«Ich muss das Emotionale beiseitelassen»

Didier Cuches letzte Skitage auf Schweizer Boden beginnen mit seinem 21. Weltcuptriumph. Dagegen bleibt Beat Feuz im ersten Super-G von Crans-Montana hinter den Erwartungen zurück.

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Sonnenschein, blauer Himmel, milde Temperaturen und der sechste Weltcupsieg im Super-G: Für Didier Cuche und die Veranstalter hätte das Weltcup-Wochenende der Männer in Crans-Montana nicht besser starten können. Und der Erfolg von Cuche bringt jenen magischen Hauch von 1987 zurück, als les Suisses an den denkwürdigen alpinen Weltmeisterschaften insgesamt 14 Medaillen hamsterten. Es waren Tage, die nach wie vor historischen Wert in der Schweizer Sportgeschichte haben und unvergesslich sind.

Dass Cuche, der seine letzten Weltcuprennen in der Heimat bestreitet, die Ersatzveranstaltung für Kitzbühel knapp vor dem Kanadier Jan Hudec für sich entscheiden konnte, hatte er einer grossartigen Aufholjagd auf der Piste Nationale zu verdanken. «Ich habe den untersten Teil genau getroffen», freute sich der Romand gegenüber dem Schweizer Fernsehen. Aber er war wie gewohnt selbstkritisch. «Im oberen Teil fuhr ich nicht gut. Ich kam zweimal von der Linie ab und verlor wertvolle Zeit. Es hat sehr viel gebraucht, den Rückstand aufzuholen. Ich bin froh, dass es doch noch gereicht hat.»

Emotionale Tage in der Heimat

Cuche gab zu, dass sein Adieu vom Skizirkus auf Schweizer Terrain doch mehr unter die Haut geht als gedacht. «Dieser Sieg hier ist schon etwas Besonderes. Aber ich muss das Emotionale beiseitelassen», erklärte der 37-jährige Neuenburger schon fast gerührt. «Ich hoffe, dass die Fans verstehen, dass ich mich auch auf die Rennen konzentrieren will. Ich muss ja trotzdem meine Leistungen bringen.» Voilà – gesagt, getan. Der «Schweizer des Jahres 2011» erhält am Samstagabend auf der lokalen Patinoire den Award der grossen TV-Publikumsbefragung – dann wird sich der Preisträger bestimmt den vielen Anhängern zeigen und sich auch mit ihnen befassen, wie er das eigentlich immer tut. Es dürfte eine ausgelassene Party werden; erst recht, wenn der beliebte Skifahrer die Revanche vom Samstagvormittag gewinnen sollte.

Der Romand vergass nicht, den vielen Helfern im Team ein Kompliment zu machen. Die Kommunikation mit den Trainern habe ausgezeichnet geklappt. «Und einige Dinge habe ich selbst am TV gesehen und mir meine Meinung gemacht.» Sie fiel – wie so oft in seiner illustren Karriere – richtig aus. Dass sein Servicemann ihm schnelle Skis präpariert habe, verschwieg der abtretende Routinier ebenfalls nicht.

Feuz: «Es war nicht mein Tag»

Für Beat Feuz dagegen verlief der freitägliche Super-G nicht nach seinen Vorstellungen. Mit Rang 20 machte er nur elf Punkte auf den im Gesamt-Weltcup führenden Marcel Hirscher gut. Dass der Österreicher bei seinem Comeback in dieser Disziplin ebenfalls hinter den Erwartungen blieb, war für den Emmentaler im ersten Moment kein Trost. «Es waren nicht die Bedingungen für Marcel und mich. Für uns beide war die Piste zu weich.» Feuz hielt darum lapidar fest: «Es war leider nicht mein Tag.» Dazu passte, dass er kurz vor seinem Einsatz überaus lange im Starthäuschen auf seinen Einsatz hatten warten müssen. Und ihm machten Kniebeschwerden zu schaffen.

Nun, der Berner hat in Crans-Montana am Samstag die Möglichkeit, im zweiten Super-G ein besseres Resultat zu erzielen. «Ich werde mir für morgen etwas einfallen lassen.» Ob Konkurrent Hirscher noch einmal antreten wird, ist eher zu bezweifeln. «Ich glaube, es macht wenig Sinn, noch einmal so viel Kraft dafür zu opfern», erklärte der Salzburger gegenüber dem ORF. Hirscher wird wohl im Riesenslalom vom Sonntag die Gelegenheit nutzen, reichlich Weltcuppunkte zu sammeln.

