Heimat grosser Söhne und Töchter

Anna Fenninger und Marcel Hirscher siegten im Gesamtweltsup – Österreich triumphierte.

Sie errangen zusammen mehr als die Hälfte der österreichischen Weltcupsiege dieses Winters: Anna Fenninger und Marcel Hirscher. Foto: Robert Pratta (Reuters)

Sie errangen zusammen mehr als die Hälfte der österreichischen Weltcupsiege dieses Winters: Anna Fenninger und Marcel Hirscher. Foto: Robert Pratta (Reuters)

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Schön ist sie schon, die Melodie von Wolfgang Amadeus Mozart. Aber wenn man die österreichische Bundeshymne innert weniger Minuten neunmal hören muss, hilft auch das Genie des grossen Salzburgers nicht. Österreich gewann beim Weltcupfinale in Méribel zum 26. Mal in Folge die Nationenwertung, dazu stellte der ÖSV die besten Männer- und Frauenteams; Anna Fenninger gewann den Riesenslalom, die kleine Kugel in dieser Disziplin und den Gesamtweltcup; Marcel Hirscher siegte im Slalom, auch er bekam die kleine Kristallkugel, die grosse hatte er am Samstag errungen, als erster Fahrer zum vierten Mal in Serie. Neun Siege und jedes Mal die Bundeshymne.

Salzburg dominiert den Ski-Weltcup. Fenninger und Hirscher sind 1989 in Hallein im Salzburger Land geboren, beide wuchsen nur gut 40 km voneinander entfernt auf, sie absolvierten gemeinsam die Ski-Hotelfachschule in Bad Hofgastein. Aber während sich Hirscher brav in das Vermarktungsregime des Verbandes fügt, ist Fenninger die aufmüpfige Rebellin: Sie hat sich mit Klaus Kärcher zusammengetan, einem rührigen Manager und grossen Selbstdarsteller, der genau weiss, welch lukratives Pfand er mit Fenninger hat. Die letzten Wochen gab das Duo Ruhe, die entscheidende Saisonphase sollte nicht gestört werden. Doch das Streben nach verstärkter Eigenvermarktung lässt nicht nach, ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wird dagegen kämpfen mit all seinem Einfluss. Für ihn ist die zentrale Vermarktung ein tragender Pfeiler für den Erfolg des Verbandes.

Das Einfachste der Welt

Hirscher und Fenninger bewiesen am Wochenende wiederholt, wie stark sie sind: Fenninger wurde von Tina Maze enorm unter Druck gesetzt, die Slowenin verpasste den Gesamtsieg um 22 Punkte und will sich nun Zeit nehmen, um zu überlegen, ob sie weiterfährt. Hirscher musste sich Kjetil Jansruds im Gesamtweltcup und Felix Neureuthers im Slalom erwehren. Genau in diesen schwierigen Momenten, am Ende einer physisch und mental kraftraubenden Saison, fuhren Fenninger und Hirscher, als sei es das einfachste der Welt, diesem Druck standzuhalten. Beide erzählten hinterher, wie schlecht sie sich gefühlt hatten, «ich war extrem nervös», sagte Fenninger. Auf der Strecke war davon nichts zu sehen, und Hirscher gelang im zweiten Durchgang gar der perfekte Slalomlauf.

Man muss mit den Erwartungen in der Heimat erst einmal umgehen. Zumal in einem Winter, in dem in Österreich wiederholt von einem «Krisenwinter» geredet wurde, weil neben diesen Ausnahmeerscheinungen alle verblassten. Hirscher (8) und Fenninger (6) sorgten für mehr als die Hälfte der insgesamt 23 ÖSV-Weltcupsiege. «Es ist extrem, welche Belastung nun von mir gefallen ist», sagte Fenninger. «Auf Dauer kann ich diesen körperlichen und mentalen Aufwand nicht betreiben, der für den Erfolg nötig ist», sagte Hirscher.

Aber erst einmal hallt vermutlich immer noch die österreichische Hymne von Méribel nach. Die Organisatoren im französischen Skiort waren übrigens schlau genug, auf den Text zu verzichten. Bei der WM sang ihn ein Kinderchor aus Colorado und hatte einen veralteten Text einstudiert, in dem es hiess: «Heimat bist du grosser Söhne». Seit 1. Januar 2012 ist der Wortlaut «Heimat grosser Töchter und Söhne». Die Grünen im österreichischen Parlament reagierten empört, weil die grossen Töchter bei der WM vergessen gegangen waren. Fenninger zumindest blieb gelassen.

Erstellt: 22.03.2015, 22:16 Uhr

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