«Ich kann mich auf mich verlassen»

Trotz dezentem Saisonstart gibt sich Langläufer Dario Cologna für die Rennen von heute und morgen in Davos angriffig.

Dario Cologna (28) bezweifelt, ob der grosse Aufwand der Norweger zu besseren Resultaten führt. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Dario Cologna (28) bezweifelt, ob der grosse Aufwand der Norweger zu besseren Resultaten führt. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

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Was dürfen wir von Ihnen in Davos erwarten?
Über die 15 km klassisch will ich am Samstag in die Top 3 laufen . . .

. . . was kühne Worte sind, wenn man bedenkt: Vor 14 Tagen noch wurden Sie zum Saisonauftakt in Kuusamo im Sprint 45., dann über 15 km klassisch 23.
Diese Resultate muss man aus mehreren Gründen relativieren.

Tun Sie es.
Weil ich mich in den Wochen vor Kuusamo erkältet hatte, musste ich erst einmal den Trainingsrückstand aufholen. Im Gegensatz zu anderen Athleten bestritt ich den Auftakt mit etwas müden Beinen. Hinzu kam eine eher zähe Vorbereitung im Sommer mit relativ starken Formschwankungen. Dann waren wohl auch die Ski nicht die besten. Trotzdem verlor ich über die 15 km nur eine ­Minute. Berücksichtigt man diese ­Faktoren, war zumindest das Klassisch-Resultat keineswegs so bescheiden, wie es sich auf dem Papier liest. ­Etwas enttäuscht war ich gleichwohl, da will ich ehrlich sein.

Umso erstaunlicher ist, dass Sie innert zwei Wochen dermassen selbstsicher wurden.
Das hängt auch mit den Resultaten des letzten Weltcups zusammen (Cologna wurde 9. und 6., die Red.). Diese Ergebnisse gaben mir Mumm. Zudem bin ich nun einmal ein Typ, der mit einigen Rennen in den Beinen besser wird.

Cologna, der Wettkampftyp?
Früher war das noch viel extremer. Als Junior fiel ich in den Trainings teilweise ab – und war dann in den Rennen doch besser als die Kollegen. Inzwischen ist mein Niveau so hoch, dass ich auch in den Trainings mithalten kann (lacht).

Weit entfernt scheint zurzeit der Norweger Martin Johnsrud Sundby zu sein. Er dominiert den Weltcup.
Er ist momentan der Beste, keine Frage.

Klingt da ein Aber durch?
Warten wir bis zur WM ab. Ich werde mich sicherlich noch steigern können, ob aber ein Sundby noch viel besser werden kann, bezweifle ich. Das war schon in der vergangenen Olympiasaison der Fall. Er war über die ganze Saison konstant stark, an den Spielen aber reichte es ihm zu keinem Titel.

Sundby ist zu Hause auch darum ein Thema, weil er übers Jahr 1170 ­Stunden trainiert haben soll. Auf wie viele Stunden kommen Sie?
Es ist nicht so, dass ich nichts mache.

Das heisst?
Ich komme auf rund 900 Trainingsstunden pro Jahr. Man muss bei den Nor­wegern aber immer ein wenig vorsichtig sein. Ihr Ansatz ist gerade, sehr viel zu trainieren. Aber: Erstens dauern unsere Rennen maximal zwei Stunden und zweitens kommt Qualität vor Quantität. Kurz: Ob solch hohe Umfänge in unserem Sport notwendig sind, also zu besseren Resultaten führen, bezweifle ich.

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern bilden die Norweger zurzeit aber fast eine Wand. Es droht die Langeweile.
Bei den Frauen ist die Erklärung simpel. Die Gegnerinnen sind schlicht zu schwach. Bei den Männern sind die Gründe vielfältiger, sie haben mit den Norwegern wie mit den Gegnern zu tun. Was die Norweger angeht: Sie haben in der Breite zugelegt. Wer sich bei ihnen für die WM qualifizieren will, muss früh im Jahr auffallen. Entsprechend dürfte der eine oder andere seine Form auf diese frühe Phase ausgerichtet haben. Zugleich ist ihr Trainingsniveau enorm, also schaukeln sich die Teammitglieder gegenseitig hoch.

Und die Gegner?
Richten sich wohl eher auf die Topanlässe aus. Darum muss man noch nicht zu Saisonbeginn der Beste sein.

Ihr bescheidener Start verunsichert Sie kein bisschen?
Man muss schon siegen, um zu wissen, wie sich das Siegen anfühlt. Zumal du vor einer Saison nie weisst, wo du im Vergleich mit den Gegnern stehst. Insofern steigern Topplatzierungen das Selbstvertrauen. Da bin ich keine Ausnahme.

Verglichen Sie zuletzt Ihre Trainingsresultate intensiver mit früheren Jahren – um sich zu beruhigen?
Nein. Ich führe im Winter ohnehin kein Trainingstagebuch, sondern entscheide nach meinem Bauchgefühl, was ich genau tue. Das habe ich bislang so gehandhabt und bin damit gut gefahren. Ich kann mich auf mich verlassen (lacht).

Notieren Sie im Sommer, was Sie leisten?
Ja, dann halte ich fest, was ich mache und habe folglich auch Vergleichsmöglichkeiten. Allerdings haben wir mit dem Wechsel zu Ivan Hudac einige ­Trainingsaspekte verändert. Vergleiche waren darum schwierig.

Mancher fragte sich: Cologna gewinnt trotz gravierender Fussprobleme in Sotschi zweimal Gold und wechselt dann im Frühling doch den Coach. Warum also der Wechsel?
Eine berechtigte Frage. Der Druck nahm deshalb zu, entsprechend taten uns die guten Resultate in Lillehammer (Platz 9, 10 und 18 im 2. Wettkampf) auch so gut. Wir wollten uns weiterentwickeln und glaubten, mit einem neuen Trainer neue Reize setzen zu können. Ansonsten droht die Gefahr, sich bei allen Veränderungsversuchen mit demselben Coach im Kreis zu drehen. Darum die Zäsur.

War sie richtig?
Bis nach der WM müssen Sie sich schon gedulden. Geben Sie mir also noch ein wenig Zeit bis zum ersten Fazit.

Erstellt: 12.12.2014, 22:34 Uhr

Davos

Reaktion der Sprinter?

Stark hatte sich Laurien van der Graaff während des ersten Rennens gefühlt – und hatte im Klassiksprint von Kuusamo als 46. das Weiterkommen deutlich verfehlt. Statt sich vergangene Woche in Lillehammer über ihre bevorzugte Technik, dem Skating, klar steigern zu können, scheiterte sie im Prolog erneut. Diesmal wohl primär wegen schlechter Ski. Die Davoserin will sich beim Skating­rennen morgen darum rehabilitieren und zeigen, dass sie sich über den Sommer sehr wohl verbessert hat. Gleiches gilt für Sprintkollege Gianluca Cologna. Auch er ist überzeugt, über den Sommer gut trainiert zu haben, verpasste den Einzug in die Top 30 in den ersten beiden Weltcupsprints jedoch. Obschon stärker in der klassischen Technik, will der Wahldavoser zumindest belegen, dass er auch im V-Stil besser geworden ist und mindestens in den Viertelfinal ­vorstossen kann

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