Erstellt: 24.02.2012, 15:57 Uhr

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WC-Super-G, Crans-Montana

Männer, Schlussklassement:
1. Didier Cuche (Sz) 1:33,11.
2. Jan Hudec (Ka) 0,16 zurück.
3. Benjamin Raich (Ö) 0,21.

4. Silvan Zurbriggen (Sz) 0,43. 5. Hannes Reichelt (Ö) 0,57. 6. Christof Innerhofer (It) 0,60. 7. Joachim Puchner (Ö) 0,62. 8. Romed Baumann (Ö) 0,65. 9. Aksel Lund Svindal (No) 0,67. 10. Klaus Kröll (Ö) 0,70. 11. Didier Défago (Sz) 0,72. 12. Georg Streitberger (Ö) 0,79. 13. Erik Guay (Ka) 0,82. 14. Max Franz (Ö) 0,85. 15. Adrien Théaux (Fr) 0,89. 16. Peter Fill (It) 0,96. 17. Kjetil Jansrud (No) 1,09. 18. Yannick Bertrand (Fr) 1,20. 19. Tobias Grünenfelder (Sz) 1,35. 20. Beat Feuz (Sz) 1,36.

Ferner: 29. Carlo Janka (Sz) 2,27. 33. Marc Gisin (Sz) 2,67. 34. Marcel Hirscher (Ö) 2,74. - 73 Fahrer gestartet, 54 klassiert. - Ausgeschieden u.a.: Patrick Küng (Sz), Sandro Viletta (Sz), Mario Scheiber (Ö).

WC-Stand, Männer. Gesamt (nach 33 von 44 Wertungen): 1. Marcel Hirscher (Ö) 1055. 2. Ivica Kostelic (Kro) 1043. 3. Beat Feuz (Sz) 1014. 4. Aksel Lund Svindal (No) 785. 5. Didier Cuche (Sz) 761. 6. Romed Baumann (Ö) 702. 7. Hannes Reichelt (Ö) 695. 8. Ted Ligety (USA) 636. 9. Bode Miller (USA) 612. 10. Klaus Kröll (Ö) 573. Ferner: 23. Didier Défago (Sz) 346. 25. Carlo Janka (Sz) 340. 31. Silvan Zurbriggen (Sz) 250. 34. Patrick Küng (Sz) 213. 47. Sandro Viletta (Sz) 146. 57. Marc Gisin (Sz) 114. 79. Markus Vogel (Sz) 60. 85. Ambrosi Hoffmann (Sz) 54. 88. Reto Schmidiger (Sz) 49. 99. Tobias Grünenfelder (Sz) 36. 109. Vitus Lüönd (Sz) 18. 111. Marc Berthod (Sz) 17.

Super-G (nach 4 von 8 Rennen): 1. Aksel Lund Svindal (No) 259. 2. Didier Cuche (Sz) 221. 3. Beat Feuz (Sz) 182. 4. Jan Hudec (Ka) 165. 5. Bode Miller (USA) 119. 6. Sandro Viletta (Sz) 118. Ferner: 16. Didier Défago (Sz) 61. 20. Silvan Zurbriggen (Sz) 52. 25. Patrick Küng (Sz) 42. 27. Tobias Grünenfelder (Sz) 30. 40. Carlo Janka (Sz) 13. 44. Ambrosi Hoffmann (Sz) 6.

Nationen (nach 60 von 83 Wertungen): 1. Österreich 10'012 (Männer 5548 Frauen 4464). 2. Italien 5346 (3065 2281). 3. Schweiz 5089 (3418 1671). 4. USA 5035 (1936 3099). 5. Frankreich 4407 (2672 1735). 6. Deutschland 3154 (1064 2090). 7. Schweden 2459 (1214 1245). 8. Kanada 1913 (1453 460). 9. Norwegen 1606 (1462 144). 10. Slowenien 1603 (352 1251). Ferner: 13. Liechtenstein 650 (60 590).

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