ist in Wengen, weil er zum 90-Jahr-Jubiläum eingeladen wurde, wie ganz viele andere ehemalige Sieger. Er gewann 1995 und 1997, beim zweiten Mal gar mit Streckenrekord: 2 Minuten, 23 Sekunden, 24 Hundertstel, er besteht bis heute. Neben den beiden Lauberhorn-Siegen gewann er elf weitere Rennen. «Die Leute erinnern sich aber vor allem an Dinge wie die Grätsche», sagt er.

Holzhacken als Hobby

Ghedina lebt heute wieder in Cortina, dort ist er aufgewachsen, dort hat er eine Skischule, er ist der Botschafter der WM 2021. Auf den Ski ist er sonst nur noch selten, ab und zu für Skitests seiner früheren Ausrüster. Hobbys hat der fröhliche Norditaliener andere. Holzhacken zum Beispiel, fanatisch sei er da, «ich habe zu Hause Holz für die nächsten fünf Jahre». Er scheint darauf ähnlich stolz zu sein wie auf seine 13 Weltcup-Siege.

Die Skirennen in der Umgebung besucht er, andere kaum mehr. In Wengen war Ghedina letztmals vor zehn Jahren, beim 80-Jahr-Jubiläum. Zu lange dauert die Anreise, sieben Stunden etwa, rechnet er vor, nach Kitzbühel sind es nur zwei. Aber er ist gerne hier, hat Freunde im Berner Oberland, und auch seine Fanclubs kamen immer gerne nach Wengen. Auch hier gebe es zwar viele Betrunkene, sagt der frühere Abfahrtsspezialist, «aber es ist alles etwas familiärer».

Die Partnerin schüttelt nur den Kopf

Speziell ist der Ort für ihn aber vor allem wegen seiner sportlichen Leistungen. Und einer damit verbundenen Verletzung – Ghedina erlitt bei seiner Rekordfahrt 1997 einen Wirbelbruch. «Ich hatte im Ziel keine Kraft mehr, um zu bremsen, und fuhr in die Bande», erzählt er. Untersuchen lassen wollte er sich nicht, zu wichtig war ihm das Rennen um den Gesamtweltcup, das er später gegen Luc Alphand verlor.

Die Schmerzen im Nacken liessen nach, und so wurde der Bruch erst drei Jahre später beim Röntgen festgestellt. Im Sommer 2000 versuchte Ghedina sich an einem Frontflip, etwas, was ihm schon oft gelungen war. Diesmal aber landete er auf dem Kopf, brach sich zwei weitere Wirbel und das Brustbein. Als er davon erzählt, als wäre es ein Witz, bleibt seiner Partnerin, die nebenan sitzt und ihm immer wieder mit Deutsch aushilft, nur das Kopfschütteln.

Seit Ghedinas Rekord hat sich vieles geändert. Die Streckenführung am Lauberhorn ist nicht mehr gleich wie damals, es gab einen Zielsprung und danach eine Linkskurve. Wer sein Nachfolger werden könnte? Natürlich würde er sich freuen, wenn der Rekord im Land bliebe, aber Rekorde seien ja da, um gebrochen zu werden. Wie sich das anfühlt, erfuhr Ghedina erst kürzlich; im März 2019 schloss Dominik Paris in Sachen Weltcup-Siegen zu ihm auf, mittlerweile ist er bei 18 angekommen, was ihn zum erfolgreichsten italienischen Speedfahrer überhaupt macht. Ghedina sagt: «Er kann auch noch Franz Klammer einholen», der Österreicher gewann 25 Abfahrten. Neben Paris fällt Ghedina nur ein weiterer Name ein, wenn es um die Favoriten der Abfahrt vom Samstag geht: Beat Feuz.

Erstellt: 17.01.2020, 15:44 Uhr

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